Zwischenfall

von Cedric Weidmann

Der Mann stapfte durch den Schnee. Selten sah er über die Schultern zurück, kniff im gleichmässigen Glimmen des Wintertages die Augen zusammen und prüfte, ob ihm der Bär noch folgte. Wenn er den Blick spürte, versenkte der Bär seine Schnauze im Schnee, als schämte er sich ein wenig.
Ein Busch, von dem sich der Mann einen kleinen Abhang hinuntergleiten lassen wollte, brach. Der Mann stürzte, schlug sich das Becken an einer Baumwurzel und landete am Ufer eines Tümpels, so dass seine rechte Seite im eisigen Wasser unterging. Als er blinzelte und sich den Schwindel vertrieb,  sah er den Bären, der am Kamm des Abhangs stand und mit seiner Schnauze im Schnee wühlte.
„Hilf mir!“, rief der Mann.
Doch der Bär bewegte sich kaum, schob nur weiter seinen Kopf durch den Schnee. Es knarrte und ein kleines Schneebrett löste sich, das den Abhang hinunterrutschte. Darunter kam das grünbraune Gras zum Vorschein, das unter dem weissen Gewicht plattgedrückt worden war. Es schimmerte feucht, schien dicht und saftig, und reizte dazu, die Hände in es wie in Frauenhaare zu schieben.
„Danke!“, sagte der Mann und stand auf. Er schüttelte seine Ärmel aus. Der Bär versteckte sein Gesicht unter der Pfote. Es war ihm alles ein wenig peinlich.

(Handy#2)