Eklige sterbende zuckende Masse

von Cedric Weidmann

Unter ihrem Fuss knackste ein Schneckenhaus.
Sie hob mit später Vorsicht die Sohle in die Luft und sah hinab.
– Bist du da jetzt draufgestanden? fragte Mark, der weiter vorne stehen geblieben war und an seiner Lederjacke zupfte.
– Schon erstaunlich! dachte sie, während sie in die Knie ging um die Überreste des Schneckenhauses zu betrachten, Wie schnell diese Häuser zerbrechen und am Ende die Tiere nicht mehr wie Tiere aussehen sondern wie eine eklige, sterbende, zuckende Masse, mit der man kein Mitleid empfinden kann.
Mark kam widerwillig näher und schielte unter ihre Sohle. Es wollte ihm nicht in den Kopf, was sie so beschäftigte und er zuckte deshalb mit den Schultern. Mark war ein geschäftiger junger Mann, immer ungeduldig etwas zu tun, als hätte er nur noch seine letzte Woche zu leben.
– Iih, ist ja eklig, sagte sie endlich, aber im Ton der Verwirrung.
– Die leben gefährlich, die Dinger, meinte Mark aus reiner Höflichkeit während er die klebrige Masse mit einer vagen Kreisbewegung seines Zeigfingers aus der Luft einzukreisen versuchte, dann nahm er sie wieder am Arm, komm Sara, wir müssen weiter sonst kommen wir wieder zu spät.
– Zu spät wohin? fragte sie.
– Was wohin? Wieso bist du so verwirrt? fragte Mark erstaunt, doch würdigte sie keines Blicks. Du weisst doch, dass wir zu meinen Eltern fahren.
Plötzlich ging sein fliegendes Schreiten in Rennen über und sie musste zu sprinten anfangen, um mitzuhalten.
Sie sahen den Zug schon einfahren als sie noch ganz oben am Hügel waren.
– Verflucht, ich wusste, wir würden es nicht schaffen!, rief Mark aus, blieb stehen und lehnte sich keuchend gegen eine Hauswand. Er spuckte zu Boden, sein Gesicht war rot angelaufen und seine Nase hatte zu tropfen begonnen, Blut und Schleim sammelte sich an seiner Nasenspitze und er verzerrte seine Züge zu einer Maske der Qual.
– Schon erstaunlich! wiederholte Sara im Stillen, schon erstaunlich!