Ohne Kinder

von Cedric Weidmann

Bei der Ausbildung zum Kulturgüterschutz-Spezialisten (ohne Scheiss), wieder einmal den Werbefilm des Zivilschutzes gesehen, den man mir schon 3 mal vorgespielt hat.

„E Aalag ohni Aalagewart isch wie es Auto ohni Redli.“

Vielleicht hinkt bei mir der Vergleich, weil ich Autos nie verstanden habe. Gut möglich wäre aber auch, dass ich die Schönheit und das Wesen einer ganzheitlichen Anlage nicht begriffen habe und darum den Anlagenwart nicht als seine Räder mir denken kann.
Überhaupt, so betont ein Romand, ist die Schweiz ohne Zivilschutz „wie eine Familie ohne Kinder“ (ohne Scheiss).
Mir gefallen Vergleiche, die sich relativieren. Mir gefällt auch Tintenfrass und Schreibsand und mein Instruktor, von dem ich nicht weiss, ob er alles ironisch meint oder ob es einen Funken Ehrlichkeit in ihm gibt, und der zugleich so souverän plaudert und durchtrainiert ist, dass er mir Angst macht. (Das tut er wirklich. Also Angst machen und gefallen.) Mir gefallen die Krebsforscher, High-End-Chemiker, Fotografen, Möbelrestauratoren, Innenarchitekten, Lateinlehrer, Jungpolitiker und Gameprogrammierer in meinem Kurs.
Der Trailer von Monuments Men als Vorgeschmack– mir gefällt die Vorstellung, dass wir wertvolle Güter schützen. Mir gefällt insbesondere, dass sie vielleicht schützenswerter als die Menschen sind. Das ist wenigstens anständig böse gedacht.
Mir gefällt aber noch mehr die Vorstellung, dass ich morgen durch eine winzige Gemeinde schlendere und Dorfbrunnen und Teekannen inventarisiere, mit Žižek im Gepäck, der mir sagt, nur die Taliban wussten die Buddha-Statuen zu schätzen — der Westen hätte sie längst vergessen, bevor sie sie zerstört hatten, and so on and so on. Das muss einem doch gefallen, wenn man mich in der Vorstellung so sieht, morgen, verschwitzt, in der hässlichen Uniform und müde.
Habt eine gute Nacht!