Wrag!

Cédric Weidmann, 26, schreibt.

Monat: März, 2009

Heimat; (Schlüssel liegen unter dem Blumentopf)

Da steht er jetzt. Vor dem Wegweiser.

Da hinten geht es nach Rüschlikon und über Umwege nach Truttikon, während Wiesenwegen in die andere Richtung zeigt und sich zwischen Birslikon und Burgstetten durch die Wälder bahnt.

Und während er so da steht, da riecht er auch die gedüngten Felder der Bauernhöfe und er spürt schon Ansätze von Gräserpollen in seinen Nasenflügeln tollen.

Da vorne geht die Sonne unter, der Sonnenuntergang ist rosarot.

Scheisse, denkt er, da sind wir jetzt.

Wenn er versucht durch die klaren, flimmernden hitzewallenden Täler zu sehen, erkennt er, wo man dem Eimer statt Chübel „Küdder“ sagt und man auf Bitch „Walliserdiitsch“ reimen kann. Da hinten gibt’s ein Tal und oben, wenn man von den paar Seilbahnen absieht, die sich zwischen den Matterhörnern und Zürcher Marathönern wie das zarte Reussband erstrecken, bietet sich fast freie Sicht auf die Heissluftballonfahrer, die unbedingt einmal Bülach sehen wollen und dabei über Glarus und Einsiedeln kurz den Gaza streifen.

Zwei Joggerinnen in Nike-Trainerjacke pendeln zwischen Asylantenheim und Parlamentshaus und rufen dazwischen noch die Wehrpflichttauglichen zur Mitnahme der Ordnonanzwaffe beim Fondue-Botellòn auf. Im Xtra hat der Schwingerkönig gerade dem Gemeindeschreiber von Bettingen, der fieberhaft von den neuen Autobahnanschlüssen schwärmt, auf die Schulter geklopft und das Bundesamt für Bildung und Forschung schaut währenddessen den Verkehrskreiseln aufmerksam beim Vegitieren und Biodiversifizieren zu.

Jemand im Schatten eines Schützenhauses spricht vom Bankgeheimnis, von den ehrenwerten Banken und den elenden IV-Betrügern und weiss der Cailler wohin uns das alles hinführen soll!, während über uns weiterhin das McDonald’s-Zeichen dem Starbuck’s-Slogan zuzwinkert und in luftiger Höhe mit Minaretten flirtet.

Scheisse, denkt er sich, so ein Wegweiser, das hilft mir jetzt überhaupt nicht, ich muss doch noch zum Bahnhof und mein Intercity Neigezug fährt doch pünktlich wie alles hier.

Er entscheidet sich für die Richtung nach Fribourg und rennt drauf los ohne in der Eile auf den Röstigraben zu achten, von dem er sich nur mit grosser Not in den Bärengraben rettet, wo sich die Tiere den Rachen vor seinem Verkosten mit überschwemmenden Aarewasser spülen und in Gedenken an die Rütischwur die Nationalhymne Gölä nachgurgeln.

Neutralität wäre nur halb so spannend.

!

Sie hatte etwas von Wille und Lust gestöhnt, lag nackt auf dem Sofa und räkelte sich. Er war ein Mann und sah ihren Brüsten beim Wackeln zu.
Sie fragte ihn, woran er gerade dächte.
Wieso diese Fragen?, fragte er sich. Wieso musste man ihm immer diese offensichtlichen Fragen stellen?

Früh ging er nach draussen, weil er bei der Zeitung arbeitete.
Niemand wusste das genau und niemand wusste genau, was.
Er rauchte morgens und trank seine Milch mit Likör, er frühstückte nie.
Am Mittag ging er aufs Klo und hustete sich die Druckerschwärze aus der Lunge. Dann wusch er sich die Hände, ass einen Kebab und nahm sich ein Bier.
Abends, wenn er nach Hause kam, zündete er sich eine Zigarette an, bevor er die Türe öffnete und eintrat. Wenn er eingetreten war, legte er sich aufs Bett und rauchte eine Zigarette. Trüge ihm nicht immer die Putzfrau das Sixpack in den Keller, hätte er nicht immer und immer wieder erfolglos an die Unterseite seines Bettes zu tasten.
Sein Leben war ziemlich teilweise.

Ein Freund rief an und fragte, ob es gut gehe.
Er hängte auf ohne zu antworten. Er fragte sich, ob es nicht genug Ausrufezeichen für all die Fragezeichen gab. Er glaubte doch.

