Wrag!

Cédric Weidmann, 28, schreibt.

Kategorie: An- und Verkündigungen

Poetry Slam vom All 2013

Wir von Jung im All organisieren wieder einen Poetry Slam! 8 profilierte Slammer und vielversprechende Newcomer werden auftreten und im Cup-System um den Sieg kämpfen (nein, ich organisiere nur). Die Veranstaltung zieht die ganz grossen Namen in die geographische Peripherie und schafft damit ein neues Zentrum junger Slampoeten in Lenzburg. Bereits zum sechsten Mal führt dabei der renommierte Simon Chen durch den Abend, wer den umstrittenen Sieger-Whiskey nach Hause bringen darf, entscheidet wie immer das Publikum.

Als Gruppe, die innerhalb des „Aargauer Literaturhauses Lenzburg“  für die Vermittlung von junger Literatur und von Literatur an junge Menschen eintritt, möchten wir mit unseren Veranstaltungen möglichst viele Menschen ansprechen. Es wäre daher schön, bekannte und unbekannte Gesichter in Lenzburg zu treffen: Der Poetry Slam vom All ist erstrangig besetzt und wird mit Bar und Musik unterstützt. Er findet am Freitag, 8. November, 20:00 Uhr im Tommasini, Lenzburg statt.

3. Platz im Buchjournal-Wettbewerb

Mit „Eine neue Stadt“ habe ich im Buchjournal-Wettbewerb den dritten Platz erreicht (und einen Büchergutschein im Wert von 150 €). Es ist schön zu hören, dass man auch über die Landesgrenzen hinaus gelesen und geachtet wird!

In qualitativer Hinsicht gibts da jedoch nicht gerade Berauschendes (auch da ich selbst einen neuen Stil versuchte – der Spass macht, mit dem ich aber keine engere Freundschaft eingehen will). Wers trotz Vorwarnung lesen will, klickt hier.

Neues: Kurzgeschichte in „Zeitnah“ und Text im Literaturautomat Basel

Das Online-Kulturmagazin Zeitnah hat meinen Text „Die Firma“ veröffentlicht (der leider zweimal leicht stottert, aber eine Mischung aus Kafka und Kapitalismus versucht, sozusagen Kafkapitalismus).
Ausserdem erscheint ab dem 31. August ein kleines Päckchen von Texten im Literaturautomaten und beruhigt oder erschüttert die verärgerten Raucher, die sich statt Zigaretten versehentlich den Text „Y=I+C(Y-T)+G+X-IM“ ziehen.

Die Lesung dazu findet im Rahmen des Jugendkulturfestivals im Literaturhaus Basel und zwar am Freitag, 30. August 2013, 18:00 Uhr statt. Ich freue mich wie immer über bekannte und unbekannte Gesichter.

Geburtstage, wie etwa der 22te

Mein Geburtstag ist auch schon wieder zwei Wochen her, die 22 verschandelt jetzt den Header meines Blogs — dafür ist heute H. G. Wells Todestag! — Was es aber zu derlei Momenten zu sagen gibt, die man Geburtstage nennt, hat doch Rilke auf eine bitterböse Art beschrieben, die ich mir bei der Lektüre des „Malte Laurids Brigge“ notieren musste:

Am reichsten an beinah unfaßbaren Erfahrungen waren aber doch die Geburtstage. Man wußte ja schon, daß das Leben sich darin gefiel, keine Unterschiede zu machen; aber zu diesem Tage stand man mit einem Recht auf Freude auf, an dem nicht zu zweifeln war. Wahrscheinlich war das Gefühl dieses Rechts ganz früh in einem ausgebildet worden, zu der Zeit, da man nach allem greift und rein alles bekommt und da man die Dinge, die man gerade festhält, mit unbeirrbarer Einbildungskraft zu der grundfarbigen Intensität des gerade herrschenden Verlangens steigert.

