18

von Cedric Weidmann

Vielleicht werdet ihr in den nächsten Tagen eine Veränderung spüren, ohne sie genau zuordnen zu können. Ein Gefühl, das ihr habt, wenn ihr seit zwanzig Jahren im gleichen Zimmer stuhlen geht, und die Seife fürs Händewaschen plötzlich auf der rechten, statt der linken Seite des Waschbeckens steht. Ein Gefühl, dass etwas nicht stimmt, oder vielleicht doch stimmt, dass eine kleine Veränderung stattgefunden habe, die vielleicht plötzlich den Ehekrach auslöst, weil etwas nicht mehr so zu sein scheint, wie es einmal war.
Wenn euch das hier wiederfährt, dann liegt es mit Sicherheit an der Zeile rechts oben, die mit Der Autor betitelt ist. Jetzt nämlich versteht ihr es bestimmt. Da steht nicht mehr „Cédric Weidmann, 17, schreibt.“ sondern: „Cédric Weidmann, 18, schreibt.“

Tatsächlich bedaure ich es sehr, dass ich 18 bin. Bis hierhin hat mein Süss,-so-klein-und-so-ein-Wortschatz!-Bonus gezählt. Mittlerweile löst sich der auch in nichts auf und man wird feststellen müssen, dass mein Wortschatz in Tat und Wahrheit sehr beschränkt ist. Ausserdem kann man einen Volljährigen auch viel weniger prima verkaufen. Man kann sich nicht vorstellen, wie alt ich mich fühlen muss.
Aber immerhin kann ich jetzt in Clubs und so. Autofahren, wer weiss. Alkohol trinken. Pornos kaufen. Tolle Sache, wirklich. Ganz davon abgesehen bin ich voll strafbar, finanziell auf mich selbst angewiesen, muss Steuern zahlen und, wenn man schon dabei ist, ab ins Militär!
Aber ich will nicht den Teufel an die Wand malen, den kann man ja proijezieren heutzutage.
Ich meine, Geburtstage sind immer eine schöne Sachen, an denen praktische Dinge rausspringen. Geld zum Beispiel.
„Hallo, in der Welt der Erwachsenen. Das hier ist ein Gesellschaftsspiel. Wir schenken dir etwas Startkapital und jetzt legen wir dir soviele Hindernisse in den Weg, dass es besonders herausfordernd wird. Sieh zu, dass du das Survivalcamp überlebst.“
In zwei Jahren, wetten?, werde ich schreien: „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Aber egal, Stars sind wir alle und Zeiten waren immer schon hart.
Was habe ich letztes Jahr an meinem Geburtstag getan? Ich sass in Nida und habe Queens Of The Stone Age gehört. Und ich glaube an solchen Traditionen muss man festhalten. Sometimes the same is different, but mostly it’s the same.
Alles klar?