Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Monat: Oktober, 2013

Das Nicken der Besucher von Lesungen

Nach langer Reise sah sich das Alien um und wunderte sich über die Dichte an Menschen und ihre grauen Haare. Noch verstand es nicht, dass es im Publikum einer Lesung gelandet war, und weil es unhörbar in ihrer Mitte aufgetaucht war, hatten sich nicht einmal die Köpfe zu ihm umgedreht. Die Blicke waren nach vorne gerichtet und stierten auf ein kleines, weisses Pult, an dem zwei Herren sassen, aus ihren Mündern hingen, wie Rüssel oder Fühler, schwarze Mikrophone. Gespannt richtete das Alien seine Aufmerksamkeit auf die beiden. Der grössere, hagere Mann mit dem bleichen Gesicht führte den anderen ein, stellte ihn vor, lobte ihn und übergab dann andächtig das Wort dem Schriftsteller, der sich räusperte und mit tiefer, langsamer Stimme zu lesen begann. Das Alien hörte einige Minuten zu und war fasziniert vom Ereignis, zugleich aber verspürte es den Drang, erste Untersuchungen zu machen, die die physikalischen Bedingungen der Erde und die körperlichen Zustände ihrer Bewohner beschreiben konnten. Andererseits traute es sich nicht, sich zu bewegen, in der Furcht aufzufallen. Die Köpfe waren in Demut gesenkt, die Lider geschlossen und manchmal konnte man darunter die Augäpfel tanzen sehen, wenn sich die Zuhörer das Gehörte verbildlichten. Fast alle Männer, ältere und abgemagerte, deren Haut selten ans Sonnenlicht gelangte, hatten ihre Finger um die Münder gelegt oder auf sie gepresst, während die Augen an der Decke herumtasteten. Die zahlreicheren Frauen waren grauhaarig und gepflegt, sie trugen Brillen, die an Bändeln um ihre Hälse befestigt waren, und pressten Handtaschen auf ihren Schoss. Dem Alien wurde unwohl, die geringe Schwerkraft war es sich nicht gewöhnt und es erschien ihm seltsam, dass alle Menschen Hilfsmittel benötigten, um auf dem Planeten zu leben: Gläser auf den Augen, Taschen auf den Schössen, Rüssel an den Mündern und diejenigen, die auf solche Rüssel verzichten mussten, pressten, als fehlte ihnen etwas, die Finger auf den Mund, während ihre Blicke wie in Qual an der Decke umherglitten.
Der Schriftsteller las aus seinem Kriegsdrama, bei dem durch den Krieg zwei Liebende auseinandergetrieben werden, welche sich nach langer Zeit nur zögerlich und in einer wilden Jagd über den Globus wieder einander annähern können. Durch das Publikum ging ab und zu ein Raunen, worauf das Alien seine Aufmerksamkeit schärfte, doch es konnte nichts Bedrohliches entdecken, niemand sprang auf und die Lesung nahm ihren Lauf. Irgendwo entdeckte das Alien einen kleinen Jungen, der auch mitgeschleppt worden war, und zuckte zusammen, als es bemerkte, dass er seine Blicke direkt auf es gerichtet hatte. Wohl schien es dem Jungen ähnlich zu gehen, auch er sah aus dem Fenster, kurz zum Alien und dann wieder zur Tür, als würde bald das erlösende Ende kommen, das sie wieder in Freiheit entliesse und es möglich machen würde, die Hose zurechtzuzupfen, die auf den harten Stühlen unbequem hinaufgerutscht war. All das war auch dem hochintelligenten Alien reichlich langweilig geworden, innert weniger Minuten hatte es verstanden, was hier vor sich ging, hatte begriffen, dass es hier einen Kulturbetrieb gab — und Kunst — hatte bemerkt, dass die Frau vor ihm eigentlich nur in den Schriftsteller verliebt war und gar nicht recht zuhörte, und wusste auch schon — im Gegensatz zu den anderen im Publikum —, dass die beiden Liebenden sich in Guatemala wiederfinden und ein zwar zerrüttetes, aber dennoch trautes Leben führen würden, noch bevor sie in der vorgelesenen Geschichte Paris verlassen hatten.
