Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Tag: sf

Georg Klein

Erst jetzt, als er mit einem ärgerlichen Schnauben auf die alte Bank gesunken ist, spürt Peter in seiner linken, seit langem dem gerade nicht Verstaubarem anheimgegebenen Hosentasche das Pieksen. Unmöglich, so weiss ich jetzt, und das bräuchte mein säuselnder Spitzmund keinem sagen, der sich bereits auf die eine oder andere Weise mit stechenden Hosentaschen abzuquälen hatte, unmöglich handelt es sich dabei um eine gewöhnliche Quittung oder das Knautschpapier eines Kaugummis. Peter lüpft den Schenkel einige Zentimeter. Es verschiebt sich im Textilinneren und entlastet die Druckstelle auf Kosten einer weit empfindlicheren. Endlich, zögerlich und schuldbewusst, als würde er einem anderen die Überraschung verderben können, langt er hinein und ich schiele ihm über die Schultern, bis mein Schnäuzchen seinen Hals kitzelt. Es muss diesmal besonders quälend sein, dass es ein Niedersinken abverlangt. Aber noch ist er nicht so weit! Das Hervorzubringende ruht zwischen den Fingerbeeren, sie ertasten ein Kantiges, Dünnes. Zweimal rutscht es ihm aus dem Griff und die Finger zappeln ohne Beute ans Tageslicht. Erst ein Hinaufschieben von der Aussenseite, ein Hochdrücken des Jeansstoffs und das schliessliche Herauszwicken mit Zeigefinger und Daumen bringen den Eindringling hervor. Eibein Stibift! In der ausgepolsterten Kindersprache ruft Anja, mit adlerscharfen Augen von weitem das zum Vorschein Kommende erkennend, den Sommer voll. Peter hält ihr den Kugelschreiber verwundert entgegen, das linke Lid gepresst, so dass aus ihrem Gesicht ein grosser Metallzahn zu wachsen scheint.
Ich lächle einfach mit. Ich lächle wie der Unbekannte über uns, der den Sommergeruch der Wiesen auf sich trägt. So kommt’s manchmal plötzlich. Der Kugelschreiber ist kein gewöhnlicher, denn er, wer sonst, hat das Raumschiff gerufen. Anjas Haare wehen, Peters Hand lässt den nach oben gerichteten Stift nicht los, als es brummt und tuckert über ihnen. Es ist ankündigungslos still geworden in der Landschaft, bis auf das Maschinendröhnen. Mein Schnäuzchen weht im Druck der Düsen, warum nicht, es ist ein starker Wind. So stark, dass ein Kastanienblatt schnell von einem dünnen Ast des Parks geweht, durch die Luft gewirbelt wird und an verschiedenen Orten landet. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Peter Derartiges am eigenen Leibe erfahren muss, aber es ist das erste Mal, dass es ihn soviel kostet. Gerade bereit, seinen Fund wieder einzustecken, bevor ihn die Ablenkung von oben unachtsam werden lässt, steuert die Flugkurve des Blatts auf das rechte Auge zu. Aus heiterem Himmel!
Anja hat mit ihren dünnen Händen schon Flinkeres angestellt und verknäueltere Knoten gelöst, und doch ist beachtlich, wie behände sie dem Blindgewordenen seinen Fund aus den Fingern rupft und wie eiswürfelkalt sie dem Raumschiff den Rücken zugewandt hält, wie stolz sie noch ist, den Kugelschreiber ihrer Jugendtage wiederzufinden, selbst als dafür und für die Freude darüber nicht mehr viel Zeit ist. Die Tintenfarbe eines anderen hat ihr selbst für ein messerdünnes Krakeln nie ausgereicht und das Tagebuch lag seinen Rücken, bäuchlings an der Stelle, an der sie zuletzt mit dem bereits fast leergemelkten Stift noch einige Worte eingekerbt hatte, zehn Jahre oder mehr wund. Hier, als sie schon im Himmel davonzuckelte, lächelt sie. Sie triumphiert, mit dem Stift ausgestreckt und dem hochklappenden Rock. Das aufgebrachte Antlitz von Peter erhält nun eine sehr lange, kantigdünne, metallische Nase, die anschwillt wie gestossen. Winken kann sie noch genug, aber sie tut es nicht, sondern hebt die Hand mit ausgestreckter Handfläche zu einem alten, noch nicht verwundenem Gruss, der wie eine Schwanzsteuer die Richtung in den Platinbauch des Fluggeräts lenkt. Peters Hose, die traurig von seinen Hüften hängt, ist schon viel bequemer. Ich lächle einfach mit.


