Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Katzen folgen

Er schleicht den Katzen nach und folgt den Spuren, die sie durch die Nachbarschaft treibt. Er hüpft über die Holzlatten eines niederen Zaunes und streift den Hausmauern entlang. Wenn man eine Katze sieht, ist seine Gestalt nicht fern, mit der Brille auf dem Gesicht und dem kleinen Hut, der ihn vor heftiger Mittagssonne schützt. Zwischen Stauden raschelt es hörbar, wenn er einen Riegel auspackt und ihn isst. Auch auf Bäumen will man ihn, der in der Gegend wohnt, gesehen haben. Die Katzen nehmen ihn wie einen Umweltfaktor hin: Eine Temperaturschwankung oder gelegentliche Trockenheit. Manchmal bricht ein Lachen aus ihm heraus, das den Anwohnern verrät, wo sich ihre Schützlinge aufhalten. In diesem Viertel ist noch nie ein Haustier verschwunden.

Der Stollen

Die Dämmerung drang in das erste Schwächeln des Abendlichts und legte sich an den Berg. Ich setzte den Helm auf, betrat den Stollen und leuchtete mit der Lampe in meiner Rechten den niederen Gang aus. Zwei Fledermäuse flatterten nach draussen und ein helles Tropfen hallte aus der Finsternis. Mit geschulterter Spitzhacke bestieg ich den Lorewagen und ruckelte langsam durch Korridore, die sich in unvermittelte Hallen aufbrachen. In ihnen flog ein Geräusch einen Pulsschlag haltlos, bevor es an den Wänden stöhnend zerscholl. Als er an sein Ende kam, beleuchtete das Licht eine karstige Wand, an der ich mit Schürfen begann.
Am nächsten Abend brach ich direkt vom Wirtshaus auf und traute mich erneut in das jahrmillionenalte Dunkel, das der Fels in sich barg. Wieder ging ich in den Stollen, doch diesmal war meine Lampe ein Gedanke und ich das Unheimliche, Beseitigungswürdige, das er mit sich herumschleppt.