Es wäre jetzt gerne nach draussen gegangen und hätte den Rest der Welt, der ihm viel spannender dünkte, kennengelernt, hätte die Natur ausgemessen und allgemeine Daten gesammelt und versucht einzuschätzen, wie lange die Spezies noch leben würde. Aber die Tür war noch geschlossen und es war sehr unhöflich, als Fremder eine Lesung zu verlassen; vor allem hatte es Angst, der Schriftsteller könnte in Tränen ausbrechen. Daher blieb es im unbequemen Stuhl zwischen den ergrauten oder kahlen Köpfen sitzen, wechselte von Zeit zu Zeit mit dem Jungen einen spöttischen Blick und starrte nach vorne auf die schwarz-rüssligen Männer in Anzügen, die auf der Bühne sassen. Der wahre Grund, weshalb es noch nicht gegangen war, war indes ein anderer. Etwas verstand das Alien immer noch nicht und es konnte dieses Unverständnis nicht ertragen: Warum nickten die Zuhörer während der Lesung?
Sie nickten an den abenteuerlichsten Stellen, bei Nebensätzen, bei Pauschalaussagen (»Polizisten sind strenge Leute«) oder Vergleichen (»Ihr Atem zitterte wie das Blatt eines Brombeerbusches im Fahrtwind eines dahinrauschenden Güterzugs«). Wollten sie ihre Zustimmung kundtun? Aber womit konnte man einig sein, welche Sache verlangte dabei einer Zustimmung? Es waren einfache Sätze, normalste Beschreibungen der Geschichte, sie aber verhielten sich, als wären es Fragen und nickten gutmütig und heftig. Hatten sie vielleicht Selbiges auch schon gedacht? Aber natürlich hatten sie das, sonst täte der Text seine Wirkung ja nicht, das brauchten sie ja auch niemandem mitzuteilen — ausserdem wusste das Alien natürlich, dass Menschen fast immer dasselbe dachten und ihre verschiedenen Gedanken an den Fingern einer Alienhand abzählbar waren. Nickten sie, um zu zeigen, dass sie zuhörten? Aber der Schriftsteller sah gar nie auf, als würde er sich vor dem Nicken schämen. Warum nickten sie auch bei den Ausführungen des Moderators, wenn er sagte, welche Bücher der Schriftsteller schon geschrieben hatte? Weshalb nickten sie besonders heftig, wenn der Schriftsteller auf die Fragen antwortete (»Früh morgens schreibe ich, um halb Fünf stehe ich auf« oder »Aber natürlich haben alle Texte auch diesen autobiographischen Gehalt«)? War es, dass sie die darin ausgesprochene Wahrheit so berauschend fanden, so poetisch selbst diese Antworten? Oder hielten sie es für Geschwätz und nickten nur, weil sie es tausend Mal gehört hatten: Ja, das haben andere auch schon gesagt…
Das Alien kam der Lösung des Rätsels nicht näher und je länger es dasass, desto unwohler wurde ihm. Wurde das Nicken vielleicht durch die Erschütterung der Erdkruste ausgelöst? Woher kam es? Statt die Natur zu untersuchen, beschäftigte es sich die folgenden Monate mit dem Phänomen, setzte sich in Lesungen und rechnete bis zur Erschöpfung, aber es liess sich keine Systematik finden, die belegte, wann genickt wurde und wann nicht. Sobald ein Schriftsteller aus seinen Texten vorlas, ging es los, überall schickte man sich Zustimmung durch den Raum, raunte, seufzte, lächelte versonnen und nickte und nickte — als hätte der Text genau das — obwohl es freilich nicht möglich war — ausgesprochen, was in ihnen und nur in ihnen verborgen gewesen war.

