Das Geräusch aller fallenden Smartphones

von Cedric Weidmann

Ich habe in meinem Leben schon so viele Smartphones zu Boden fallen sehen. Natürlich handelt es sich einfach um jenen Gegenstand, der überdurchschnittlich oft und, wenn man gewisse Fälle betrachtet, über Gebühr in der Hand gehalten wird. Dennoch ist es erstaunlich. Eben schlug ein iPhone krachend neben mir im Flughafen Kopenhagen auf. Das Geräusch ist fast vertraut.
Wie wäre das schön, wenn alle auf der Welt gleichzeitig zu Boden fielen. Amerikanische Banker und afrikanische VHS-Verkäufer würden mit kaum schockierten, angesichts des bevorstehenden Ärgerlichens leicht verblüfften Blick dem fallenden Handy hinterhersehen. Ein kleiner Einbruch in der Volkswirtschaft, ein paar tausend kaputte Geräte, mehr nicht, dafür: Terror durch das Alltägliche, spürbar gemacht. Unter dem wurde schon mehr gelitten als unter allen Kriegen zusammen. Nur merkt es keiner. Man denkt: „So ist das Leben. Es lagert sich eben Staub ab, wenn man nicht jede Woche wischt.“ Und denkt gar nicht daran, wie uns der Staub, der sich zu kleinen Terrorzellen sammelt, terrorisiert.
Aber man muss sich schon fragen: Ist der Mensch wohl nicht zum Halten von Smartphones gemacht (und nicht umgekehrt, wie jene Apple-Designer denken, die das sogenannte Handling perfektionieren wollen)? Liegt die Obszoleszenz nicht im Gerät sondern in der Behändigung durch unsere dürren Finger? Wie oft haben sie nicht schon gezittert und vor dem Einschlafen gezuckt!