Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Monat: Januar, 2016

Die totale Verwirrung

Es gibt etwas Bemerkenswertes in der Argumenationsstruktur der Rechten, das beunruhigende Formen annimmt.

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Früher war es noch so, dass die Schweizer Politik bestimmte Sachzusammenhänge als zu schwierig, linke Vorstösse als zu bürokratisch, ihre Ideen als eine Bedrohung der traditionellen Stabilität abgetan haben. Ihre Intellektuellenfeindlichkeit zeigte sich daran, dass für sie die Tatsache, dass es komplex war, als Argument gegen ein Thema verwendet werden konnte. Es war ja nicht gerade so, dass es schwierige Sachen nicht gab, aber die wichtigen Dinge, das heisst diejenigen, die «einen betrafen», so sprach die Rechte, war meistens sehr einfach, und wenn es das nicht war, war es schlecht. Diese Stigmatisierung war die eine Methode. Mit ihr liessen sich Zusammehänge voneinander lösen: Dass seit Jahrzehnten die Rechten erst die Steuern senken, um dann ein halbes Jahr später bei der Bildung, der Kultur, der Wirtschaft, den Pensionskassen und der Infrastruktur die Gelder zu streichen, ist bekannt. Reicht ein halbes Jahr um den Zusammenhang zu lösen, so dass die gleichen Leute vor die Kamera stehen und sagen können: «Ja, es ist bedrückend, aber leider kommen wir nicht umhin, diese Tagesschule zu schliessen oder jene IV-Gelder zu streichen»? Die Dauer scheint zumindest zu helfen. Bei der Frage, ob die Kürzungen nicht mit den Steuersenkungen zusammenhingen, kam meist die gleiche Abneigung zum Vorschein und es fiel, unter dem Hinweis, dass es eben der Steuerwettbewerb schwer mache, eine Abwandlung des klassisch bürgerlichen «Das ist ein weites Feld» (Theodor Fontane) oder des schweizerisch-bürgerlichen «Das ist schwierig.» (Fritz Zorn)

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Aber gerade der Steuerwettbewerb betrifft die andere, etwas gekonntere Methode, die in den letzten Jahren prominenter geworden ist und das Verdammen komplexer Zusammenhänge ersetzt oder ergänzt hat. Mit dieser Methode kann man in Bereiche, die man vorher als überkomplex bezeichnet hat, erste Erklärungsmuster einführen, die allerdings nicht das System durchschauen, sondern mehr als Handlungsanweisungen, Bauernregeln oder Strategien fungieren. Ein Trainer sagt: «Ich weiss nicht, wie man das perfekte Fussballspiel spielt, aber ich sage euch: immer wenn ihr den Ball habt, bolzt ihr aufs Tor. Das gibt mehr Tore, als wenn nicht.» (Dieser letzte Satz gehört natürlich dazu. Eine Art positivistische, empirische Absicherung der normativen Anleitung. Die Absicherung — die Statistiken und Daten — sind leider oft erfunden, selbst wenn sich meist sogar nicht-erfundene Fakten finden liessen.)

So ist es mit dem Steuerwettbewerb, wo sich plötzlich ein Verständnis der Bevölkerung für die Makroökonomie entwickelt hat: Menschen, die sich sonst vor allem um ihre Arbeit, ihre Kinder und das Fussballprogramm gekümmert und argwöhnisch die neuangeschafften Gartenmöbel in der Siedlung betrachtet haben, haben plötzlich Angst davor, dass Millionäre aus der Nachbarschaft abwandern könnten. Es herrscht die Auffassung, dass Steuern, auch progressive Steuersätze, aus irgendeinem Grund zwar gerecht sind, aber dass es nötig wird, sie zu senken, weil im Falle der Abwanderung grosser Vermögen dem Staat oder der Gemeinde das Geld fehlte — und sie am Ende zahlen müssten. Das ist ein richtiger Zusammenhang, es ist eine wahre Bauernregel. Dagegen lässt sich nichts sagen. Aber natürlich wird so kein Fussballspiel gewonnen. Es ist nicht der ganze Zusammenhang. Denn die gesenkten Steuern führen zu einem Wohlfahrtsverlust. Der «Steuerwettbewerb» ist kein Wettbewerb im Sinn eines ökonomischen Wettbewerbs. Die Steuern werden nicht so weit gesenkt, bis die marginale Produktivität gleich gross ist wie die marginalen Kosten, denn der Staat hat keinen CEO, der die Position des Produzenten vertritt, und die Steuern sind längst unter der effizienten Grenze. Immer Steuern senken um mehr Steuern zu haben, ist ineffizient. Immer aufs Tor bolzen, selbst wenn man in die Verteidigung gedrängt ist, ist es natürlich auch.

