Der Gehülfe (Ein-Satz-Review)

von Cedric Weidmann

Der GehülfeDer Gehülfe by Robert Walser
My rating: 3 of 5 stars

Ein-Satz-Review

Ein Nichtsnutz, der sich auf eine beänstigende Talented Mr. Ripley-Art mehr und mehr seinem Chef annähert und in einer empfindlichen Selbstbeobachtung, die wie eine Übersensibilisierung von Henry James‘ psychologisierendem Erbe anmutet, seltsam während Spaziergängen im Kopf die irrsinnigsten Gedanken überschlägt, wird in der Villa Abendstern, die gleichzeitig die Gallionsfigur über dem heutigen Wädenswil und der pervertierte Ort einer untergehenden ökonomischen Einheit darstellt, in dem sich die Max Webersche Moral des traditionellen gegen jene des kapitalistischen Geists nicht erhalten kann, Zeuge des Buddenbrookschen Niedergangs einer Familie, dem jedoch nichts von einer Würde anhaftet, sondern der im Gegenteil nur einer schrecklich zerfledderten Faulheit geschuldet ist, die sich in der Flucht ins Spielen wie dem „Schinkenklopfen“, dem Zigarrenrauchen und dem Jassen deutlich zeigt, dabei ist die Geschichte durchzogen von einem rüttelnden Satzbau, einer den Leser ins Paranoide stürzenden Ironie und dem verwirrenden Geist eines jungen Mannes, alles in allem also mehr eine Lektüre für Germanisten und Zyniker als für mitgerissen zu werden Bedürftige, einerseits mag das schade sein, denn verdient das noch den Namen Lektüre?, andererseits: und was für eine!

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