Georges Perec

Kaum Rücksicht auf Frau`n hat so`n jung`r Knab`: Spürt nicht, dass das UFO vom Kosmos das Mädl aufsaugt, inzwisch`n frönt das Ding — labradorähnlich — Lust nach Nahrung. Ja, nascht gar Stück um Stück von Ananastort`n, als Anja zum All hochklimmt, im Cockpit vom Raumschiff, unwillig. Obacht! Nichts währt noch in Ordnung: Das Jaulkind nimmt`s wahr, stimmt nun zum Jaul`n an und ist traurig. Schwand ihm plötzlich nicht all das, was ihm bis anhin an Spass noch oblag? Nun gibt das Jammerkind Ruh und hofft auf Gott und Tod, als strich ihm das Qual vom Konto: Doch lang muss man wart`n, für ihn hat nur Hoffnung als Wirkung noch Kraft. Sarkasmus ist das Labsal, das, trägst du all das ab, was solch Schuld tilgt, im Alltag noch üb`rzählig ist. Klar, dass ihn das bald kaputt macht. Ihm harrt nur Aufbruch vom Organismus, womöglich stirbt in ihm drin auch manch Ding nicht ganz, so auch: Naivität — ihm war nämlich oft danach, doch dann gab man aufgrund vom Zynismus auf, schoss nicht gänzlich drauf los. So, dank Naivität, starb das ärmlich-gutgläubig Ding nicht ganz trostlos, ihm wars sogar oft, als säh man im Kosmos, im Halbmondlicht, Anjas Arm und Hand — winkt nicht astronomisch sowas von dort ständig hinab?


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Grabrede

Seht, wie friedlich er schaut. Sein Gesicht ist starr. Ja, starr, aber doch… Etwas ist passiert, seht nur, er schaut so friedlich, so friedlich hat er früher nie geschaut. Da muss etwas passiert sein. Er muss etwas gesehen haben, was ich nie gesehen habe. Ich wünschte, ich könnte auch so aussehen, wenn ich sterbe, und wünsche euch das auch, wünsche euch, dass ihr so friedlich ausseht, aber, nein, seht euch Fritz doch einmal an… Da geht etwas mit ihm vor. Der hat doch etwas gesehen, etwas sehr, sehr Schönes, oder… Ja, ich bin nicht ein Mann grosser Worte und eigentlich auch nicht der kleinen und deshalb möchte ich nur sein Gesicht sprechen lassen, denn bestimmt ist sein Gesicht ein Gesicht grosser Worte, wenn man so sagen darf.
Ich habe Fritz lange Zeit gekannt — und eigentlich ist das auch übertrieben — gekannt hat ihn ja doch keiner, denn wer könnte unter euch aufstehen und sagen: Ich weiss woher dieses Gesicht — dieses ruhige Gesicht — plötzlich herkommt. Nein, so gut hat Fritz keiner gekannt. Aber er ist wirklich entspannt — entspannt wie wir uns nie geträumt hätten —, obwohl starr. Diese Lippen sind starr aufeinandergepresst und natürlich blutleer, ja aber natürlich, wie auch sonst? Der Fritz, der ist natürlich blutleer, aber trotzdem doch nicht weniger der Fritz, den wir alle gekannt haben, und nicht weniger hat ers verdient, dass man ein paar Worte über ihn verliert wie über den, den wir gekannt haben. Ich habe Angst gehabt, als ich hergekommen bin, aber jetzt, als ich ihn gesehen habe, bin ich ganz erfreut, dass aus seinem Gesicht so viel Ruhe spricht und ich bin zuversichtlich gegenüber dem Sterben, trotzdem natürlich hat es auch etwas Kalt-, Kalt-Lächelndes und doch… und doch… Doch — ich glaube es ist ihm gutgegangen in seiner letzten Sekunde. So soll es uns auch gehen! Und wir werden immer an Fritz denken, wenn wir das grosse Glück haben, am Ende unseres Lebens etwas zu sehen, das uns solche Ruhe eingibt.
Ich habe Fritz lange gekannt und diesen Gesichtsausdruck hätte ich gerne an ihm früher kennengelernt. Ich meine nicht, dass ich ihn nicht gemocht habe wie er war, selbstverständlich habe ich ihn gemocht — ich habe Fritz kein besseres Ende wünschen können als dieses — nicht, dass ich ihm tatsächlich das Ende gewünscht hätte, jedenfalls nicht mehr als so, wie einem das unter Umständen passiert — aber doch etwas früh ists eingetroffen, das findet ihr doch auch —, aber wenn ich ihn so ansehe, dann wird mir doch ganz wohl ums Herz, obwohl er so starr ist und eigentlich so blutleer… So blutleer, aber so ruhig in seinem Gesicht, schaut es euch noch einmal an, es zeigt mehr als tausend Bilder, es ist so viel Hoffnung, die es mir gibt, obwohl es zuweilen auch befremdend ist, dass er nicht die Augen aufmacht, sein Maul aufmacht und ausruft: Was steht ihr alle da rum und labert und labert und warum ist ausgerechnet der am Reden? Der verheddert sich doch beim Sprechen, der ist jetzt wirklich kein Mann grosser Worte — und damit hätte er natürlich recht, aber das macht er nicht, er wird immer so ruhig schauen. Schaut es euch an und haltet ihn so in Erinnerung, allerdings vergesst nicht wie er früher war, denn jetzt sieht er beleibe nicht so aus wie er eigentlich aussah, gottseidank war er anders, nicht so blutleer, nicht so ruhig zwar auch, aber auch nicht so starr, so war er, unser Fritz, auch ihn dürfen wir nicht vergessen und ihm nur das Beste wünschen auf seiner Reise hinüber.