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Peter Weiss

Ich sah Peter auf dem Balkon, wie er sich mit der rechten grobgeäderten, schwieligen Hand, um nach unten zu schielen, indem er sich auf die Zehenspitzen stellte, die unter ihm körnig knackten, auf dem kalten Geländer aufstützte und mit dem anderen Arm, zum Ellbogen eingeklappt, der unter dem bis zum ersten Ausdehnen des Bizeps aufgerollten Hemdärmel faltig und knittrig hervorknisterte, einen Ort zum Aufstützen suchte, keinen Halt für den Knorpel fand. Er stellte die Beine etwas zurück und legte schliesslich den Oberarm statt des Ellbogens auf das Geländer, um seine rechte Wange in die Faust zu stemmen. Neben ihm stand Anja, die, die Hand auf seinem Rücken, sich links, indem sie die Achse der Schultern, während die Beine entgegenstrebend verankert sind, fast in den rechten Winkel zum Zimmer drehte, und dessen Inneres durch die geöffnete Tür betrachtete. Im sähmigen Schimmer des Abendlichts leuchteten ein Couchtisch, ein knisterndes Sofa, eine Leselampe, ein Wandschrank, ein staubiges Brettspiel und gebeiztes Parkett auf. Sie bewegte ihren Mund, und ihre Mundwinkel, die von Natur aus nach unten fallen möchten, wurden in den Worten, die sie schusterte, nach oben gezwungen und ich vermeinte durch die deutliche, aber stumme Lippenbewegungen ihr Gesagtes vernehmen zu können. Oben, selten gesehen, vielleicht eine Wolke, schnell mal, ich dir sagen, vielleicht was anderes, viel zu gross. Und Peters Maul, das, nach unten zur Strasse gewandt, sich verzog und nur wenig für mich Verständliches hervorbrachte; daran glaube ich nicht, auch Vögel, verspreche ich dir, die Baustelle.
Nachdem sich Anja mit ausgestreckten Armen gewehrt hatte, nachdem sie nach dem Geländer gegriffen hatte, nachdem sie nach oben gezogen worden, nachdem das Raumschiff über ihnen erschienen war, begann sie zu rufen, strampelte sie, schlug sie die Handgelenke gegen den Stahl, verschwand sie im Bauch des Schiffs. Peter schwenkte die Arme in der Luft, äusserte einen gellen Schrei und einen matten zweiten und klemmte den Schuh unter das Geländer, um nicht hinunterzufallen, während sein Blick unnachgiebig an den Hausmauern vorbei nach oben auf die Scharniere, Düsen, Kühlerrohre, vergilbten Fluglichter, auf die kleinen Lüftungsklappen unter stählernen Verriegelungen zielte.
Peter zog die Beine wieder nach vorne, reihte sie nebeneinander auf, schob die Hand in die rückwärtige Hosentasche, wühlte darin und zog ein Taschentuch hervor, entknitterte es, atmete unter Zuhilfename eines Fingers durch das linke, dann das rechte Nasenloch seinen Schleim aus, hob das Taschentuch ratlos, winkte dem UFO zum Abschied, machte einen Schritt zurück, drehte eine Runde auf dem Steinbalkon, senkte den Blick und sah zum Geländer, hinter dem dreissig Meter Absenkung, an dreissig Verösungen eines Metallrohrs entlang, nach unten zur Baustelle auf der Strasse führten. Und dann sah ich, wie sich sein Schatten aus den zackigen Schroffen der Balkonkanten löste und wie sich der Schatten von Peter mit den ausgestreckten Armen in den Schatten der gegenüberliegenden Häusermauer einkerbte, während die Schatten seiner Beine zuckend daraus hervorsprangen. Der Schatten wogte noch im Balanceversuch und wühlte sich in das Gitter der Balustrade und füllte seine Rechtecke mit dem wankenden Körper von Peter, während die Schatten der Beine in die Hocke gingen, den Körper zusammenklappten, ihn verkürzten, stauchten, übereinanderhievten und schliesslich in einen grossen dunklen Schatten eingehen liessen, der plötzlich wieder den ganzen, ausgestreckten, nun hinwegspringenden Körper gebar. Auch sah ich, wie sich dieser hervorspringende Schatten von den anderen Schatten löste und von ihnen davon stürzte, aus dem Gitter des Geländers sich befreiend, hastig am Metallrohr entlang, tiefer zur Baustelle hinab.