Er arbeitete lange und fruchtlos. Menschen, die Zeitung lasen, hatte er schon seit Monaten nicht mehr gesehen.
Nachdem er eine Lohnerhöhung erbeten hatte, liess ihn der Chef holen.
Ob ihm denn die Arbeit nicht gefalle.
Sicher!, sagte er mit einem Ausrufezeichen und zündete sich eine Zigarette an, sicher!

Ob er gerne rauche, fragte die Frau an der Kasse des Denners, zu dem er immer den Umweg nach Hause machte, um nicht über die Autobahn gehen zu müssen.
Sicher!, antwortete er, sicher, sicher!

Die von der Arbeitsversicherung war jung und hatte einen grossen Ausschnitt.
Wohin er schaue, fragte sie, er müsse sich auf die Maschine konzentrieren.
Er zuckte mit den Schultern und tat wie ihm geheissen. Die Maschine hustete, er hustete auch und die von der Arbeitsversicherung kaute gelassen auf ihrem Kaugummi.

Der Staatsanwalt fragte, was er jetzt vorhabe.
Er wusste es nicht.
Eine Vergewaltigung sei ein dumme und schwerwiegende Sache. Vor allem, wenn es sich beim Opfer um eine Versicherungsangestellte handle, der könne er nicht erzählen, er habe es unter Alkoholeinfluss getan, also könne er die ausstehenden Jobauszahlungen gleich vergessen.

Ob er denn gestehe, wollte der Richter wissen.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!
Ob er denn bereue.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!

Ob er etwas verbrochen habe, dass er im Gefängnis sässe, fragte der Bruder.
Ob er aus dem Gefängnis wolle, fragte der Psychiater.
Ob man ihm Kuchen schicken solle, fragte die Grossmutter.
Ob die Grossmutter noch lebe, fragte der Bruder ganz schockiert.
Ob das der Bruder denn nicht gewusst habe, fragte die Grossmutter beleidigt.
Ob es ein Problem für ihn sei, fragte der Beamte, dass man ihn erst jetzt rauslasse.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!
Ob er damit trotzdem nicht gleich zu den Medien gehen würde.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!

Und er arbeitete wieder für eine Zeitung, er rauchte eine Zigarette, lebte irgendwo, manchmal kamen Fragen von oben herab, manchmal aus der anderen Richtung.
Ob er krank sei, ob er psychisch gestört oder so sei.
Ob er dieses und jenes getan, gelassen oder gehabt hätte, ob er das eine dem anderen vorziehen wollte und ob ihn das überhaupt interessiere.

Sicher interessiere ihn das, sicher, sicher! Er sei ja kein Unmensch.

Späte Einsicht

Es war regnerisch und schlechte Sicht auf den Strassen, da wurde ein Kind überfahren.
„Das sehe ich einfach nicht ein!“, rief Bernd aus, der daneben gestanden hatte und nicht den Anschein erweckte, die Sanität zu rufen.

Aus dem Krater der Atombombe wucherte ein eindrücklicher Pilz. Alle wurden evakuiert. Nur Bernd nicht. „Das sehe ich einfach nicht ein!“, schrie er dem Feuerwehrmann zu.

Es klingelte einmal an der Tür, draussen stand der Tod.
„Ich muss dich mitnehmen, wir können noch kurz beim McDrive vorbei, wenn du Lust hast.“
„Das sehe ich einfach nicht ein!“, schrie Bernd entsetzt.
„Doch, natürlich, ich nehme die Leute immer noch kurz zum McDrive mit, das lässt einen Herzinfarkt kausaler erscheinen.“
„Das sehe ich einfach nicht ein!“, rief Bernd erneut.
„Aber sicher doch, schau mal, die Omega-6-Fettsäuren in deinem Cheeseburger verursachen möglicherweise eine Verengung deiner Herzkranzgefässe.“
„Das sehe ich einfach nicht ein!“
„Wieso denn? Dann kriegst du einen Herzinfarkt und alles ist prima. Ausserdem magst du das Essen,
schau dich an, bestimmt magst du das Essen.“
„Ich bin nicht dick!“, schrie Bernd.
„Ja ja, du schreist einfach zu viel, das ist das Problem“, meinte der Tod, mit seiner Geduld am Ende.
„Das sehe ich einfach nicht ein!“, schrie er.
Deshalb musste er sterben.

Berufung

Ich hatte schon als Kind besonders grosse Nasenflügel, sagte der Pilot.

Lifestyle (Laufe Amok, saufe Koma)

Es hätte Severins vierter Amoklauf werden sollen.

Trotz seines zarten Alters von 21 konnte man schon von einer gewissen Routine sprechen.

