Ein Ding der Unmöglichkeit

von Cedric Weidmann

Das Nashorn sah hoch.
„Du musst da hochklettern, um wieder ein Mensch zu werden“, wiederholte der alte Mann.
„Wieso?“, fragte das Nashorn nach einigem Nachdenken.
„Es ist nicht gut möglich, dass du einfach so wieder ein Mensch wirst, nicht wahr?“
Das Nashorn zuckte mit den Achseln. „Es ist aber auch nicht gut möglich, dass ich mit viel Mühe ein Mensch werde, oder?“
„Oh, warum nicht?“ Der alte Mann fuhr sich durch den langen weissen Bart. „Räume haben viele Türen.“
„Aber mir scheint es, es sei nicht gut möglich, dass ich einfach so ein Mensch werde, nicht weil es unmöglich ist, einfach so ein Mensch zu werden, sondern weil es nicht gut möglich ist, überhaupt Mensch zu werden?“
„Was bist du nur für ein dummes Nashorn“, erwiderte der greise Mann, „Die Sterne schlafen nicht bei Nacht. Auch das Schicksal macht keine Verbeugungen“
Das Nashorn sah wieder hoch. Der Baum war riesig und hatte wenig Äste, um sich daran festzuhalten.
„Als Mensch hätte ich es einfacher, da hochzuklettern.“
„Warum bist du immer so zynisch, dummes Nashorn? Die Ameise hat ihr Nest auch nicht aus einem Ast gebaut. Alle Flecken geben ein Muster. Wer zweimal schrubbt, muss auch aufwischen. Auch Affen können lachen.“
„Und warum sprechen Sie eigentlich in Rätseln?“, fragte das Nashorn.
„Nur ein versohlter Hintern hat einen König getragen… Es ist ja wohl nicht gut möglich, dass ich die Dinge einfach so sage, nicht wahr?“
Das Nashorn sah den Baum hoch und zuckte mit den Achseln.