Wrag!

Cédric Weidmann, 28, schreibt.

Eine Million Faschisten (die untenrum nichts tragen)

Man sieht ihnen von aussen meist nichts an. Aber auch von innen kann ja keiner etwas ansehen.

Wen würdest du auf eine einsame Verkehrsinsel mitnehmen?

Der Satz (LXXXI)

Während ich nach den Schillingen und Pennys in meiner Tasche suchte, überkam mich ein unglaubliches Glücksgefühl: Endlich stand wieder das Geld im Mittelpunkt aller Dinge, das heisst, der Mensch.

 

Antal Szerb, Die Pendragon-Legende.

Der Satz (LXXX)

Der menschliche Blick hat es an sich, dass er die Dinge kostbar machen kann, allerdings werden sie dann auch teurer.

Ludwig Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen

„Der Nostalgische Club“ in The Gap

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Manfred Gram hat mich angefragt, für das hübsche österreichische Kulturmagazin The Gap einen kurzen Text zu schreiben. Der Versuch, den Erzählformen auszuweichen und gleichzeitig ein Thema  weiterzuspinnen, das sich mir schon bei Kinder klauen aufgedrängt hat, wird hier mit überaus freundlichen Worten und dem emphatischen Titel „Bruchstellen“ belohnt. Was sicher, im Guten und Schlechten, stimmt — auch wenn es hoffentlich lapidare Brüche sind, nämlich „unaufgeregt“, wie es zu meiner Freude im Kommentar auch heisst. Das Brechen, allen Skiunfällen zum Trotz, ist eine ganz lapidare Bewegung und gehört dazu, und es liegt keine Würde in ihm. Wie das Gehen des Menschen einfach ein unheimlich lapidares, vollkommen undramatisches Stolpern ist, und trotzdem ganz lustig anzusehen. Nostalgische Clubs gibt es ja nur, um aus lapidaren gravitätische Fälle zu machen. Und ja, es gibt keine Nostalgischen Clubs. Aber würden wir nicht wünschen, sie gehabt zu haben?

 

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Literatur im Bau

Zur Zeit schreibe ich im Auftrag für WSS Architekten mit János über die Strangsanierung. Nicht Drangsalierung, ich glaube nicht. Literatur im Bau heisst das Projekt und ist nichts anderes als ein weiteres Tor in eine Parallelwelt.

Diese Welt tut sich schon auf, wenn man an den Seiten eines „flachliegenden Durchschreibebuchs“ schnuppert, des sogenannten Baujournals, das den Namen einer pazifischen Insel trägt, und auf dem oben an jeder Seite eine Zeile für das „Wetter“ zur Verfügung steht. („Wetter?“ Ja, heute schon, immerhin! Wetter sehe ich eines.)

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Die Erotik, die hier mit Büchern verbunden wird, macht fast eifersüchtig: flachgelegt und bereit, durchgeschrieben zu werden. Wer würde unter dem Helm nicht erröten oder kürzer Atmen, wenn er seine Zeilen über die Entrümpelung oder die Mietersprechstunde hineindrückte? So erregt schreiben die Bauleiter, wie man es sich für das Schreiben nicht zu träumen wagte.

Die Autorin Julia Weber und der Autor Tommy Schleicher machen mit. Eine Auswahl der Texte erscheinen im Journal.

„Die Brücke“ im neuen KOLT

Illustriert von Petra Bürgisser.

In der Sache Wartholz

Das Wichtigste vorweg: Ich habe an diesem Samstag im Asphaltstockschiessen in Niederösterreich den 3. Platz (im Team mit den ambitionierten: Markus Liske, Christian Blazek und Knut Gerwers) errungen.

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Foto: Christian Ritter

Danach noch 1. Platz im Literaturwettbewerb, was eine schöne Sache ist, wenn man bedenkt, wie schön es ist – und wieviele gute Texte es gab. Aber da Text bekanntlich mühsam ist, hier ein paar Bilder und Links.

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Foto: Christian Ritter

im Fernsehn

Das ORF hat meine Gier, meine Gier noch einmal mit der Kamera festgehalten und meinen Namen ausgesprochen wie man einen Korken auf der Zunge rollt. Den Beitrag gibt es hier:

http://tvthek.orf.at/profile/ZIB-900/71256/ZIB-900/13920794

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Foto: Johannes Authried/Nön.at

Link zur Fotostrecke der Nön.at.

Und hier noch die Begründung der Jury, die mich natürlich besonders freut, weil sie zeigt, dass ich meinen Text richtig verstanden habe.

„Dieser Text hat die Erosion der Gegenwart im Blick, Verwerfungen, existentielle Verunsicherung und Überwachung. Die surreale Versuchanordnung überzeugt, das Motiv der Kindervertauschung ist eine Persiflage auf die Brutalität und Brüchigkeit gesellschaftlich gesichert scheinender Strukturen. Ironie, Komik und Satirik prägen die Handlung in einer dystopischen Welt, deren jugendliche Akteure einerseits ihre soziale Sphäre torpedieren, andererseits Kinder des Establishmenst sind. Der Widerstand in einer generell überwachten Welt bleibt spielerisch. Die Subversion leichtfüssig. Die Jury zeichnet mit dieser Wahl einen frischen jungen Text aus, der sich vorwagt“