Die Wut, kein Freund zu sein

von Cedric Weidmann

Der Song heisst Focker.

Er schlenkert seine Gummiarme, die wie Tentakel an die Wände der Häuser klatschen. Beim Klatschen kommen Papageien unter der Handfläche hervor, die ihre farbigen Federn verlieren. Er lacht, sein auf den Schultern drehender Kopf quietscht und singt, bis ihm das Feuerwerk aus dem Mund schiesst. Er verfolgt dich mit seinen farbigen Rauchwolken, den aufblitzenden Funken, die aus seinen Ohren sprühen: Er trägt ein oranges Shirt, immer das gleiche orange Shirt, und du musst dich hinter den Mäuerchen verstecken, damit er dich nicht findet.
Dabei hat es etwas Tragisches. Er will dein Freund sein. Er ruft, er wolle doch nur dein Freund sein. Dein «Freu- heu-heu-heund, oh ja!» Er versteht es nicht. What have I said, give me a clue, what have I done to you? Und dabei rennt er an den Häuserfassaden hoch, macht den Kopfsprung durch die Basketballkörbe, hebt die Container hoch, bietet allen, an denen er vorbeikommt, Samosas und Chiliwraps an, die Augen kollern, es stinkt nach Diesel und er möchte, möchte doch nur dein Freund sein.

Dann wird er langsamer, bleibt stehen. Es lässt den Kopf sinken, als wäre er müde. Ist er tot? Oder geht er nur nach Hause?

Regungslos — bis er aufspringt, in die Lüfte hüpft, den Helikopterrotor aus der Schädeldecke fährt, dich hinter jedem Mäurchen wittert und noch immer freundlich lächelt und etwas irr, diesmal breiter als sonst. Das ganze Dorf feiert und tanzt besinnungslos.
Doch es gibt einen Moment in diesem Zustand der letzten Ekstase, ein kleines Loch, ein Zittern, wo die Rotorenblätter zurückschnellen statt weiterzudrehen, nur ein kleines Flackern in Sekunde 2:56 — nur das verrät seine Wut.

sonntagabendsong