Gute Stimmung

von Cedric Weidmann

Selten steigt sie wie ein Heliumballon.
Oft hüpft sie kurz, stolpert, holpert und schluckt auf, wenn einen Acker der Unsicherheit das Gespräch überquert. Es erheitern sich die Gesichter, der Witz beginnt zu entflammen, ein Lächeln überspannt die Münder, die Augenbrauen schieben sich nach oben und die Stimmen werden hell. Sie fängt sich selten wieder auf in ihrem Lauf und der Schluckauf ist in der Regel eine Unordnung, die man duldet und nicht ersehnt: Immer am Grat der Verlegenheit prescht die Hochstimmung vorbei und jeder bangt und klammert sich an das Lächeln, hoffend, dass man sich nicht wegdreht und gleich darauf denkt, es sei unangenehm gewesen. Wenn sie hinfällt, ärgert sich der Wegdrehende: wie der mir ins Gesicht, wie ich erst ihm ins Gesicht gegrinst habe, wie der seine Zustimmung versüsst, sein Witzchen draufgepudert, mir den Abschied vollkommen überschmunzelt hat und wie ich darauf eingescherzt bin, mit vollem Humor draufgerasselt und mit der Handbewegung die ulkige Mimik übertroffen habe, völlig übertrieben, völlig bedeppert, völlig peinlich. Und man denkt grummelnd, den Kopf zwischen den Schultern vergrabend in unbarmherziger Scham: es war so schnell und so schlimm, nur hoffentlich hat es niemand gesehen, das flackernde Feuer der Stimmung.