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Die neuere Entwicklung scheint mir nun jene zu sein, dass das Herausbilden von Scheinzusammenhängen, die jeden zu einem Experten ökonomischer Verhaltensweisen geadelt haben, nun gegen sich selber zur Anwendung kommt. Diese Bekümmertheit die im Begriff vom «besorgten Bürger» steckt, sein Nachdenken über die Grenzen des Systems (Obergrenzen, die Grenzen der Toleranz usw.) zeugen ja von der vorher genannten Fussballtrainer-Rationalität, die die Interessen des Individuums übersteigt. Man könnte glauben, dass dies für die Rechte eine ausreichende Methode ist, in Debatten wie jener um Obergrenzen für Flüchtlinge ein Makrokalkül (also: soziologische, ökonomische Zusammenhänge grosser Gruppen) über die Mikroebene der individuellen Menschlichkeit zu stellen.

Doch die neue Methode der Rechte zerstört diese Rationalität gerade. Wenn Christoph Blocher in der Albisgüetlirede sagt

«Wenn die Minderheit beginnt, Recht über die Mehrheit zu setzen, haben wir die Diktatur»

dann ist das eine krasse Verkehrung selbst der oben genannten Schein- oder Teilzusammenhänge, indem Begrifflichkeiten völlig ausgehebelt werden. Dabei geht es nicht so sehr um die Ungeheurlichkeiten, die auch nur schon in der Phrase «Recht über Mehrheit», stecken. Es geht darum, dass nach diesem Satz selbst der eingefleischteste SVP-Wähler nicht mehr weiss, was eine Diktatur eigentlich sein soll. (Während es vorher vermutlich die Sowjetunion oder Nordkorea waren.) Denn der Begriff «Diktatur» zerfällt im Verlauf des Satzes.

Roger Köppel schreibt in seinem neuen Editorial über die Kritik der Jura-Professoren an der Durchsetzungsinitative:

«Die Justiz im Kampf gegen den Gesetzgeber? Ausser mir scheint sich niemand über diesen Frontalangriff auf die Gewaltenteilung aufzuregen.»

Das rhetorische Stilmittel dieses Satzes ist — noch deutlicher als bei Blocher — nicht die Übertreibung, nicht die Zuspitzung oder das Herausreissen von Sachen aus ihren Kontexten, um sie neu zusammenzusetzen. Den ersten Satz, dass die «Justiz im Kampf gegen den Gesetzgeber» sei, könnte man durchaus noch mit diesen Stilmitteln beschreiben. Dass aber ausgerechnet die Kritik der Judikative an der Exekutive ein «Frontalangriff auf die Gewaltenteilung» sein soll, ist nur widersinnig. Hier wird der Begriff «Gewaltenteilung», der ja nicht gerade verhüllt, was in ihm steckt, nämlich dass die Gewalten (Judikative, Exekutive und Legislative) unabhängig sind und einander kritisieren dürfen, in irgendwas anderes verkehrt.

Ob mit der Gewaltenteilung irgendein diffuses Konkordanz- und Kollegialitätsprinzip-artiges Traditionsding, das in stiller Harmonie versinkt, verstanden werden soll? Das — und das ist noch völliger Unsinn — ist wirklich das Beste, was ich mit Nachvollziehen zustande bringen kann.

Die rechtsextreme AfD bezeichnet ihre Gegner als Nazis, die Flüchtlingscamps als Konzentrationslager und nennt sich «Alternative»: Ad absurdum führen ist wie bei der SVP hier keine Form der Gegenargumentation mehr. Ad absurdum führen soll die eigene Rhetorik stützen, das Verwischen von Zusammenhängen, auf die man so lange aufgebaut hat, soll dadurch noch erfolgreicher sein.

