Ein Nachmittag

von Cedric Weidmann

Nun strich er schon seit einer geschlagenen Stunde durch die Landschaft, ohne einen drängenden Auftrag zu bekommen oder einen Gegner zu finden, an dem er sich erproben konnte. Stattdessen hatte er jede noch so winzige Truhe geöffnet, um zu sehen, ob sich darin ein Gegenstand (eine Wurst, ein paar Goldstücke) von irrwitziger Wertlosigkeit verbarg.
Und als Thomas begriffen hatte, dass er so seit einer Ewigkeit unterwegs und sein freier Nachmittag im Schwinden begriffen war und dass er die Formen der Landschaft, die er durchstreifte, immer mehr voraussehen konnte und das Auftreten ihrer Hügel, ihrer Grasbüschel und Bäume ihm als eine algorithmische Regelmässigkeit erschien, gab er sich einen Tritt und schaltete die Spielkonsole aus.

Der Bildschirm blinzelte, doch öffnete sein Auge nicht wieder. Das Schwarz des Fernsehers spiegelte Thomas entgegen und er wurde dem unangenehmen Licht gewahr, das vorherrschte: Es war das triste eines schwächelnden Nachmittags.
Thomas war nicht auf die Idee gekommen, die Lampe anzuschalten, aber es war gerade jene Phase des Tages, in der unentscheidbar war, ob man die Lampe schon anschalten sollte oder nicht.
Das Sofa war nicht richtig bequem, aber zu bequem um aufzustehen.
Thomas funkelte den dunklen Bildschrim an, der ihm bedrohlich aufzulauern schien. Er konnte kaum wegsehen. Es war, als würde etwas daraus hervorsteigen, wenn er den Blick abwenden würde. Der Schirm war regungslos wie ein Busch, hinter dem sich jemand versteckt hält.
Thomas hörte zu spät, dass seine Mutter ins Zimmer kam.
Als sie das Phlegma erfasste, in dem er schwelgte, und seinen starren Blick auf den dunklen Bildschirm erkannte, machte sie sich Sorgen, weshalb sie mit ihm schimpfte.
Wie lange er denn schon so dasitze?
Keine Antwort.
Er solle doch hinausgehen oder sich um seine Schulsachen kümmern. Wenigstens das Zimmer aufräumen. Warum mache er nie etwas mit seinen Freunden?
Thomas schnaubte, sah aber nicht vom Bildschirm weg.
„Mit wem soll ich denn etwas unternehmen?“
Er schnitt eine Grimasse und lachte hohl:
„Etwa mit Kevin?“