Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Monat: Januar, 2018

Der Satz (LXXXIII)

Lisbeth, sein Weib erblasste bei diesen Worten. Sie wandte sich, und hob ihr Jüngstes auf, das hinter ihr auf dem Boden spielte, Blicke, in welchen sich der Tod malte, bei den roten Wangen des Knaben vorbei, der mit ihren Halsbändern spielte, auf den Rosskamm, und ein Papier werfend, das er in der Hand hielt.

Heinrich Kleist, Michael Kohlhaas

Michael Kohlhaas (Ein-Satz-Review)

Michael KohlhaasMichael Kohlhaas by Heinrich von Kleist
My rating: 5 of 5 stars

Ein-Satz-Review

Inzwischen, nachdem ich die Geschichte des Kohlhaas, Rosskamm an der Havel im 16. Jahrhundert, aus Ärger über die Ungerechtigkeit, die ihm von Seiten des Junker Wenzels von Tronka widerfährt, eine grausame und gehirnversprützende Wendung um die andere zu nehmen, und somit immer schneller einen Strudel von Geschehen einzulassen, gelesen und mit in der Hektik aufgepeitschter Begeisterung genossen habe, schien ich mich an das Stakkato der Apposition, jenen sprachlichen Galopp gewöhnt zu haben, in dem die Kohlhaas entwendeten Rappen, von ihrem abgeschundenen bis zum strahlend wiederhergestellten Auftritt, nie inne gehalten haben müssen, und das den Takt dieser Geschichte trommelt; dergestalt, dass die Poetik des Clusterfuck, wie ihn die Coen-Brüder viele Jahre später wieder aufnehmen, der Verwechslungen und kleinen Ungerechtigkeiten wegen, die gänzlich unentwirrbar Knoten um Knoten knüpfen, bis sich ein chaotisches Geflecht ergibt, hier auf einer Schnelligkeit der Sprache reitet, wie sie die bewundernswerten Unberechenbarkeiten im Film vielleicht doch nicht vermögen.

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