Daumenkino

von Cedric Weidmann

Ich und Du im Daumenkino.

Du streckst die Hand nach meinem Popcorn aus, ich spreize die Beine.
Traumfabrik, sagst Du, das ist typisch hier, wie eine Beverly Hills-Sesselbahn.

Nein, erwidere ich, die Schneeträumungsarbeiten haben aus dem allem nur noch Angst und Schrecken gemacht, Hollywood ist längst keine Seifenblase mehr.

Schweigend nippst Du am Strohhalm, der sich über den Boden bis nach draussen windet, und dort röchelt, wo Luft noch nicht von hundertzwanzig acrylamidbemantelten Sesseln erstickt wird.

Mir gehen die Dollars aus.

Verdien doch welche, meinst Du, ich nicke nur.

Dein Sweatshirt ist aus 88% Baumwolle, ungefähr.

Früher hätte man das noch proleptisch erzählt, heute rinnt das Blut schon aus dem Klappentext.

Du triefst vor Kinosälen, wie ich merke, wenn ich mich zu dir hinüberbeuge.

Dein Deo macht Rodeo auf Zweifel-Glutamat.

Mein letzter Cheeseburger ist auch schon vier Hometrainer her.

Heute kann man diese Filme doch alle herunterladen.

Du hast Recht.

Aber es hat trotzdem Kultur.

Ich weiss es.

Niemand braucht heute noch Kinos.

Filme sehen sich heute alleine.