Letzter Atemzug

von Cedric Weidmann

Sein Brustkorb hob sich. Die Rippen stiessen aus dem abgemagerten Körper hervor und die papierene Haut spannte sich über dem Zwerchfell. Daneben zitterte es vom schwachen Herzschlag. Die Rippen warfen tiefe Schatten, die sich beim Anheben langsam auskeilten. Dann atmete er keifend aus und die Schatten schrumpften. Der Brustkorb senkte sich. Er atmete aus, er atmete ein. Der Brustkorb schwoll wieder an und die Rippen hoben sich bis zu einem gewissen Punkt und für einen Moment schien er tot, dann senkte er sich wieder hinab. Unten verharrte er bedrohlich für zwei Sekunden, bevor erste Bewegung ihn wieder wachsen liess. Der Brustkorb hob sich und hob sich. Er hob sich noch. Unaufhaltsam dehnte er sich aus. Bis er den Punkt überschritt. Doch er hob sich noch weiter, er schwoll weiter an, wie etwas, das wuchs. Er hob sich noch ein wenig, bis die Bewegung endgültig versickerte und die Rippen Abendschatten warfen und der geschwellte Brustkorb still stand. Dann, ganz sanft, dass man es fast nicht bemerken konnte, stieg der Sterbende in die Lüfte.