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Michel Foucault

Das Paar ist zunächst eines, das sich in die Ordnungen der Umwelt und ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse fügt. Es setzt Zeichen: Herzen in Baumstämme; gemeinsame Lieder auf der Strasse; Fotografien; Zeichnungen; Bekundungen öffentlicher («<3», Facebook, Twitter), halböffentlicher und privater Art. Vom morgenlichen Verabschiedungskuss, der «quälsamer pünktlich ist, als selbst die Soldaten am frühen Nachmittag durch die Stadt marschieren», berichtet der Nachbar Thibault Chérome; «Panja» war ein gebräuchlicher Doppelname für die beiden. In dieser bis in die Zärtlichkeiten koordinierten und disziplinierten Glückseligkeit, die strukturell auf das sich verfestigende Bürgertum des späten 18. Jahrhundert zurückweist, befinden sich die beiden Geliebten. Es ist der Zustand einer idealisierten und zugleich effizient eingerichteten Turteltaubenhegemonie. Die Liebschaft des 21. Jahrhunderts tritt deutlich daraus hervor: die Frau ist nicht mehr nur Geliebte, Liebende, Lächelnde, sondern wird einer gesellschaftlichen Ökonomie wegen diesen Stellungen allmählich entrissen und von den vormaligen Positionen getrennt; der Mann, einst «der von jedem festen Glauben an die Zukunft ins Büro und der umso stärkeren Liebe nach Hause getriebene» Verlobte, wird zum Wrack, zum Schweigsamen, zum Tatlosen. Diese Wandlung vollzieht sich relativ plötzlich, aber wenig koordiniert. Es sind Ereignisse, die sich sowohl gegenseitig zu bedingen, als auch zu entstammen scheinen: Die Veränderung ist nicht linear, sondern ein Netz von sich gegenseitig verschiebenden biologischen, soziologischen, ökonomischen Ideen. In der Liebschaft des 21. Jahrhunderts lassen sich aus der Vielzahl ihrer oszillierenden Veränderungen einige der weitreichendsten Folgen herauslösen.
1. Die Liebschaft ist nun neben der öffentlichen, der halböffentlichen und der privaten Betrachtung auch dem Kosmischen ausgesetzt. Die bis ins späte 20. Jahrhundert hineinführende Vorstellung des eigenen Bereichs verengt sich noch, der gepflegte Vorgarten wird zum Landeplatz, das Dachfenster zum Guckloch, durch das ständige Überwachung möglich wird, die Fernsehantenne, früher ein Empfänger von harmlosen Nachrichten, wird auf einmal zu einem möglichen Sender, der selbst das Intimste dem aussetzt, was aus dem Himmel hinunterblickt. Die Liebschaft hat sich also in den Manövern und Disziplinen nicht mehr nur vor dem irdischen, sondern auch dem kosmischen Publikum zu inszenieren.
2. Die Frau, in territorialer und emotionaler Beziehung, wird zur Entführten. Trotz der Überwindung des veralteten Rollenbildes einer stets in Küche und Heim stehenden Gattin, dominierte doch bis weit über das Millenium hinaus die Idee, dass sie zumindest in gewisser Weise dem Haus angehörig sein und sich ohne Meldung nicht zu weit und lang davon entfernen sollte. «Ein Mensch, der, ersteinmal aus der Matte vor seinem Haus enthoben, alles unter sich schrumpfen gesehen hat und in den Himmel aufgeht, kehrt so schnell nicht dahin zurück, wo er herkommt.» In jenem Jahr sind von 42 Raumschiffentführungen 1%, im nächsten 4% (56), im übernächsten 0.5% (52) zur Erde zurückgekehrt, meistens in einem Zustand, der die Betreffenden nicht ohne weiteres in die Regeln und Gesetzmässigkeiten der früheren Gesellschaftsordnungen eingliedern liess.
3. Das Umcodieren der Beziehung wird in der Folge einen immer grösseren Raum in Planung und Psychologie derer einnehmen, die zurückgeblieben sind. «Das Geheule ist kaum auszuhalten, meine Frau schaudert beim blossen Zuhören, und es sind schon zwei Monate und mehr», «jeden Morgen steht er auf und mäht den Rasen, früher als die Tiere aufwachen. Wenn die Sonne aufgeht, lässt er den Rasenmäher stehen, tritt ihn mit dem linken Fuss, dass er verstummt, wischt sich mit dem Ärmel seines Shirts von rechts nach links die Stirn und atmet zwischen vier und fünf Mal ein und aus, bevor er ins Haus geht und mit der Aktentasche heraustretend zur Arbeit fährt». Der Verlassene richtet sich nach dem Verlust aus, nicht indem er ihn verarbeitet, wie das die Psychoanalyse des vorigen Jahrhunderts verlangt hätte, auch nicht, indem er ihn verdrängt, ihn ignoriert oder über ihn hinwegkommt, sondern indem er sich den Verlust durch eine ökonomische, die bisherige Sichtbarmachung übertreffende Reglementierung abbezahlt. Die Zeichenhaftigkeit seines letzten und abschliessenden Auftritts musste also sowohl jener ihrer früheren Liebschaft, als auch dem Kosmischen und dem Zustand der Entführten Rechnung tragen, indem er eine Botschaft formulierte und sie dem ausgewählten Publikum zusandte: «Als ich ihn gefunden habe, war er von einem Streifen Blut umkränzt… aus dem ersten Stock gesprungen …, ich sah nur seinen Rücken und die Arme, die, wie eine Ziffernuhr, Fünf vor Zwölf zeigen mussten, wenn man von oben heruntersah.»


