Cedric Weidmann

  • Spielabend

    Wir sassen im Kreis, die Lampe hing bedrohlich über uns und schwankte hin und wieder. Meine Mitspieler waren absolut ruhig. Irgendwo von draussen konnte man Autos die Hinterstrasse entlangfahren hören. Ansonsten sagte niemand etwas. Es knisterte ab und zu, weil einer meiner Mitspieler, dem ein Clowngesicht aufgemalt und eine rote Nase aufgesetzt war, in die…

    Read more →

  • Tabak steuern

    Ich hatte sie auf einer regionalen Sportveranstaltung kennengelernt. Sie stand da an der Zielgeraden eines beschaulichen Triathlons, hatte braune Haare und rauchte eine schmerzhaft aus der Menge hervorstechende magische Zigarette. Die Magie daran liess sich insofern ohne Probleme ausmachen, als dass sie auf eine ganz eigene und bewundernswerte Art leuchtete. Die Zigarette kulminierte nämlich exakt…

    Read more →

  • Berufswunsch

    Grausamerweise hatte Hermann oft das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Dann klingelte das Telefon. „Herr Hermann?“ „Ja.“ „Sie sind mir immer schon sympathisch gewesen.“ Herr Hermann kriegte relativ schnell eine Gänsehaut und da ein solcher Anruf, vor allem aus der Quelle des Unbekannten, höchst beunruhigend war, spürte er, wie sich die Haare an seinen Armen…

    Read more →

  • Unverständliche Sätze flimmerten über den Bildschirm, den er schon zu lange kannte, um ihn für eine technische Entwicklung zu halten. Sein Computer hatte mittlerweile in jahrelanger beruflicher und privater Abstumpfung den Stellenwert und die technische Besonderheit einer Tür erlangt. Man konnte sie öffnen, man konnte sie schliessen, sie verdeckte Sicht, trennte Raum und liess sich…

    Read more →

  • Hungersnot

    Ich kannte mal einen gar nicht dummen Esel namens Vielleicht. Er war alt, als ich ihn kennenlernte, und er schien schon immer alt gewesen zu sein. Nach einigen Minuten der Beobachtung konnte man sogar sagen, dass er weise war oder gewissermassen über Lebenserfahrung verfügte. Er war belesen und galt in vielen Kreisen als sehr intellektuell.…

    Read more →

  • Verschwinden

    Meine Gabel war mir schon wieder aus der Hand gerutscht und in einem Anflug von Schrecken wusste ich für einige Sekunden nicht, was ich damit machen sollte. Nachdem ich mich gefasst hatte, raffte ich mich auf und bog Zeigefinger und Daumen, um das Besteck wieder aufzupicken. Es ruhte kalt in meinen Handflächen. Langsam stiess ich…

    Read more →