Vielleicht macht es aus der Perspektive des Chaos auch Sinn, dass ein SVP-Ständeratskandidat öffentlich der Parteilinie widerspricht oder jemand wie Yvette Estermann, die dieses Chaos verkörpert, öfter zu Wort kommt: Es herrscht die totale Verwirrung.

Ich bin sehr gespannt, was passiert. Ist die dreiste Umpolung von demokratischen Begriffen und der Hohn gegenüber historischen Ereignissen der Anfang eines sprachlichen Chaos, in dem die totalitäre Rhetorik wieder möglich wird? Werden dann gerade die «Gutmenschen» zu Bösen, sind dann Minderheiten die «Diktatoren»? Oder ist das Bedürfnis, Zusammenhänge und Teilzusammenhänge zu verstehen bei der Bevölkerung gross genug, dass die ad absurdum-Rhetorik der weit rechts stehenden Politiker bei ihnen nun auf Unverständnis stösst?

 

Natürlich ginge es neben der Logik auch um die gesprochene Sprache, die in Blochers Fall, glaube ich, von der Trumps nicht so verschieden ist:

Das Reh

Der Song heisst dance AUTOMATON dance.

Das Reh steht in der Dämmerung im Schnee und schaut zur Strasse hoch, wo es eine junge Frau sieht, die, um es nicht zu erschrecken, stehen geblieben ist. Das Kitz, der Sohn, wühlt leise in den Kompostabfällen eines Hauses, arglos oder gierig. Das Reh regt sich nicht.
Die junge Frau, die auf dem Weg zu einer Verabredung mit einem Studenten ist, der sie in ein Restaurant ausführen will, und in die sie nur aus Höflichkeit und ein bisschen überstürzt eingewilligt hat, zieht die kalte Luft durch die Nase und presst die Augen zusammen. Das Reh geht schon fast in die Dunkelheit ein, nur der weisse Schnee in seinem Rücken verrät seine unbewegliche Silhouette.
Obwohl die junge Frau keine Eile hat und schon vorhin stehen geblieben ist, um den Anblick eines kahlen Baumes gegen die Überreste eines Sonnenuntergangs anzusehen, spürt sie diesen Moment. Der Moment, wenn das Reh ihrer gewahr wird und das macht, was es nicht kann oder nicht muss, zumindest nicht so wie ein Mensch: denken. Es versucht abzuwägen.
Das Reh befindet sich auf dem Kamm zwischen panischer Angst um sich und ihren Sohn, die sie zur Flucht bewegen würde, und völligem Desinteresse, mit dem es weiterfrässe. Diesen Kamm, diesen Punkt, auf dem es sich so unwahrscheinlich lang, viele Sekunden, für die eine oder andere Reaktion entscheidet, erreicht es vielleicht durch Vorsicht, durch warnende Instinkte, die zugleich wissen, dass eine zu schnelle Flucht ein Energieverlust wäre. Aber die Vorsicht hätte es vorher walten lassen müssen, bevor es sich dem Haus genähert hat, und die Instinkte haben es schon dazu gebracht, hochzusehen, als die junge Frau gekommen ist. Das, was gerade passiert, das mit geblähten Nüstern prüfende, aufrechte Beobachten, mit dem es sich jedem Jäger ausliefern würde, kann nicht einfache Vorsicht sein. Denn es hat die junge Frau schon gesehen und abzuwarten, ob die junge Frau schiessen kann oder nicht, wäre ein sinnloses Risiko.
Die junge Frau kann Gesicht und Augen des Rehs nicht erkennen. Nicht einmal das Kitz sieht es.
In diesen Sekunden befindet sich das Reh in einem Zustand der Neugierde, der es zwischen der Flucht und dem Weiterfressen in der Schwebe hält, in einem Zustand der Neugierde, der über das Mass, das vernünftig oder nötig wäre, sich in Sicherheit zu bringen, sinnlos gesteigert ist. Das lässt sich an seiner Dauer erkennen, in der das Reh in der Dämmerung weit mehr sehen kann als die junge Frau, aber auch daran, dass, als die junge Frau mit der Zunge schnalzt, das Reh immer noch nicht wegrennt. Dass dies ein Mensch und eine Gefahr darstellen könnte, müsste auch das Tier verstanden haben. Und je nachdem wie es über Menschen denkt: Es könnte weiterfressen oder fliehen, aber es bleibt, als möchte es nicht verstehen, wer oder was das ist, und wie lange ihnen Zeit bei einem Angriff bleibt, sondern ganz als hätte es sich in der Frage versenkt, warum die Frau geschnalzt hat.
Sie beide stehen sich gegenüber, beide spüren die Neugierde des anderen, sie saugen sie durch ihre zitternden Nasenflügel mit der Kälte auf, versuchen zu verstehen und begreifen mehr als sonst, dass sie einander verstehen wollen. Sie erkennen im Gegenüber den Willen zu erkennen deutlicher als ihre Körper und so stark, dass die Neugierde all ihre Vorstellungen, wieviel sie davon verdienen, übertrifft. Sie wissen, dass ihr Gegenüber sie nicht verstehen kann und umgekehrt, aber der Versuch. Dieser hilflose Versuch. Sie fühlen sich wunderbar gestärkt und geliebt. Hinter dem Kamm geht es steil abwärts. Die Mutter rennt in den Wald, das Kitz hüpft hinterher.
Die junge Frau schnalzt mit der Zunge. Dann dreht sie um und setzt zum Heimweg an.

