Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Tag: isis

Gute Dinge

Ein Jahr Snowdenleaks und du likest Bilder vom Essen.
Wir sind guter Dinge, wir sind alle guter Dinge.

Ballernde Gotteskrieger vor den Türen von Baghdad und du kennst Isis als ne Rockband.
Wir sind guter Dinge, wir sind alle guter Dinge.

FIFA schanzt sich Länder zu und du zahlst ihr die Steuern.
Wir sind guter Dinge, wir sind alle guter Dinge.

Boko Haram klaut Internate und du surfst durch Schulmädchenporn.
Wir sind guter Dinge, wir sind alle guter Dinge.

Israel sucht drei Teenies und die Westbank wird geräumt.
Wir sind guter Dinge, wir sind alle guter Dinge.

Aller guter Dinge sind drei
und gut Ding will Weile haben,
macht: eine lange Weile.

Wir sind alle langer Weile,
alle guten Dinge sind uns.

Der Schleier der Isis

Der Schleier der Isis im Tempel zu Saïs, 30 58′ 15″ N, 30° 46′ 40″ E, ist eine transparente Plastikfolie aus dünnem Polymethylmethacrylat.
Durch sie hindurch dringt wie bei einem Schleier kein klarer Blick. Die Fetischisten kommen oft auf Besuch und streicheln das antike Material. Der rätselhafte Schleier darf nicht gehoben, nicht geknickt werden. Alle müssen an einer Absperrung entlang und dürfen sich nur einige Sekunden dem Tasten hingeben. Alle Fetischisten sind sich einig und akzeptieren, dass der Schleier nicht gehoben wird. Man kleidet nicht ein, um zu entkleiden. Das Plastik ist kein Schutz vor Enthüllung oder das Versprechen eines Anblicks, sondern ein einziger Reiz. Genauer konnte es noch keiner erklären; nach dem Vorübergehen masturbieren sie in langer Reihe und schwingen sich, erleichtert, auf die Kamele, die sie schwankend ins Hotel bringen, wenn es dämmert.