Wrag!

Cédric Weidmann, 26, schreibt.

Hälfte des Lesens

Mit gelben Post-Its hänget
Und voll mit wilden Strichen
Der Leser ins Buch,
Ihr holden Ratten,
Und gierend nach Story
Tunkt ihr das Haupt
Ins dünngebundene Bändchen.

Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es fertig ist, das Nächste, und wo
Das Schlafmittel,
Und treffende Sätze?
Die Wörter sind
viele und schwer, im Einband
wuchern die Seiten.

Für das gefrorene Meer in uns

Mit Dank an S. Fanzun

Der Satz (LXXXII)

In einem Brief schrieb mir Sensini, dass er fürchte, ihm könne der Stoff ausgehen. Ich verstand ihn fälschlicherweise so, als fände er nicht genügend Wettbewerbe, bei denen er seine Texte einreichen könnte.

Roberto Bolaño, Sensini

Eine Million Faschisten (die untenrum nichts tragen)

Man sieht ihnen von aussen meist nichts an. Aber auch von innen kann ja keiner etwas ansehen.

Wen würdest du auf eine einsame Verkehrsinsel mitnehmen?

Der Satz (LXXXI)

Während ich nach den Schillingen und Pennys in meiner Tasche suchte, überkam mich ein unglaubliches Glücksgefühl: Endlich stand wieder das Geld im Mittelpunkt aller Dinge, das heisst, der Mensch.

 

Antal Szerb, Die Pendragon-Legende.

Der Satz (LXXX)

Der menschliche Blick hat es an sich, dass er die Dinge kostbar machen kann, allerdings werden sie dann auch teurer.

Ludwig Wittgenstein, Vermischte Bemerkungen

„Der Nostalgische Club“ in The Gap

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Manfred Gram hat mich angefragt, für das hübsche österreichische Kulturmagazin The Gap einen kurzen Text zu schreiben. Der Versuch, den Erzählformen auszuweichen und gleichzeitig ein Thema  weiterzuspinnen, das sich mir schon bei Kinder klauen aufgedrängt hat, wird hier mit überaus freundlichen Worten und dem emphatischen Titel „Bruchstellen“ belohnt. Was sicher, im Guten und Schlechten, stimmt — auch wenn es hoffentlich lapidare Brüche sind, nämlich „unaufgeregt“, wie es zu meiner Freude im Kommentar auch heisst. Das Brechen, allen Skiunfällen zum Trotz, ist eine ganz lapidare Bewegung und gehört dazu, und es liegt keine Würde in ihm. Wie das Gehen des Menschen einfach ein unheimlich lapidares, vollkommen undramatisches Stolpern ist, und trotzdem ganz lustig anzusehen. Nostalgische Clubs gibt es ja nur, um aus lapidaren gravitätische Fälle zu machen. Und ja, es gibt keine Nostalgischen Clubs. Aber würden wir nicht wünschen, sie gehabt zu haben?

 

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