Die Mücke

von Cedric Weidmann

So eine Mücke ist ja eigentlich ganz dumm. Ihr Gehirn ist kleiner fast nicht mehr denkbar. Ihr Verstand, der muss ja verschwindend gering sein. Aber das sagt man jetzt so ohne weiteres Nachdenken, dass das »verschwindend gering« sei. Wieso »verschwindend gering« und nicht etwa »verschwindend viel«? Als wäre Geringes näher bei Nichts als Vieles, dabei ist der Unterschied zwischen gar keinem Gehirn und einem kleinen Gehirn doch viel grösser als zwischen einem kleinen und einem grossen Gehirn.
Aber irgendetwas bringt die Mücke dazu vor meinem Auge zu schwirren, sich hin- und herzutreiben, auf mein Ohr zu sitzen, über meinen Nasenrücken zu krabbeln: Es wäre genug, wenn sie wüsste, dass ich mit meinem Auge sehen könnte und es deshalb tut. Aber sie scheint auch zu wissen, welche Geräusche, welche Berührungen, an welchen Orten ich Stiche am meisten hasse. So eine Mücke ist ja eigentlich völlig dumm, aber irgendwie, auf ihre Weise, auch ganz klug. Wenigstens irgendwie. Daran hat wohl nur eine verschwindend geringe Anzahl an Menschen gedacht.