Der schreibende Gorilla – Des Nekrophilen einziger Fall. Teil 5.

von Cedric Weidmann

Der schreibende Gorilla

Rico besuchte einen alten Freund aus der Schule. Er war Zoologe, ein vorsichtiger, feiner Mann, der immer ein wenig eingeschüchtert schien, wenn der massige Detektiv mit seiner Wildheit die sorgsam eingerichtete Wohnung betrat.
»Es ist unmöglich. Affen kann man so nicht abrichten, wenn man nicht direkt im Kontakt mit ihnen steht. Ausserdem… Leibesertüchtigung. Ein so altmodisches Wort… so vielsilbig. Das macht alles überhaupt keinen Sinn.«
Rico streckte sich, warf dabei fast einen holzgeschnitzten Elefanten zu Boden und entschuldigte sich dafür. Dann brummte er: »Weisst du, das zerbricht mir wirklich den Kopf. Der Zoo hat die Lösung wohl längst aufgegeben und vertuscht den Fall, um vor Beschwerden gefeit zu sein. Aber dieser Affe… ich sehe ihn manchmal an und er sieht mich an. Und ich frage mich, ob er nicht auch Detektiv ist.« Rico lachte falsch, als ob er es witzig gemeint hätte. »Weisst du… was ich meine?«
Der Zoologe bedachte ihn mit einem Stirnrunzeln.

Den Kickboardverfolger entdeckte er auf einer Brücke. Stolzer, am Telefon und mit einer Aktentasche in der Hand, sein breites Lächeln unter der Sonnenbrille, hastete vorwärts und der Verfolger musste ein hohes Tempo halten, um ihn nicht gleich zu verlieren. Rico wartete hinter einem Baum, wohlwissend, dass er den Verdächtigen nicht einholen könnte. Lieber lockte er ihn in den Hinterhalt. Als er vorbeirollte, sprang der Detektiv hervor und warf sich auf den Fahrer. Der fiel hin und jaulte auf. Doch Rico hatte ihn nicht ganz erwischt und hielt unversehens nur noch ein Stück Stoff in der Hand, das der Fahrer abgestreift hatte. Dieser sprang zurück auf sein Kickboard und fuhr weiter. Rico fluchte meisterlich und begutachtete den erhaschten Mantel. Es war ein Laborkittel.