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Monat: März, 2010

Sollen knappe Ressourcen nach Leistung oder nach Bedürfnis verteilt werden?

Im Januar bewarb ich mich zum zweiten Mal für die Philosophie-Olympiade.
Meinen letztjährigen, erfolgreichen Versuch hatte ich hier veröffentlicht.
Auch 2010 hat es wieder geklappt und ich durfte ein Wochenende lang
philosophieren und einen Essay schreiben, um eine Rangliste zu ermitteln.

Ich war erwartungsgemäss besser, ich erreichte den dritten Rang
und erhielt dafür Silber.
Hier ist der Text, der mich zur SPO qualifiziert hat.

Sollen knappe Ressourcen nach Leistung oder nach Bedürfnis verteilt werden?

Die Gesellschaft steht, im theoretischen Modell, auf einem Fundament: dem Bedürfnis.
Eine Ausprägung dieser Grundlage ist der fiktive Gegenstand des Eigentums. Er besagt, dass Bedürfnisse durch Aneignung von Gütern befriedigt werden.

Dabei rücken zwei Probleme in den Vordergrund.
Erstens: Die Bedürfnisbefriedigung wie auch die Aneignung von Gütern wird durch Hindernisse erschwert. Ein solches Hindernis ist, dass die meisten Güter knapp sind, vielleicht auch alle. Sie sind nur begrenzt vorhanden.
Zweitens: Die Bedürfnisbefriedung und die Aneignung von Gütern stehen nicht unwiderruflich in direktem Zusammenhang. Das theoretische Prinzip, ein nach wirtschaftlichen Massstäben ceteris paribus-Prinzip, möchte auf der Tatsache bestehen, dass diese beiden Dinge, das Bedürfnis und die Aneignung von Gütern, in wechselseitiger Beziehung zum grössten Nutzen führen. Betrachtet es ein Mensch als nötig, seine Bedürfnisse zu befriedigen, kann er dies durch die Einlösung eines speziellen Gutes tun: der Leistung. Wer dabei mehr Bedürfnisse befriedigen will – weil er vielleicht mehr solcher Bedürfnisse hat –, muss ganz einfach mehr leisten. Damit wäre auch das Problem der Knappheit gelöst: wem das knappe Gut nötiger zu sein scheint, kann mithilfe erhöhter Leistung Nebenbuhlern zuvorkommen.

Diese gegenseitige Funktion wird jedoch – wie dies bei vielen ökonomischen Theorien wie zum Beispiel beim Kaufkraftparitätenprinzip der Fall ist – durch realwirtschaftliche Faktoren verfremdet. Das Prinzip geht zum Beispiel fälschlicherweise von der Chancengleichheit aller Menschen aus, gleiche Leistungen mit gleichem Aufwand erbringen zu können. Leider – oder zum Glück, ganz egal – sind Menschen jedoch nicht gleich, denn sie erbringen Leistungen nicht auf die gleiche Art und Weise. Alte, körperlich kranke oder angeschlagene Menschen können nicht die gleiche Leistungen erbringen wie junge, gesunde, sagt man. Man spricht dabei allerdings in den meisten Fällen von einer verwertbaren Leistung in der Gesellschaft, wie sie auf dem Arbeitsmarkt angeboten wird. Schliesslich kann man nicht bedingungslos behaupten, ein Mann, der einen Marathon in zwei Stunden läuft, bringe mehr Leistung als ein Verletzter, der dieselbe Strecke in drei Stunden absolviert. Es handelt sich also bei der allgemein akzeptierten Bedeutung von „Leistung“ lediglich um ein wirtschaftlich-utilitaristisches Prinzip: das, was für die Gemeinschaft einer Leistung entspricht.