Bei einem Hobby, dessen Faszination nur wenige mit ihm teilten, war es vermutlich auch nicht besonders schwer, ausserordentlich hervorragende Fähigkeiten darin zu zeigen. Es wäre trotzallem nicht anständig es zu leugnen oder es unerwähnt zu lassen, dass er der Beste war.

Er sprach immer von der Kulmination, vom Gipfel absoluten Rausches und dem Gefühl der Allmacht, dessen Impressionen er sich in den wenigen Minuten in den blutbesudelten Schulhausgängen oder vor der Bushaltstelle gewahr wurde. Das sei ein schönes Gefühl. Doch was viel besser sei, das sei die minutiöse Vorbereitung der Tat.

Er liebte es, abends nach dem Nachhauskommen auf dem Internet Waffen und Abschiedsbriefe zu shoppen, heute geht das ja alles über Paypal. In diesem Bezug war er den Mädchen, die Samstags in der Stadt ihre Kleider kauften, kaum unähnlich.

Auch Severin legte Wert auf Kleidung. Er hatte sehr lange, bis er sich wirklich zum richtigen Spruch auf dem T-Shirt durchgerungen hatte. Es durfte nicht zu sehr politisch sein und etwas nerdig, aber nicht freaky. Leech-Speak hätte leider niemand verstanden und ein HTML-Lauftext schien ihm nicht genug eingänglich, es musste für eine kurze Videosequenz auf Youtube reichen, um jedem im Hinterkopf zu bleiben. Das war eine Beschäftigung, der er sich gerne hingab. Meistens, so fand er, stellten sich seine Sprüche im Nachhinein als ziemlich dumm heraus. Er hätte das letzte Mal das koreanische Schriftzeichen für Orgasmus nehmen sollen, anstelle des barocken Gedichts, das er mit Google auf Englisch und dann wieder auf Deutsch übersetzt hatte.

Unheimlich Spass machte es ihm auch, im Chat einen Bot hochzuschalten, der einen zufälligen letzten Satz einer berühmten intellektuellen Persönlichkeit postete, oder Abends in den Internetforen seine Drohungen ausführlich und seine Ausführungen eindringlich zu beschreiben.

Blut und die Dynamik extrahierter Körperteile fanden in seinen Erzählungen immer seltener Eingang. Man änderte schliesslich auch die Art, wie man das Ganze anging.

Es war, alles in allem, eine Frage des Stils, eine Frage der Konzeption vielleicht, und auch wenn sich Severin nie mit diesem Aspekt seiner Beschäftigung auseinandergesetzt hatte, war das möglicherweise eine Form von Aktionskunst. Aber das sollte keine Kunst sein, gegen das klagte er ja alles, gegen die Kunst, gegen die Konzeption, gegen Ordnung und Verlangen, gegen Verdrängung und Unterwurf. Andererseits war das ja nicht politisch. Es gab da keine Revolution, die dahinter steckte.

Es war viel mehr einfach ein geiles Gefühl.

Es hätte Severins vierter Amoklauf werden sollen, als ihm aus Versehen in einem etwas vom Topic abhanden gekommenen Thread herausgerutscht war, dass Che zwar Gewalt angewandt habe, aber dass ihn nicht die Lust, sondern die Idee getrieben habe.

Da war das Ganze natürlich gelaufen.

Er konnte ja nichts mehr machen, was nicht politisch war. Hätte er seinen vierten Amoklauf begangen, so sähe man heute noch Che als den Auslöser und das Idol. Doch das war doch alles nicht richtig. Nicht einmal sein Hobby durfte man vorbehaltlos ausleben.

Und so war es dazu gekommen, dass Severin Politiker wurde, was er bis zum Ende seiner Tage blieb. Sein Tod galt als Martyrium für die Besserung und den Umschwung zur politischen Veränderung anstelle von roher Gewalt. Er dachte an die Ästhetik eines durchlöcherten Schädels, als er röchelnd in das in seiner Kotze getränkte blutfarbene Kissen biss und verschwand.

Ein Zeichen

Er war von der Sorte Mensch, die sofort aufstanden, nachdem die Station durch die Lautsprecher ausgerufen wurden, um im Falle eines Falles nicht im letzten Moment durch die Masse an Pendlern wühlen und das Aussteigen verpassen zu müssen.

Es war ihm sehr wichtig, rechtzeitig zu sein, pünktlich und nach Plan.