Das vergebene Gespräch

Man kann so bei einem Gespräch dabeistehen und nicht im Geringsten wissen, wie man hineinspringen soll. Man hat dann irgendwie Anteil, ohne Teil davon zu sein. Irgendwann, während dir die Anderen um die Ohren plaudern, kommt dir etwas in den Sinn, was du hättest einwerfen wollen, aber wenn du es formuliert hättest und es endlich über die Lippen brächtest, sind sie mit dem Gespräch bereits weitergezottelt und über alle Berge. Vielleicht entringt sich deiner Kehle noch ein Geräusch, vielleicht fällt dir bald mal ein, was du eigentlich hattest sagen wollen, aber in dieses Gespräch, mein Junge, findest du heute garantiert nicht mehr. Egal, was passiert. Halt die Füsse fest auf dem Boden. Hauptsache, du bist vorhanden.

Platon

Der Athener. Und diese Glückseligkeit, wie könnte sie sich besser beschreiben lassen als in der Glückseligkeit der Familie, der zwei Gestalten sich zugehörig fühlen und machen, von denen die eine eine Frau und die andere ein Mann ist? Welches grössere Heil gäbe es, als wenn diese beiden jung wären und überdies froh, noch ohne dass der Mann die Form und die Frau die Materie zu etwas hätten geben können, das ihr Kind werden sollte?
Kleinias. Keines.
Der Athener. Aber steigerte sich nicht in dem Masse, wie das Heil sich in der geraden Bewegung durch das Glück junger Menschen vervielfältigt nicht auch das Unheil?
Kleinias. Hilf mir, das zu verstehen.
Der Athener. Das grosse Heil und die Glückseligkeit im Moment ist, solange es währt, gross, doch solange es währt, droht es auch nicht mehr zu sein, daher ist das Unheil ebenso gross wie das Heil gross ist. Nimmt nicht die Angst vor dem Verlust bei allen Menschen zu, sobald ihnen der Besitz wächst, und schwindet sie ihnen nicht gar, wenn sie bettelnd und unbekümmert unter den Platanen liegen?
Kleinias. Wie könnte sie nicht?
Der Athener. Solange keine Unterbrechung hereinbricht, von der ein Klopfen an der Tür ausgenommen wäre, ist die Glückseligkeit unbeschränkt.
Kleinias. Wie steht es jedoch, wenn das Klopfen an der Tür eintrifft, von dem du sprichst?
Der Athener. Nun, Kleinias, ist es nur wahrscheinlich und nicht sogar notwendig, dass einer, wenn es bei ihm an der Türe klopft und er sich dem Glückseligen hinzuwendet, doch sie öffnen ginge?
Kleinias. Es ist notwendig, meine ich.
Der Athener. Doch was hat er entgegenzuhalten, wenn der Urheber des Klopfens eindringen will. Trifft es zu, dass der, der öffnet, weiss, dass er nichts weiss?
Kleinias. Wie auch nicht, wenn er tatsächlich so klug und glückhaft ist, wie du schilderst.
Der Athener. Wie aber soll er so wissen, wie er sich zu wehren hätte, gegen jemanden, der in den Kreis des Hauses eindringt und sich seine Glückseligkeit zu eigen macht. Denn es ist jeder Teil des Nichtgrämlichen und des Grämlichen, die zu beiden Teilen in uns bewahrt sind, von einer solchen Beschaffenheit, dass sich die Kräfte der Galle weigert, die Glückseligkeit mit Gewalt aufrecht zu erhalten. Das ist ganz unmöglich.
Kleinias. Wieso?
Der Athener. Mit Gewalt in die Glückseligkeit einzugreifen, muss doch unweigerlich dazu führen, dass die Glückseligkeit zusammenfällt. Schaue dir die Menschen an, die sich mit Düften der Orakel in Zustände der Ekstase versetzen und wie es ihnen, sobald sie dem Dunstkreis enthoben sind, wieder grämlich werden. Muss es nicht einem so ergehen, dem seine Frau, die seine Kinder gebären könnte, genommen wird?
Kleinias. Ja, allerdings.
Der Athener. Wenn es so ist, dass diese Frau nicht in ein anderes Land, sondern in den Himmel gezogen wird, so schmälert dies die Gram etwa?
Kleinias. Wie könnte es?