Rein utilitaristisch könnte man sich klar auf eine Seite stellen und sagen, man verteile die knappen Ressourcen nach Leistungen für die Allgemeinheit.
Dies jedoch unter der Bedingung, eine langfristige Leistung in Betracht zu ziehen. Nur weil ein Mensch von Hunger so entkräftet ist, dass er keine Leistung mehr erbringen kann, ist dies kein Grund, ihm kein Essen zu geben. Denn die Leistung, die er nach seiner Wiederherstellung erbringen kann, muss langfristig bedacht und abgewogen werden. So ist auch für die Unterstützung des Alten und des Säuglings gesorgt, der eine erhält die Ressourcen noch auf Kosten seiner bereits geleisteten Arbeit, während beim Säugling, die Leistungserwartung ausschlaggebend für dessen Versorgung ist.
So würde die Verteilung nach Leistung funktionieren, wie sie das sozial abgefederte kapitalistische System über monetäre Märkte, in denen Leistung und bedürfnisbefriedigende Güter handelbar werden, vorgesehen hat.

Diese Methode hat aber einige Zweifel hervorgerufen, die nicht erst in der marxistischen Theorie, sondern auch schon viele Jahre früher bei Thomas Morus aufgetaucht sind. Sie beide, Marx wie Morus, zeichneten ein fiktives System nach, das sich vom Fundament dieser kapitalistischen Theorie befreit und dem Privateigentum den Kampf ansagt.
Man könnte nämlich, wie die beiden es getan haben, fragen: Wieso nehmen wir den Umweg über die Leistung? Wenn man Bedürfnisse befriedigen will, könnte man das einfacher dadurch erreichen, Güter nach den Ausmassen des betreffenden Bedürfnisses zu verteilen. Wer am meisten Hunger hat, soll auch am ehesten Essen bekommen.

Problematisch – und das ist es auf beiden Argumentationsseiten – bleibt das Fundament der Wirtschaft, das ich bis jetzt nicht hinterfragt habe: das Bedürfnis.
Das Bedürfnis wird häufig negativ definiert. Es stelle den Wunsch dar, einen Mangel zu überwinden. Mängel sind häufig kulturell bedingt und individuell verschieden. Trotzdem sind sie beeinflussbar. Ein grosser Profiteur dieser Erkenntnis ist die Werbung, die es angeblich schaffen soll, Bedürfnisse hervorzurufen, wo keine waren.
Diese erschreckende Tatsache führt dazu, dass das gesamte wirtschaftliche System, ob es auf der Verteilung nach Leistung oder nach Bedürfnis basiert, sehr labil und – in einem gewissen Grade – angreifbar. Denn ganz davon abgesehen, dass Bedürfnisse nicht ermittelbar sind, sind Bedürfnisse auch nicht konstant, und mit dieser Behauptung bringe ich unvermeidlich Kritik an der auf westliche Standards zwar gut zugeschnittenen, aber nicht zuverlässigen Maslow-Pyramide an.

Ich bin der Meinung, dass die beiden Vorschläge der Verteilung nach Bedürfnissen und der Verteilung nach Leistung keine erfolgreiche Lösung hervorbringen können. Beide sind, neben theoretischen Problemen, in Realität kaum umsetzbar.
Für eine Verbesserung des Systems müsste man andere, grundlegendere Dinge hinterfragen, wie: Ist es tatsächlich sinnvoll, das Bedürfnis als Grundlage der Marktwirtschaft zu nehmen? Gäbe es keine Alternative?
Oder, wenn das Bedürfnis unumstösslich ist, wenigstens in marxistischer Manier: Ist Eigentum nötig für eine funktionierende Wirtschaft?