Es hagelte stark und mit Interesse beobachtete er die Blicke des Mädchens, das im Abteil neben ihm, ihm gegenüber sass. Sie bog sich zum Fenster um hinaus zu sehen. Es polterte, viele Köpfe drehten sich in Verwirrung durch den Zug. Plötzlich war die Aufmerksamkeit auf die Scheiben gerichtet und das Dach, auf dem die Eisklumpen aufschlugen.

Er zog seine Jacke näher zu sich und richtete seinen Blick wieder auf das Mädchen, dessen Handtasche unbeaufsichtigt neben dem Sitz lag, von dem sie sich erhoben hatte.

Das ist gefährlich, sagte er plötzlich zu ihm, wissen Sie, gerade das hier wäre ein guter Moment für einen Dieb eine unbeobachtete Tasche zu stehlen.

Die junge Frau sah ihn verwirrt an.

Danke für den Hinweis, sagte sie freundlich und kühl. Glauben Sie denn nicht, dass Diebe auch Angst haben?

Wovor sollten Sie Angst haben?

Vor dem Hagel.

Er sah sie an, etwas verdutzt erst, doch dann blickte er nach oben und er konnte sehen, wie die Decke unter dem Gewicht des Hagels erzitterte.

Wussten Sie aber, dass Diebe sehr schlitzohrig sind?, erwiderte er. Sie fürchten sich nicht vor denselben Dingen wie wir, denn sie müssen oft viel zu sehr auf uns bedacht sein, als dass sie ihre eigenen Interessen schützen könnten.

Es gibt niemanden, der den Hagel nicht fürchtet, antwortete sie, Sie werden es auch noch, glauben Sie mir, spätestens wenn er Ihnen die Wangen blutig schürft und Ihren Unterkiefer herausstanzt wie Papier. Wussten Sie, dass Hagelkörner bis zu 150 km/h schnell vom Himmel fallen können?

Er wusste nicht, was er darauf erwidern sollte, also wandte er sich ab und sah etwas aus dem Fenster, ohne allerdings nennenswerte akrobatische Mühe aufzuwenden.

Die Lautsprecher sangen zum Getrommel. Rafz, Endstation, aussteigenbitte!

Dabei war es nicht Rafz, sondern bald Bülach. Normalerweise wäre er jetzt aufgestanden und hätte sich angezogen, aber er blieb noch einen Moment sitzen und lauschte den Geräuschen. Er konnte sich nicht erinnern, wann er hier das letzte Mal die richtige Durchsage gehört hatte, und trotzdem stand er jedesmal pünktlich dazu auf und wartete eine Minute vor der Türe, bevor er ausstieg.

Gerade da schlug ein Hagelkorn durch das Fenster in seinem Abteil und zertrümmerte den blauen S-Bahn-Sitz vor ihm. Die Leute schrien auf, die junge Frau sprang einen Schritt zurück vom Durchgang und gegen ihr Fenster. Er sagte gar nichts, seine weissen Knöchel um das Filz der Jacke geschlungen. Er schluckte nicht einmal.

Rafz, Endstation, aussteigenbitte!, riefen die Lautsprecher noch einmal, doch niemand rührte sich. Da sprang er auf, warf sich auf den Boden, wo, zwischen den Sitzen zum Bremsen gekommen, der bestimmt ein Kilo schwere Eisklumpen lag. Er griff nach ihm, zog ihn zu sich, rannte durch die S-Bahn und durch die Türe hinaus, in den Hagelsturm in Bülach.

Er hatte seine Jacke vergessen.

Körperhygiene

„Magst du es eigentlich nicht mehr, wenn wir zu zweit unter der Dusche stehen?“

„Wieso sollte ich?“

„Nun ja, wir haben es schon so lange nicht mehr getan und du hast auch nicht gesagt, dass du es vermisst. Ich wollte nur fragen.“

Sie schwieg kurz, während sie aus dem Fenster sah. Man konnte vom Bett aus nichts sehen ausser die grauen Wolken, die sich satt und fest über den Himmel zogen.

„Und ich mein nur, weil man doch auf Facebook von Douche à 2 Fan werden kann. Und ich hab da eine Menge deiner Kumpels gesehen, die Fan wurden, aber du nicht, und da hab ich mich gefragt ob etwas nicht in Ordnung ist.“

„Achso, weil ich da kein Fan von bin?“, fragte er.

„Na ja, ich hab mich ja nur gefragt.“

„Nein, ich weiss nicht. Bist du denn ein Fan geworden?“

„Wieso? Spielt das für dich eine Rolle? Ich meine, magst du es nicht? Wirst du es nur, wenn ich es bin? Willst du mir einen Gefallen tun, oder was?“, fragte sie zurück.

