Slamtod

von Cedric Weidmann

Ennet der Reuss gab es mal einen Dichter, der dichtete liebend gern Gedichte.
Im Gefichte seiner Sichte und in der Fichte seiner Pflichte war er schlichte und sprach:
Er verzichte lieber auf Gerichte,
das schädige seine Gedichte
und er glaube nicht, dass er mit Joggen vernichte,

was die Dichte nahrhafter Gerichte
an seiner Bauchspeicheldrüsenfehlfunktion verrichte.

Da kam ein Poetry Slammer zu ihm und sprach:
Warum bist du alleine, kleiner Wicht?
Schreibst Tag für Tag Gedicht und es kommt niemals zu Gesicht, geschweige denn in Sicht?
Komm zu mir auf die Bühne und ich Hüne
schenk dir Frauen mit schönen Augenbrauen
mehrere Verehrer und Beschehrer
Mach dich nicht
zu einem sprachlosen Dichter und Denker
Auf der Bühne wirst du gross und grösser
wirst zum grössten Lenker
Du kriegst Applaus und Saus und Braus
kommst raus aus Staus,
schmaust und kaust
und in der Paus
haust du mit Fäusten irgendwelche Zähne aus.

Also ward er geblendet von dem Rampenlicht,
dessen Glänze im Glase seiner Augen bricht
Stotternd las er aus seinem Gedicht
und fragte sich
Lässt mich meine Stimm nun gar im Stich?
Da johlten doch die Leute nur
um ihn bald loszuhaben
von der Bühne
Reime seien alt und zerbrechlich,
tot und unnütz und wenn nicht
Dann sei das des Einsiedlers nicht,
sondern jemand anderes Pflicht.
Singen sollte er
oder den Handstand machen
dann gäb es nichts zu verschlimmern
nur wieder was auszulachen.

Und so brachte sich der Dichter um
und es kam dumm, dass alle stumm
ihn auf der Bühne sahen müssen
wie er zwischen fehlenden Küssen
und auf wankenden Füssen
zu Boden fiel
und sich sein Blut entleerte
zu viel
als dass es sich im Knochenmark vermehrte.