Eine schöne Überraschung

Die abgewetzten Wände waren mit Fingermalfarben gestreichelt worden.
Es war ruhig, jetzt, als der Staubsauger den Stecker aus der Steckdose gebrochen hatte und mit einem fallenden Geräusch verstorben war.
Sie hatte sich die Füsse aufgeschnitten und das Blut bildete kleine Bläschen im Teppich, wenn sie das Gewicht verlagerte. Ein Kind kam angerannt und riss an ihren Strümpfen.
„Mama, Mama! Ich habe ein Schiff gebastelt!“
Sie sah zu ihm hinab und zog die Hand von seinem Kopf, den sie zu tätscheln begonnen hatte. Das Kind erklärte das Schiff.
„Vorne hat es einen Mast, um daran die Menschen aufzuhängen.“
Das Telefon klingelte.
Eine Stimme fragte: „Wieviel kostet Sie das ständige, erfolglose Streben nach Glück Tag für Tag?“
„Wollen Sie etwas verkaufen?“, fragte sie zurück. „Wenn Sie etwas verkaufen wollen, sagen Sie es gerade heraus.“
„Ja, tut mir leid. Wir haben neue Möglichkeiten gefunden um abzunehmen, und, ja, wir wollen sie verkaufen“, antwortete die Stimme.
„Mama! Mama!“, schrie der Sohn.
„Ich bin nicht deine Mama“, sagte sie zum Kind, das an ihrer Hose zerrte, und stiess es zu Boden. Es begann zu weinen.
„Mit unserem Gerät müssen Sie nie mehr anstrengende Kraftübungen machen und trotzdem nehmen Sie ab.“
„Meine Füsse bluten“, antwortete sie.
Das Kind sprang auf, rannte davon und tauchte mit seinem Schiff wieder in der Türe auf. „Schau mal, das Schiff kann schwimmen!“ Es warf das Schiff in den roten Tümpel auf dem Teppich und es zersprang in tausend Scherben und Splitter.
„Ich will das nicht machen“, sagte die Stimme verzweifelt, „Ich will nichts verkaufen.“
„Ich will kaufen“, antwortete sie.
„Mama, Mama!“
„Ich bin nicht deine Mama!“
„Das Schiff kann nicht schwimmen.“
„Sie wollen das Gerät kaufen?!“, fragte die Stimme verwirrt.
„Natürlich kann das Schiff nicht schwimmen“, erklärte sie dem Kind.
Die Türe ging auf und ein Mann mit Aktenkoffer betrat das Haus.
„Bluten deine Füsse wieder?“, fragte er, legte seinen Aktenkoffer auf ein Tischchen neben der Tür und setzte sich mit einer Zeitung ins Wohnzimmer.
„Warum kann es nicht schwimmen, Mama?“, fragte das Kind weinerlich.
„Ich will es kaufen“, insistierte sie.
„Weshalb? Es ist ein Betrug. Sie sollten es nicht kaufen. Haben Sie nicht etwas mit Ihren Füssen?“
„Ich bin nicht deine Mama!“
Der Mann im Sessel lachte als er das hörte und fragte dann ruhig, ob es nächste Woche schönes Wetter werde.
„Ich weiss nicht, ob es nächste Woche überhaupt wettert“, sprach zu ihm in genervtem Ton
„Wenn Sie wollen, dass ich auflege, dann sagen Sie das. Die meisten Leute kaufen nichts.“
„Warum kann es nicht schwimmen?“
„Du hast einen Mast gemacht, um Leute daran aufzuhängen“, erklärte sie dem Kind.
„Wenn es nächste Woche schön ist“, brummte der Mann ohne ihnen zuzuhören, „könnten wir wieder einmal wandern gehen.“
„Ich kaufe jetzt dieses Gerät! Ich will keine anstrengenden Kraftübungen mehr machen.“
Das Kind versuchte an ihr hochzuklettern, doch sie schüttelte es ab. Danach rannte es zum Mann, der seinen Kopf tätschelte. „Warum darf es keinen Mast vorne haben?“, fragte es ihn schrill.
„Kraftübungen bringen ein Vielfaches mehr, das ist wissenschaftlich erwiesen.“
„Im Pfannenstiel oder so“, fuhr der Mann fort, „Ich hab mir auch gedacht, vielleicht an einem Fluss, eine Schiffsfahrt. Wiedermal wir alle zusammen.“
Das Kind heulte auf.
„Wieso wollen Sie mir diese Maschine nicht verkaufen?“, fragte sie, „Verkaufen Sie! Ich habe nicht Zeit zu verlieren, meine Füsse bluten.“
„Nächste Woche wird es vermutlich regnen, steht hier.“
„Ich baue den Mast hinten am Schiff!“ Das Kind rannte davon.
„Ich brauche also Ihre Adresse, um liefern zu können“, sagte die Stimme mit einem trockenen Unterton.
„Wer sind wir?“, fragte sie den Mann im Sessel.
„Na, wir!“, antwortete er selbstverständlich, doch er schien nur auf sich selbst zu zeigen.
„Wir gehen nächste Woche schifffahren“, sagte sie zur Stimme.
„Das freut mich, ich hoffe, das mit Ihren Füssen kommt Ihnen nicht dazwischen.“
Das Kind kam hereingestürzt und schrie unverständlich.
Erst nach einer Weile konnten sie verstehen, was es sagte, der Mann, die Stimme und sie.
Es wiederholte die Wörter immer und immer wieder, sehr schnell und in einer unendlichen Schlaufe, so dass sie sich wie Fingermalfarben aufzulösen schienen.
„Ich hasse Schiffe!“, schrie das Kind, „Ichhasseschiffeichhasseschiffeichhasseschiffe.“