„Ich hab doch gar nicht gesagt, dass ich es nicht mag, du hast gesagt, ich mag es nicht, weil ich im Internet kein Fan davon geworden bin, aber das sagt doch nichts aus, ob ich von Schokolade oder von Keira Knightley Fan werde. Nur weil das alle tun, muss ich doch nicht“, erwiderte er.

„Nein, natürlich musst du nicht. Aber ich wollte ja nur einmal gefragt haben, du musst auch nicht so austicken, du kannst ja auch einfach sagen, dass du es nicht willst. Aber, sag mir, liegt es an mir? Bin ich dir zu langweilig?“

„Nein, ich habe gar nicht gesagt, dass ich es nicht mag.“

„Aber du magst es nicht, oder?“

„Weißt du, dieses Internet macht dich doch ganz verrückt. Ich muss doch nicht von allen Dingen in meinem Leben ein Fan werden, um zu zeigen, dass ich es nicht hasse.“

„Achso, du hasst es nicht, dann ist ja alles super! Hasst du mich auch nicht? Das wäre richtig lieb von dir.“

„Wieso sollte ich dich hassen? Das ist jetzt ungerecht, dass du mir das vorwirfst, das habe ich überhaupt nicht gesagt. Ausserdem müsste ich wohl zuerst von Hass auf Facebook Fan werden, bevor ich überhaupt etwas hassen dürfte. Oder ich müsste mich zu den Menschen, die dir pausenlos die Fresse polieren könnten, gruppieren, um eine Meinung äussern zu können.“

„Dann äussere doch jetzt deine Meinung. Ich frag dich doch nur.“

„Aber, wieso denn? Wieso bist du kein Fan geworden?“, bohrte er weiter.

„Na ja, ich hab abgewartet, was du tust. Ich will nicht von etwas Fan werden, was du hasst, das sehen doch dann alle. Ich will das nicht als Zeichen einer Meinungsverschiedenheit sehen.“
„Und wenn es eine Meinungsverschiedenheit wäre?“

„Ich weiss nicht, dann müssen wir das ja nicht gleich so öffentlich machen. Du gibst also zu, dass es eine Meinungsverschiedenheit ist.“

„Nein, das tue ich nicht.“

„Und trotzdem ist es eine.“
„Was kümmert dich eigentlich, ob das die anderen Leute sehen oder nicht?“

„Na ja-“

„Nein, eher: Was kümmert diese Leute, was wir unter der Dusche machen?“

„Wir machen gar nichts unter der Dusche.“
„Das stimmt doch überhaupt nicht! Wann haben wir das letzte Mal zusammen geduscht? Vor zwei Monaten?“

„Vor drei.“

„Na und? Ich meine, na und, du hast auch seit drei Monaten nicht mehr gefragt, ob wir duschen sollen.“
„Ich will dich nicht unter Druck setzen, wenn es dir nicht gefällt.“

„Was tust du dann gerade eben?“, fragte er.

„Es gefällt dir nicht? Dann sag das doch, ich wusste es, aber was ist es? Wieso denn nicht?“
„Das habe ich doch damit überhaupt nicht sagen wollen. Was glaubst du denn, wie es für mich ist? Wie fühle ich mich wohl, wenn ich Fan vom Duschen zu zweit werde, wenn du es nicht bist? Das ist doch scheisse.“

„Willst du denn ein Fan werden? Ich werde auch einer, wenn du es wirst“, schlug sie vor.

„Magst du es denn selbst nicht genug um ohne mich Fan zu werden?“

„Ich bin doch nur vorsichtig.“

„Natürlich bist du vorsichtig. Aber wieso?“

„Was? Nur so. Ich wusste nicht, dass das etwas Schlechtes ist.“
„Ist es ja auch nicht.“

Er stand auf und trat auf ein herumliegendes Buch. Er zog sie hoch und am Arm ins Badezimmer.

„Ich will nicht, dass du das mir zu liebe machst. Ich will nicht, dass du mir diesen Gefallen tust“, rief sie ihm zu.

„Das ist kein Gefallen, das ist Hass.“, grollte er und öffnete die Düse.

Buch der Gesichter

Jonathan ist jetzt mit Yvonne Schneider ist jetzt mit , ist jetzt mit Patrick Oesch ist jetzt mit , ist jetzt mit Kathrina Späti, ist jetzt mit , , ist jetzt mit Andreas Peterhans, , ist jetzt mit , , , ist jetzt mit Kevin Studer ist jetzt mit und ist jetzt mit Thomas Mohr befreundet.