Spielabend

von Cedric Weidmann

Wir sassen im Kreis, die Lampe hing bedrohlich über uns und schwankte hin und wieder. Meine Mitspieler waren absolut ruhig. Irgendwo von draussen konnte man Autos die Hinterstrasse entlangfahren hören. Ansonsten sagte niemand etwas. Es knisterte ab und zu, weil einer meiner Mitspieler, dem ein Clowngesicht aufgemalt und eine rote Nase aufgesetzt war, in die Chipstüte griff und ein paar bemitleidenswerte Krümel hervorzog. Er bot keinem von uns etwas an.
„Mach mal“, grummelte einer dessen Gesicht nach hinten gekehrt war. Seine Glatze glänzte im schummerigen Licht.
Dann plötzlich begann eine Frau in Anzug Karten zu mischen. Es sah aus, als wüchse der Stapel Karten in ihrer Hand mit der Intensität, mit der sie die Hand durch die Luft fliegen liess. Dann legte sie ihn nieder und alle Spieler, darunter einer, der aussah, wie ein riesiges Kleinkind, er war viel Fleisch und Haut und wenig mehr, legten einen Stein von ihrer Tischseite in die Tischmitte.
Plötzlich sahen mich alle an. Ich tat es ihnen gleich, und dann wandten sie erst den Blick von mir.
Darauf liess die Frau, die vorher die Karten gemischt hatte, eine Glocke auf ihrem Tisch erklingen und der Clown sprang auf und griff zu und nahm sich einen Stein, mit dem er zwanzig oder vierzig Mal auf den Tisch klopfte. Darauf grummelten einige und schoben noch einen Stein nach. Ich weigerte mich und niemand kümmerte sich darum.
Die Frau drückte noch einmal auf die Klingel und ich schaute mich aufmerksam um, doch es passierte gar nichts. Plötzlich schob man mir einen Würfel zu, doch er war riesig. Ich musste aufstehen, um ihn fallen zu lassen.
Ich würfelte eine vier. Hämisches Lachen.
„Setze“, sagte einer. Ich zögerte kurz, fragte mich, was ich zu verlieren gehabt hätte, und schob einen Stein in die Mitte. Doch plötzlich sprangen alle auf und schoben es zurück. Das hatten sie wohl nicht gemeint. Verzweifelt über die Frage, was ich jetzt hinein hätte legen können, griff ich mir einfach einen Stein aus der Mitte.
Einige nickten nachdenklich.
Dann nahm einer plötzlich eine Spielfigur vom Rand und setzte sie auf den gekachelten Boden. Die Frau eröffnete die Runde und drückte auf eine Uhr, die sich schnell drehte und allgemeine Nervosität machte sich breit, doch es stand niemand auf.
Plötzlich lachte der Mann, dessen Gesicht nach hinten gewandt war und sprach zu mir:
„Lass uns setzen.“
Ich schwieg, ohne eine Ahnung zu haben, was ich tun müsste.
„200, dass das ein Traum ist“, und er legte sieben Steine in die Mitte.
Ich tat es ihm nach.
Dann drückte die Frau wieder auf die Uhr und setzte vier neue Spielfiguren auf den Boden des Zimmers. Sie drehte einen Kreisel. Er kam in die Richtung des Fleisch-Kleinkindes zu stehen. Dieses sprang auf und rannte davon. Niemand zeigte eine Rührung, nur der Clown streckte seine Hand in die Chipstüte und ass.