Wrag!

Cédric Weidmann, 28, schreibt.

Kategorie: Lyrik

Zukunftsplanung

Bin ich erst einmal ein Greis
Mach ich nur noch immer Scheiss
Ich lasse meine Kacke
Einfach in der Jacke
Und rufe auf den Treppen
Man solle mich mal schleppen
Ich wüte gegen junge Leute
Doch liebe zarte Mädchenhäute
Und bin ich erst im Altersheim
Schlag ich in die Alten drein
Und wird man mich belangen wollen
Bastle ich mir Kissenstollen
Und wenn sie meine Festung stürmen
Werd ich durch die Falltür türmen!

Unlautere Abwerbung

Diese Unternehmensstrategie
Ist ein Abwerbungsversuch
In Nachhaltigkeit.

Iterative Elimination
Dominierter Strategien
Führt nie zum Steady State.

Eine Win-Win-Situation
Trotz Second Best-Problematik?
Einfaches Optimierungsproblem.

240 versprochen
Eddie kriegt nur zwanzig fünf
Auf jährlicher Basis in salvo

Sie haben Bürosessel dort
Mit Hydraulik und verstellbarer Tischfläche.
Cafeteria ohne Empfang

Und Ökosoziales Umfeld.
Die Babyaktie meiner Zukunft,
Opportunitätskosten inferior.

Oh Chef, es will mich fressen!
Was für ein Abweichungsanreiz!

Meinungsfindung

Über das thema zerstieben die meinungen im schädel
In alle richtungen zugleich und knöpfe von moralitäten
Konvolute des schlamassels winden vertäuen zurren sich fest
Über dem hypothalamus türmen sie sich aufbäumend auf.

Wissen wie man zu etwas steht scheint ein hohn zu sein
Auf das stehen. Wissen worauf man pocht verrätselt sich
Auch beim lauschen auf das bepochte zur genüge noch.
Soll einer kommen und sagen, ich müsse farbe bekennen.

Heimtückisch unterschlüg‘ er tausend töne und schattierungen.
Unkenntnis von farbe klafft mir sichtlich aus der faltenquellenden stirn.

Der Fischer am falschen Platz

Mein Start als Schriftsteller war ziemlich ungut.
Ich habe meine Bücher zu dezidiert dediziert.
Also beschloss ich, ich wolle entschieden entscheiden.
Ich hab meines Vaters Kutter unbemannt umbenannt.
Und auf einmal geht es mir unziemlich gut.

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Früher auf diesem Blog:

Zu viel Botox oder Berlusconi (Ein Lehrgedicht im Schüttelreim).

Die Grenzen der Menschheit (Dreifacher Schüttelreim)

Beschwichtigung (4 Sapphische Strophen)

Mach nur nicht dir gleich in die Hosen, Alter!
Ich schreib auch, genau so wie du, und weiss, dass
Bloggen, Schreiben, all dieses Werkeln nichts bringt.
Heul jetzt doch nicht, Mann!

Was du brauchst und wie du gequält die Menschen
Anfällst, Blicke werfend, weiss ich doch, kenne ich! Und
Suchst nach Worten, deutlichen Verben, oder?
Stress nicht so rum, ey.

Spann erst aus und machs dir gemütlich, leg den
Stift mal weg — Ich schreibe doch auch! Oft Märchen und
Dichtung. Check’ im Duden und andrem Scheiss die
Orthographie ab.

Dreissig Bücher, vierzehn gedruckt, erfand ich
Ohne Hilfe, Jahre in meiner dunklen Kammer.
Wes Gedichtband kann man erfolgreich online
Zueignen sich? Mein’n!

Sätze flechten, Tuwörter beugen, Krimis
Plotten. Kleiner: Mach ich auch alles, mach ich!
Stört es dich? Natürlich der Rauch, was sonst? Ich
Mach sie gleich aus. So!

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Eine sapphische Strophe funktioniert nach dem folgendem Reimschema

– u – x –  u u – u – x

– u – x –  u u – u – x

– u – x –  u u – u – x

– u u – x

Vgl. Sapphische Strophe

Die Grenzen der Menschheit (Dreifacher Schüttelreim)

Man kann zwar nicht jedes Lallen in allen Füllen hassen,
Aber notfalls doch die Hüllen schnell mal fallen lassen.
Auch kann man leider nicht alle grossen Hallen füllen lassen,
doch sollte man die Stimmung mal in allzu tiefes Fallen hüllen lassen,
darf man natürlich manches Lallen kurz in stilles Hüllen fassen.

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Früher auf diesem Blog: Zu viel Botox oder Berlusconi (Ein Lehrgedicht im Schüttelreim).

Stottern

Ich hasse seine —
wie sage —
ich das jetzt am besten?

Ich schlüge am liebsten in seine —
wie sage —
ich das richtig?

Eigentlich schlüge ich gern viele —
wie sagen?

Das Namensschild

mir ist dein name
der altbackene
platingolden schillernd
durchwalkt
von knetenden prügelhänden
so kenne ich dich nicht!
denn noch, noch
ist mir dein name
ein begriff.