Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Monat: Dezember, 2012

Der futurologische Kongress (Ein-Satz-Review)

Der futurologische KongreßDer futurologische Kongreß by Stanisław Lem
My rating: 5 of 5 stars

Ein-Satz-Review

Die totale Ausführung der Postmoderne: Lem schickt einen fahrenden Wissenschaftler auf einen futurologischen Kongress der 70er-Jahre, von wo die Wissenschaftler wegen einer Eskalation von Rebellen- und Regierungstruppen, die sich mit „Bemben“ bewerfen, deren Inhaltsstoffe brüderliche und versöhnliche Stimmung unter den Angegriffenen verbreiten, in die Kanalisation flüchten müssen (Die Skurrilität erzeugt übrigens eine 80%-Übereinstimmung mit Pynchons Inherent Vice); dort erwartet ihn die Überlagerung komplexer Halluzinationen, eine Reise in die Zukunft, wo eine „Psyvilisation“ mit „linguistischer Prognostik“ (der Zukunftsforschung anhand von antizipierter Sprachentwicklung) und schlagkräftigen „Interferenten“ (Manifestationen, die aus mehreren Programmen des „Dingsehens“ – einer materialisierten Art von Fernsehen – kombiniert werden und als seltsame Mischgestalten in der Wirklichkeit hängen bleiben), sowie einer Reihe von Neologismen und unendlich vielen psycho-chemischen Substanzen aufwartet: Ebenen von Schichten von Stufen überlagern und verschieben sich, lösen sich auf und fallen übereinander her, ein feuchter Traum oder ein feuchter Albtraum postmoderner Literatur, und es geht um Ratten.

View all my reviews

Textilstreit

Sie schlug ein kurzes, rotes Kleid vor. Er winkte mit dem Hemdsärmel ab und lachte in sein Tanktop. Sie hielt ihm einen Pullover entgegen, doch er erwiderte harsche Manschesterhosen. Schwere Mokassins erhob er gegen sie, worauf sie entrüstet auf ihrer Bluse beharrte und mit farbigen Pumps seine Bügelfalten entkräftigte. Sein Gürtel tobte in den Schlaufen, die unverbindlichen schwarzen Handschuhen versuchten den Aufruhr zu schlichten, der BH verlor trotzdem die Fassung. Sein flatternder Schal schlägt wild um sich und ihre Strümpfe weichen verbittert zurück. Beleidigt schwingt sich ihr Cape selbstmitleidig um den stolzen Hals und seine zitternden Mantelknöpfe verhallen ungehört. Erst die alte Mütze legte ruhsam und durch natürlichen Humor das Rascheln bei und versöhnte.

The Picture of Dorian Gray (Ein-Satz-Review)

The Picture of Dorian GrayThe Picture of Dorian Gray by Oscar Wilde
My rating: 3 of 5 stars

Ein-Satz-Review

Ein Schön- und Jüngling wünscht sich, dass ein Bild an seiner statt altert; das Bild altert an seiner statt; Dorian hilft ein wenig nach.

View all my reviews

Die Grenzen der Menschheit (Dreifacher Schüttelreim)

Man kann zwar nicht jedes Lallen in allen Füllen hassen,
Aber notfalls doch die Hüllen schnell mal fallen lassen.
Auch kann man leider nicht alle grossen Hallen füllen lassen,
doch sollte man die Stimmung mal in allzu tiefes Fallen hüllen lassen,
darf man natürlich manches Lallen kurz in stilles Hüllen fassen.

_______________

Früher auf diesem Blog: Zu viel Botox oder Berlusconi (Ein Lehrgedicht im Schüttelreim).