 

sonntagabendsong

Lesung im Literaturhaus Basel

Morgen — oder heute — Donnerstag lese ich wieder einmal im Literaturhaus Basel. Das letzte Mal war am JKF, als ich für den Literaturautomaten etwas geschrieben haben. War eine gute Zeit.

Link zur Veranstaltung

Es ist wieder Playland on tour! Und ich werde versuchen, die tolle Musik von Christoph Scherbaum einzubauen.

Acht Häufchen

Bei all den Bezügen im delirium, kann man ganz schön paranoid werden: Hier die Chronologie einer der rätselhaftesten.

delirium

Marx bemerkt irgendwo, dass alle grossen weltgeschichtlichen Thatsachen und Personen sich sozusagen einmal als Tragödie und einmal als Farce ereignen. Er hat vergessen hinzuzufügen: auch delirium-Texte.

Was bisher geschah

  1. Häufchen («Die Welt ist eine bösartige Maschine»)

Jens-Philipp Gründler schrieb eine Geschichte über Georg, der in einer Wüste Ungeheuer wie die Eisvampirin Vlada bekämpft und besiegt. Die Symbolik der Geschichte war klar: Mersat, Corina und John hatten Georg in der Schule gemobbt, und waren im Traum als Ungeheuer verkörpert, an denen er sich rächte.

Zwei Hauptgründe haben die Redaktion dazu bewegt, den Text aufzunehmen. Zum einen eröffnete er das Feld des Trash einem Heft, in dem sich fast alle Texte für intellektuell und filigrane Atemschaukeln halten. Zum anderen hatte er einen der aufregendsten Bezüge aller Zeiten: Die bösartige Maschine ist eine vollkommen neugeprägte Wendung. Mit Ausnahme eines einzigen Artikels im ganzen Internet ist die Phrase unbekannt: «Mykki…

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Die Tragödie der Coma Lilies

Der Songt heisst Erotic Boxing.

