Der Stollen

von Cedric Weidmann

Die Dämmerung drang in das erste Schwächeln des Abendlichts und legte sich an den Berg. Ich setzte den Helm auf, betrat den Stollen und leuchtete mit der Lampe in meiner Rechten den niederen Gang aus. Zwei Fledermäuse flatterten nach draussen und ein helles Tropfen hallte aus der Finsternis. Mit geschulterter Spitzhacke bestieg ich den Lorewagen und ruckelte langsam durch Korridore, die sich in unvermittelte Hallen aufbrachen. In ihnen flog ein Geräusch einen Pulsschlag haltlos, bevor es an den Wänden stöhnend zerscholl. Als er an sein Ende kam, beleuchtete das Licht eine karstige Wand, an der ich mit Schürfen begann.
Am nächsten Abend brach ich direkt vom Wirtshaus auf und traute mich erneut in das jahrmillionenalte Dunkel, das der Fels in sich barg. Wieder ging ich in den Stollen, doch diesmal war meine Lampe ein Gedanke und ich das Unheimliche, Beseitigungswürdige, das er mit sich herumschleppt.