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von Cedric Weidmann

Sie hatte etwas von Wille und Lust gestöhnt, lag nackt auf dem Sofa und räkelte sich. Er war ein Mann und sah ihren Brüsten beim Wackeln zu.
Sie fragte ihn, woran er gerade dächte.
Wieso diese Fragen?, fragte er sich. Wieso musste man ihm immer diese offensichtlichen Fragen stellen?

Früh ging er nach draussen, weil er bei der Zeitung arbeitete.
Niemand wusste das genau und niemand wusste genau, was.
Er rauchte morgens und trank seine Milch mit Likör, er frühstückte nie.
Am Mittag ging er aufs Klo und hustete sich die Druckerschwärze aus der Lunge. Dann wusch er sich die Hände, ass einen Kebab und nahm sich ein Bier.
Abends, wenn er nach Hause kam, zündete er sich eine Zigarette an, bevor er die Türe öffnete und eintrat. Wenn er eingetreten war, legte er sich aufs Bett und rauchte eine Zigarette. Trüge ihm nicht immer die Putzfrau das Sixpack in den Keller, hätte er nicht immer und immer wieder erfolglos an die Unterseite seines Bettes zu tasten.
Sein Leben war ziemlich teilweise.

Ein Freund rief an und fragte, ob es gut gehe.
Er hängte auf ohne zu antworten. Er fragte sich, ob es nicht genug Ausrufezeichen für all die Fragezeichen gab. Er glaubte doch.

Er arbeitete lange und fruchtlos. Menschen, die Zeitung lasen, hatte er schon seit Monaten nicht mehr gesehen.
Nachdem er eine Lohnerhöhung erbeten hatte, liess ihn der Chef holen.
Ob ihm denn die Arbeit nicht gefalle.
Sicher!, sagte er mit einem Ausrufezeichen und zündete sich eine Zigarette an, sicher!

Ob er gerne rauche, fragte die Frau an der Kasse des Denners, zu dem er immer den Umweg nach Hause machte, um nicht über die Autobahn gehen zu müssen.
Sicher!, antwortete er, sicher, sicher!

Die von der Arbeitsversicherung war jung und hatte einen grossen Ausschnitt.
Wohin er schaue, fragte sie, er müsse sich auf die Maschine konzentrieren.
Er zuckte mit den Schultern und tat wie ihm geheissen. Die Maschine hustete, er hustete auch und die von der Arbeitsversicherung kaute gelassen auf ihrem Kaugummi.

Der Staatsanwalt fragte, was er jetzt vorhabe.
Er wusste es nicht.
Eine Vergewaltigung sei ein dumme und schwerwiegende Sache. Vor allem, wenn es sich beim Opfer um eine Versicherungsangestellte handle, der könne er nicht erzählen, er habe es unter Alkoholeinfluss getan, also könne er die ausstehenden Jobauszahlungen gleich vergessen.

Ob er denn gestehe, wollte der Richter wissen.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!
Ob er denn bereue.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!

Ob er etwas verbrochen habe, dass er im Gefängnis sässe, fragte der Bruder.
Ob er aus dem Gefängnis wolle, fragte der Psychiater.
Ob man ihm Kuchen schicken solle, fragte die Grossmutter.
Ob die Grossmutter noch lebe, fragte der Bruder ganz schockiert.
Ob das der Bruder denn nicht gewusst habe, fragte die Grossmutter beleidigt.
Ob es ein Problem für ihn sei, fragte der Beamte, dass man ihn erst jetzt rauslasse.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!
Ob er damit trotzdem nicht gleich zu den Medien gehen würde.
Sicher!, sagte er, sicher, sicher!

Und er arbeitete wieder für eine Zeitung, er rauchte eine Zigarette, lebte irgendwo, manchmal kamen Fragen von oben herab, manchmal aus der anderen Richtung.
Ob er krank sei, ob er psychisch gestört oder so sei.
Ob er dieses und jenes getan, gelassen oder gehabt hätte, ob er das eine dem anderen vorziehen wollte und ob ihn das überhaupt interessiere.

Sicher interessiere ihn das, sicher, sicher! Er sei ja kein Unmensch.