Im Ürban Dictionary gibt es jetzt einen Eintrag zur Tragödie der «Coma Lilies». Dazu steht «A short-lived band out of Sonoma, California.» Santa Rosa heisst es in anderen Quellen. «They made and performed experimental, psychedelic, and hard rock. They were classy as shit, and never before has there been a band anywhere near them in style, originality, or sheer awesomeness. The tragedy of the Coma Lilies is that as a band they released less than 90 minutes of music, before having a total band shakedown.»
90 Minuten sind inklusive des Demo-Tapes, das sie vor dem Plattenvertrag aufgenommen hatten, also das einzige Album von Denovali Records und eine EP. 90 Minuten reichen gerade mal, eine Show zu spielen. Das ist noch kaum eine Band, eher ein Experiment. Und tatsächlich sind die Jungs, von denen die meisten noch unter 20 Jahre alt waren, zwischen 2002 und 2008 durch Amerika getourt. «Getourt», das heisst zum Beispiel, sie spielten bei einem Battle of the Bands in Colleges oder in einem Pub, nicht an Festivals, nur in ganz wenigen kleinen Clubs. Das war nicht einmal eine Tour, eher ein Dunst, der vom Wind getrieben wird und sich rasch verflüchtigt.
Die Band hat gut 500 Facebook-Fans. Das ist nicht einmal eine Fan Base. Das ist gar nichts.
Und doch gibt es diesen Artikel im Urban Dictionary: «the very essence of all that is good and awesome, a universe of lust and perfection, classy a shit, the band God made to make up to the travesty that the Coma Lilies would become». Ihre Hörer sind ihre Fans, ihre Fans vergöttern sie. Es gibt keinen Umweg darum. Nicht bei dieser Band, die zwischen 2002 und 2008 alles auf den Kopf gestellt hat und eine einzige Ankündigung darstellt. Sie ist eine der schönsten Ausgeburten des Postrocks. Mit 16, 17 Jahren, kurz vor ihrer Auflösung, bin ich ihr begegnet, und nichts war mehr das gleiche. Ich klatsche mir jetzt noch gegen die Wangen wenn ich die Trommeln bei 4:02 in grab a fork micron höre.
Diese Melodien, dieses untrügliche, scheinbar durch alle Zeiten hindurch über alle Kulturgrenzen hinweg vibrierende Gefühl, das klar pointierte Gitarrenläufe, sanfte Klavierakkorde, und der Bass, der zwischen Härte und Zurückgezogenheit hin- und herspringt,  durch die Welt schrammeln. Die Schönheit dieser Melodien sind bei The Coma Lilies mit einem Schlagzeug zusammengefallen, dessen klare Präzision und virtuose Arhythmie man nur als eine Tättowierung beschreiben kann, die unter die Melodie gestochen wurde, und durchschimmert. Dieses Schlagzeug ist etwas vom Gänshauterzeugendsten, was man je hören kann. Über die Auflösung dieser Band möchte man weinen wie über einen jungen Menschen, der zu früh gestorben ist, man reisst sich nur zusammen: Es ist mehr davon geblieben, als man sich zu wünschen traute.
Warum so grossartige Musiker sich auflösen, das ist bei Coma Lilies ein Rätsel, dem man einen eigenen Namen geben muss. The Tragedy of Coma Lilies: Der Schlagzeuger macht abgefahrenen Jazz — gute Musik, aber nichts im Gegensatz zu früher. Die anderen Bandmitglieder haben aufgehört Musik zu machen und spielen in zweitklassigen Hardrockbands. Diese Band ist der Rimbaud der Musik.

Warum dieses Lied, warum dieses belanglose, fast stille Lied, in dem das Schlagzeug sogar noch fehlt? Warum das als Beispiel für die Tragedy of the Coma Lilies?

Wegen Minute 6:30 und was danach kommt. Ein Anklang einer Musik, die sie sonst nicht gespielt haben. Ein rudimentärer Synthie, der gerade über das 16bit-Zeitalter hinausgewachsen scheint, und den man in einer Minute ausweidet: Stockende Bässe, übereinanderliegende Drums, verschwindende Leads, zwei, drei Klänge wie elektronische Harfen – und das Ganze ist vorbei. Das war nicht einmal ein Lied. Doch vielleicht ist es das nicht. Doch Coma Lilies spielten noch nicht einmal elektronische Musik. Sie mussten nur, am Ende eines der atemberaubendsten Alben aller Zeiten, in einigen Sekunden beweisen, dass sie auch diese Musik aufgeräumt hätten, wenn es nötig geworden wäre. Warum haben sie nicht aufgeräumt? Bekamen sie selber Angst davor? Das ist das Rätsel um die Tragödie der Coma Lilies.

sonntagabendsong

#Neuland Hungerproblem

Economie Suisse auch geil wieder:

Jan Atteslander, Mitglied der Geschäftsleitung des Wirtschaftsverbands Economiesuisse, ergänzt: «Das weltweite Hungerproblem ist eine grosse Herausforderung. Gerade deshalb müssen wir vorsichtig sein mit vorschnellen Rezepten wie dieser Initiative der Juso.»

Das Hungerproblem ist auch so ein #neuland. Kaum taucht einmal ein neues Phänomen auf, will man es gleich beheben. Jetzt erst ein bisschen warten, beobachten, keine vorschnellen Rezepte.