Der Blick

von Cedric Weidmann

Mit diesem Blick machte sie ihn immer ganz allein.
Und wenn er so unglaublich allein war, dann war ihm oft zum Rennen zumute.
Und wenn er rannte, dann hielt er lange nicht mehr an.

Er rannte über Täler und Berge und Schluchten und Ränder und Ecken und Stock und Stein und Menschen und Tiere und Wasser und Lüfte. Natürlich war ihm bei alledem nicht wohl, denn schon bald merkte er, dass er noch viel alleiner war, als er anfangs gedacht hatte. Alles befand sich im ewigen Besitz des Stehenbleibens, nur er rannte durch die Welt. Und er wurde ganz wütend auf sich selbst und auf ihren Blick, den ihn so allein gemacht hatte. Er wunderte sich sogar eine ganze Weile, während er keuchend rannte, dass ein Blick die Fähigkeit hatte, einen alleine fühlen zu lassen, denn immerhin war ein Blick auch eine Art von Aufmerksamkeit und wem Aufmerksamkeit zu teil wurde, fand er, der konnte ja gar nicht so ganz allein sein.

Er rannte weiter, bis ihm die Beine so sehr schmerzten, dass er wusste, dass er nicht mehr ganz allein war.
Dann kam er zu ihr zurück und warf ihr einen Blick zu, der ihn immer ganz wichtig machte, und sie schloss dann für gewöhnlich sehr lange die Augen.