Cedric Weidmann
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Der Mann stapfte durch den Schnee. Selten sah er über die Schultern zurück, kniff im gleichmässigen Glimmen des Wintertages die Augen zusammen und prüfte, ob ihm der Bär noch folgte. Wenn er den Blick spürte, versenkte der Bär seine Schnauze im Schnee, als schämte er sich ein wenig. Ein Busch, von dem sich der Mann…
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Unter der Maske trägt er eine zweite Maske. Er hat längst vergessen, wie die untere aussieht, an die obere hat er sich, wie ein Schaumstoffkissen an ein Geschwür, gewöhnt. Das Kissen besteht aus Memoryschaum, er hat es in der Ikea gekauft, weil es ihm unangenehm war, das billigste zu nehmen. Es erinnert sich an den…
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Solche Gedanken sind wie die Untiefen eines Meeresbodens, aus ungeheuerer Tiefe emporgestiegen und seicht. … Robert Musil, Nachlass zu Lebzeiten.
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Erst jetzt, als er mit einem ärgerlichen Schnauben auf die alte Bank gesunken ist, spürt Peter in seiner linken, seit langem dem gerade nicht Verstaubarem anheimgegebenen Hosentasche das Pieksen. Unmöglich, so weiss ich jetzt, und das bräuchte mein säuselnder Spitzmund keinem sagen, der sich bereits auf die eine oder andere Weise mit stechenden Hosentaschen abzuquälen…
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Ich erinnere mich einer Prüfung im Sommer, als ich dreizehn, fünfzehn war. Es war in Chemie und unser Chemielehrer war ein begnadeter und weitherum bekannter Heissluftballonfahrer. Jedes Mädchen in unserer Klasse war in ihn verliebt, und er lachte mit einem Grunzen. Meine Eltern waren in diesem Sommer dabei, ihren Hühnerstall auszubauen, sie glaubten nicht, dass…
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Schon wieder. Schon wieder auf der Strasse, schon wieder dunkel. Aber etwas muss immer von A nach B, sagt mein Chef. Er hat diese gleitende Powerpointpräsentation, wenn er bei Firmen vorspricht. Sie gleitet erst langsam, nimmt Tempo auf und vollzieht dann seltsame Wirbel auf dem Sternenhintergrund, so dass der Zuschauer glaubt, durchs All zu schweben.…