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Arno Schmidt

In alln Ecken & Winkln rucklt’s und verschtrömt’s 1 dumpffen Gruch : grosse Schpuren hint=erlassen aufm Weg durch die Höfe —. / Da bleibt sie steen, ganz Torso=Apollos, und lauscht den Fögln (ich hätts nicht schöner gekonnt), als sie, ein allerdinx ärgerlicher Umschtand, ein Butterbrot kaute & zer=malmte (ein Mäh=drescher in der Nähe erb=lasste vor Neid : ich hätts auch nicht wilder gekonnt). «Sag EtssDu, iss das nich ein Kranich ? — Oder was isses…» / «N Kran=nich», mutmasste ich im Bruschtton der Überzeugunk, fink wie eine Fleddamaus die Sinjale mit meijn Ohren ap. «Aber das Gegenteil auch nich… — — .» ( & süss-verwirrt : «Wasenn Gegenteil?» // «Na, Kran kanns auch haben.

      …mussDich sogar in 8 nehmen.» (Der Mondbewohner sah fest & streng in mein Gesicht // Hat wohl zu lang keins gesehen, dachte ich. Oder zu selten keines (das soll es ja auch geben, dachte ich und würgte, während ich den Kopff einer Dorftante aus dem Gesichte (so vollumfänglich 18. Jahrhundertbegriff, wie man es aushält : aus dem bedrängten Sichtfeld all=so) schob == (Platz gibt es eben auch nicht viel, iss ja auch kleiner’r Mond, sagt man).).) «Die Dame müsstens mer lassn», : Näselnd & mit Griff nach der Anja, die sich 1nfach nicht wehrt / Profokatzion an mich ( «Lass du mick ma stehl´n von wem ich will» : ebn nicht 2.s Geschlecht, ganz ´s Selbst, das die Frau neuerdinx ist.) Schon weg isse, kaum fahrn mir die Augn nach obm, & still über=All — — Nichts Niemand Nirgends Nie !