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Verwirrende Witterung

Dort säumt ein Röckchen die Schenkel, da ist Hals in den Wollschal gelümmelt. Manche Handgelenke, verpackt in die Ärmel loser Pullis, recken nach Kapuzen dicker Daunenjacken. Ein dünnes Shirt flattert und im Kragen eines Cardigans hängt eine Sonnenbrille. In der Hand ballt sich Wind bis man meint, man könne ihn zerknautschen. Bewölkt, der Föhn in den Strassen. Ein solcher Tag kehrt die Garderobe nach aussen. Von oben sind sie auf Asphalt gesprenkeltes Konfetti, wie zur Reise auf verschiedene Planeten gerüstet, zirkeln um den Verkehr in den Strassen und doch haben es alle nur gut gemeint und wollten es vermutlich ganz recht machen, als sie das Haus verliessen.

Der Satz (XLVII)

Der kühne Aufschuss einer Rakete, die das Nachtdunkel erhellt und im höchsten Punkte zerplatzend mit dem Sternenhimmel zu fraternisieren scheint, ist schön nicht bloss durch ihre mechanische Bewegung, sondern auch durch ihr Leuchten und ihre Geschwindigkeit.

Karl Rosenkranz, Die Ästhetik des Hässlichen.

Der Schleier der Isis

Der Schleier der Isis im Tempel zu Saïs, 30 58′ 15″ N, 30° 46′ 40″ E, ist eine transparente Plastikfolie aus dünnem Polymethylmethacrylat.
Durch sie hindurch dringt wie bei einem Schleier kein klarer Blick. Die Fetischisten kommen oft auf Besuch und streicheln das antike Material. Der rätselhafte Schleier darf nicht gehoben, nicht geknickt werden. Alle müssen an einer Absperrung entlang und dürfen sich nur einige Sekunden dem Tasten hingeben. Alle Fetischisten sind sich einig und akzeptieren, dass der Schleier nicht gehoben wird. Man kleidet nicht ein, um zu entkleiden. Das Plastik ist kein Schutz vor Enthüllung oder das Versprechen eines Anblicks, sondern ein einziger Reiz. Genauer konnte es noch keiner erklären; nach dem Vorübergehen masturbieren sie in langer Reihe und schwingen sich, erleichtert, auf die Kamele, die sie schwankend ins Hotel bringen, wenn es dämmert.