Schaukelstuhl

Die Welt ist schlimm, die Bäume sind grau, das Leben ist trist, dachte Herr Kipper als er im Schaukelstuhl nach hinten lehnte.
Andererseits gab es schöne Momente, überlegte er, als er nach vorne schaukelte, wie der erste Kuss, an den er sich noch genau erinnerte oder das Rauschen eines idyllischen Flusses.
Dann wiederum waren solche Küsse doch auch nur Vergangenheit und eine jugendliche Dummheit und – darüber dachte er jetzt so angestrengt nach, dass er wieder nach hinten geschaukelt war – so ein Kuss war im Grunde eigentlich etwas Ekelerregendes.
Jedoch war es doch schön, nicht immer alles bis auf den Grund zu denken, sinnierte Herr Kipper beim vorwippen, es war doch wunderbar, dass der Mensch oft das Hauptsächliche vergessen konnte.
Im Zurückschwingen überwältigte ihn aber plötzlich das Gefühl, dass es überhaupt nichts Wunderbares war, nein, dass es sogar schrecklich und fies war und dass er jetzt, in dieser Lage, am liebsten sofort gestorben wäre.
Wieder in Vorlage geratend, krebste er jedoch zurück und machte sich bewusst, dass das Leben schön war und dass er trotz seines Alters noch lebte, was ein unheimliches Geschenk Gottes sein musste.
Altern war aber eine grausame Art zu sterben und es gab nichts Schönes mehr im Alten, fand Herr Kipper mit dem Rücken zurückwippend.

Nasen & Menschen

Mit zehn und dreizehn, als ich ein kleiner Junge war, hatte ich eine sonderbare Art zu denken. Oft führte mich der Weg von einem Gedanken zum nächsten.
Dieser Weg ist heute für mich versperrt, als hätte ich unüberwindbare Angst davor, plötzlich in eine Falle zu tappen, in ein tiefes Loch zu stürzen, das sich mit dem Alter im Pflasterstein gebildet haben könnte, oder von einem herabfallenden Ast getroffen zu werden.
Trotzdem kann ich den Weg auf Karten nachzeichnen oder auf einem Umweg durch die Bäume einen Blick auf ihn erhaschen und mir zeigt sich ein klarer werdendes Bild.