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Der Satz (LI)

Sobald man von unsern Augen und Fernröhren nicht das Unmögliche verlangt, so wird das, was mir diese geleistet haben, wenn es der Verstand bearbeitet, immer soviel Ausbeute liefern, dass auch der Unbilligste kaum mehr erwarten könnte.

Franz von Paula Gruithuisen, Entdeckung vieler deutlicher Spuren der Mondbewohner, besonders eines collossalen Kunstgebäudes derselben.

Anmerkung:

Fernröhre der grössten Art, die eine Summe von 5.000 bis 20.000 Gulden kosten, konnte ich nicht anwenden. Unter meinen drei Frauenhöfer’schen Fernröhren von 18, von 30 und von 60 Zoll hat das grösste vier Pariser-Zoll Oeffnungen. Grössere Instrumente brauchen viele Mühe, oder kostbare Gebäude, um sie schnell aufzustellen und verlangen äusserst gute (reine, ruhige) Luft, um damit gut zu sehen. Und so habe ich durch grossen Fleiss und treffliche Sehorgane schon mit dem 30zolligen Tubus ganz unverhoffte Dinge am Himmel gesehen.

The Moon Metal (Ein-Satz-Review)

The Moon MetalThe Moon Metal by Garrett P. Serviss
My rating: 3 of 5 stars

Ein-Satz-Review

Inflation durch Inflation und diese wieder durch Inflation bekämpfen — eine abgefahrene Idee und, man möchte glauben, eine amerikanische Strategie, aber der Mond hat dann auch noch seine Hand im Spiel, um das wertvolle Element Artemisium zu produzieren: Ein kurzer Roman über geldgierige Bösewichte (die Hauptfiguren), die gegen geldgierige Bösewichte (der Gegenspieler, der Science Magician) vorgehen, der mindestens so sinnlos wie spannend komponiert ist.

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Die Zukunft des Mars (Ein-Satz-Review)

Die Zukunft des MarsDie Zukunft des Mars by Georg Klein
My rating: 4 of 5 stars

Ein-Satz-Review

Auf den ersten Blick ist diese Geschichte — quasireligiös im Erklärungsmangel und sprachlich in sperrigem Ton gezimmert — ein Rückfall zu einer Primitivität der postapokalyptischen Erzählung, die das Wilde, zu dem sich die vormalig russische Kolonie und heute völlig verwahrloste Marsbevölkerung hingezogen fühlt, naiv zelebriert, und es fällt erst im Laufe der Lektüre das Zeitgemässe und Versponnene daran auf, das in der Überspitzung der Kommunikation zu finden ist: Lange nach dem Zusammenbruch des Internets auf der Erde ist der Versuch einer Aufrechterhaltung von Ferngesprächen mit dem Don-Phon ebenso schwierig wie die Sprachvielfalt, die in dieser Post-Globalisierung aufkommt, dennoch ist dieses ‚kommunikative Nicht-Handeln‘ durchbrochen vom Dialogischen Terrorismus und von Bruderbanden, die durch das ganze Buch als genealogische Anker verstreut sind und einen religiösen Anspruch vorzubringen scheinen („Dialogische Brüder“ der Terroristen; verblüffend ähnliche Zwillinge der beiden Opa Sprithoffer; Zwillinge auf dem Mars, die nur für einander verständliches Brabbeln von sich geben; sowie die politischen „Brüder“: Der weisse Khan, Der Alte Ogo und Don Dorokin), und es zeigt sich ein Zukunftsentwurf, in dem der Kommunikationsteilnehmer in der Kommunikation völlig aufgegangen und überflüssig geworden ist — wie Freund Mockmock, der aus dem Innern des Mars hervorbrechende Lebensspender, der ein Kollektiv von einzelnen kleinen Kugeln mit Beinchen ist, vaporisiert die Menschheit in ihrem Verschwistern in einem grossen, überindividuellen, erlöserbildartigen, leblosen Ganzen.

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Der Satz (L)

Sie zertrat unbewusst, ihre eigene Schpur; mit dem eigenen Fuss, man kann das natürlich machen.

Arno Schmidt, KAFF oder Mare Crisium.