Du Held

von Cedric Weidmann

Als du aufwachst, merkst du, dass du nur Überreste angehäuft hast.
Die Ruine deines Bettes wackelt mit jedem Husten stärker.
Neben dir liegt sie.
Sie ist noch nicht aufgewacht und suhlt sich noch im Traum deiner mit austeilenden Erschütterungen fortsetzenden Gestalt.
Der Wecker starrt dir ins Gesicht.
Morgendliche Rituale erstrecken sich über perverse Zeitdimensionen.
Die ewige Wiederkunft hat dir gerade noch gefehlt.
Du hustest, sie schläft, du wirkst, sie bäumt, du krämst, sie labt.
Im wallenden Vorhang glaubst du, die Eltern deines besten Freundes zu entdecken.
Das Fragen deiner Augen ist ein Elend in der Welt.
Der Hunger hat dich aufgefressen.
Selbst deine Erektion ist kalt, du Held.
Deine baren Füsse schreien nach Kohlen und die Türklinken machen den Eindruck, als wollten sie dir einen Bären aufbinden.
Im Spiegel siehst du aus wie ud.
Der Wind, der dir auf der WC-Schüssel durch die Arschritze zieht, wird immer strenger mit dem Alter.
Von weither krähen die Paviane aus der Kanalisation.
Du versuchst, das Geräusch der Giraffen zu imitieren, doch scheiterst.
Dein Leben entschlüpft deinen Fingern als wäre es Fruchtwasser.
Im Ohr klingen dir noch die Lobe deines Vaters.
Du weisst nicht mehr, was du letzten Sommer getan hast.
Du tauchst den Kopf in die Badewanne.
Es kommt dir vor, als könntest du die Wale singen hören.
Sterben kannst du später auch noch.
Aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.