Es schien mir rückblickend lange, dass ich damals zu einfach dachte. Wenn es zum Beispiel zur praktischen Psychologie kam, dann beging ich grosse Fehler und Abkürzungen, wie ich später meinte.
Sah ich einen Mann, der jemand anderen grundlos beleidigte, anrempelte oder verletzte, und ich erkannte, ihm fragend nachsehend, in seinem Gesicht die Anzeichen einer entstellten Nase, so war ich dazu geneigt, die Bedingungen zu verdichten. Darauf beruhte mein unvergleichlich grosser Gerechtigkeitssinn. Ich pflegte zu denken:
„Nichts ist diesem Mann anzuhängen! Wenn ich eine Nase wie die seine hätte, was könnte mich davor halten, einen Hübscheren anzurempeln? Die Nase ist mit dem Moment ihres Zutagestreten im Gesicht und im Leben des Mannes verankert. Es gibt nichts, was man von der Nase losgelöst betrachten kann: Wenn er stöhnt, wenn er sich abends die Schuhe putzt, wenn er sich freut, an ein Fussballspiel zu gehen, wenn er verliebt ist und zu schüchtern, es ihr zu sagen, immer schwebt die Nase über ihm und weist ihm den Weg. Sie legt sich auf die Zunge, schleicht sich in die Dinge, die er sagt, seine Entschuldigungen, Beleidigungen, Erklärungen, Verleumdungen, seine Sprüche und Witze.
Manchmal sagt er Dinge, um sich über seine hässliche Nase hinweg zu täuschen, manchmal sagt er Dinge, um seine hässliche Nase zu übertünken, manchmal sagt er Dinge, um sich, auch wenn über Umwege und versteckt, über seine Nase zu beklagen, manchmal sagt er Dinge, um endlich etwas losgelöst von seiner Nase zu sagen, und manchmal sagt er Dinge, um die Hässlichkeit seiner Nase in Frage zu stellen. Am Ende jedoch sind alle Avancen an die Nase geknüpft und hätte er eine schöne Nase, so könnte man mit Eindeutigkeit sagen, dass die Hintergründe seine Handelns nicht mehr die gleichen wären und er, also, nicht mehr derselbe Mensch. Hätte er zum Beispiel die Nase eines Hübscheren, so wäre keine seiner Handlungen exakt gleich ausgefallen.
Es ist also die Nase, die den feinen Unterschied ausmacht. Den Unterschied zwischen dem Beleidigenden und dem Beleidigten, dem Anrempler und dem Angerempelten, dem Täter und dem Opfer, macht einzig und allein die Nase. Aber auch für die Unterschiede in ihrem Kleidungsstil, in ihrem Musikgeschmack, in ihrer politischen Einstellung und ihrem Durchhaltewille, in ihren bevorzugten Sexualpraktiken und in ihrer Art, in Langeweile das Telefonbuch aufzuschlagen, ist der Grad der Hässlichkeit ihrer Nase verantwortlich.“

Natürlich führte dieses Denken dazu, dass es keine wirklichen Schuldigen, keine Bösen und keine verantwortlichen Personen gab, andererseits untergrub es auch jede Vorstellung von tugendlicher Nettigkeit, Ehrlichkeit oder Freundlichkeit. Die Menschen waren vorherbestimmt und von ihren Einflüssen geleitet, der freie Wille war nur etwas, worüber man lachen oder husten konnte.

Die einfache Psychologie wurde natürlich durch die Umstände erschwert, dass es uneindeutige Konstellationen gab: Auch Menschen mit hübschen Nasen konnten böse sein oder Menschen, die böse waren, konnten neben ihrer hässlichen Nase auch krumme Zehen aufweisen. Das liess sich jedoch ebenfalls verwerten. Hübsche Nasen bedeuteten nicht zwangsläufig Neidlosigkeit, Fröhlichkeit und Güte, sowie das Gegenteilige auch nicht der Fall war. Und das Zusammenkommen mehrer Elemente – das war einfach das Leben, die Einflüsse des Lebens.
Man versteht deshalb, dass ich den Menschen, die mich verprügelt haben, nie böse war. Denn selbst wenn ihre Nasen glatt und zierlich waren oder imposant und wohlgeformt, dann konnten sie immer noch zu glatt und zierlich und zu imposant sein.

Heute ist der optimistische Antropologismus, wie man meine Betrachtung durchaus behusten könnte, in meiner Welt nicht aller Zweifel gefeit. Weshalb dürfte man das Böse und das Gute, wieso eigentlich den Willen des Menschen ausschliessen? Es wäre doch traurig, wenn wir alle vorherbestimmt wären und wenn schuldige Menschen nicht einmal das Privileg ihrer Schuld tragen dürften. Und ich habe mir gedacht: Man muss aufpassen! Menschen sind komplex und nicht einfach, man kann sie nicht verstehen, sie sind unergründlich.

Aber, seien wir ehrlich. Am Ende sind es wieder die Nasen.