Dann aber kommen auf einmal jene merkwürdigen Geburtstage, da man, im Bewußtsein dieses Rechtes völlig befestigt, die anderen unsicher werden sieht. Man möchte wohl noch wie früher angekleidet werden und dann alles Weitere entgegennehmen. Aber kaum ist man wach, so ruft jemand draußen, die Torte sei noch nicht da; oder man hört, daß etwas zerbricht, während nebenan der Geschenktisch geordnet wird; oder es kommt jemand herein und läßt die Türe offen, und man sieht alles, ehe man es hätte sehen dürfen. Das ist der Augenblick, wo etwas wie eine Operation an einem geschieht. Ein kurzer, wahnsinnig schmerzhafter Eingriff. Aber die Hand, die ihn tut, ist geübt und fest. Es ist gleich vorbei. Und kaum ist es überstanden, so denkt man nicht mehr an sich; es gilt, den Geburtstag zu retten, die anderen zu beobachten, ihren Fehlern zuvorzukommen, sie in ihrer Einbildung zu bestärken, daß sie alles trefflich bewältigen. Sie machen es einem nicht leicht. Es erweist sich, daß sie von einer beispiellosen Ungeschicklichkeit sind, beinahe stupide. Sie bringen es zuwege, mit irgendwelchen Paketen hereinzukommen, die für andere Leute bestimmt sind; man läuft ihnen entgegen und muß hernach tun, als liefe man überhaupt in der Stube herum, um sich Bewegung zu schaffen, auf nichts Bestimmtes zu. Sie wollen einen überraschen und heben mit oberflächlich nachgeahmter Erwartung die unterste Lage in den Spielzeugschachteln auf, wo weiter nichts ist als Holzwolle; da muß man ihnen ihre Verlegenheit erleichtern. Oder wenn es etwas Mechanisches war, so überdrehen sie das, was sie einem geschenkt haben, beim ersten Aufziehen. Es ist deshalb gut, wenn man sich beizeiten übt, eine überdrehte Maus oder dergleichen unauffällig mit dem Fuß weiterzustoßen: auf diese Weise kann man sie oft täuschen und ihnen über die Beschämung forthelfen.

Das alles leistete man schließlich, wie es verlangt wurde, auch ohne besondere Begabung. Talent war eigentlich nur nötig, wenn sich einer Mühe gegeben hatte, und brachte, wichtig und gutmütig, eine Freude, und man sah schon von weitem, daß es eine Freude für einen ganz anderen war, eine vollkommen fremde Freude; man wußte nicht einmal jemanden, dem sie gepaßt hätte: so fremd war sie.

Der schreibende Gorilla – ein Kurzkrimi.

Exklusiv für den Blog veröffentliche ich im Tagesrhythmus einen Kurzkrimi. Verteilt auf 9 kleine Kapitel wird die mysteriöse Geschichte, die einen schreibenden Affen, Nekrophilie und eine Plagiatsaffäre zum Inhalt haben, erzählt.

1. Teil
2. Teil
3. Teil
4. Teil
5. Teil
6. Teil
7. Teil
8. Teil
Letzter Teil

Text des Monats Mai im Literaturhauswettbewerb

Meine Geschichte »Eine Chance« wurde vom Zürcher Literaturhaus zum Siegertext gekürt. Die Aufgabe bestand darin, die Wörter: assistieren, quartär, anbaggern, unvermeidlich und kratzen, in einem Text zu verwenden. Viel Vergnügen!

Neue Seiten-Übersicht: Konvolute

Neu gibt es auf meinem Blog die Seite »Konvolute«, die sich im »Dossier« befindet. Was man dort anklicken kann, sind nicht meine eigentlichen Geschichten, dafür Langzeit-Projekte und ein Schnellzugriff auf einen Zufälligen Artikel aus meinem Archiv:

zufaelliger artikel logo

Die 5 wichtigsten Webseiten für Autoren

Das Internet hat vieles leichter gemacht.

So, jetzt ist es raus. Unter uns, die wir Blogs lesen oder schreiben, hat man das doch einmal ungestraft behaupten dürfen. Unter anderem auch: Schreiben. Ich habe, seit ich schreibe, fast immer mit dem PC gearbeitet und nach Hilfen, Tipps oder Kritikern gesucht — und nicht selten gefunden!

Rezepte, die dabei das Schreiben erleichtern, gibt es zu Hauf. Doch welche bringens? Natürlich, es kommt drauf an. Es wird Zeit, zu sagen, auf welche es für mich ankommt. Diese fünf kleinen Hilfen erleichtern mir das Schreiben enorm — und reichen für den Aufbau eines zielgerichteten Lebens eigentlich völlig. (Es fehlt nur noch das Textverarbeitungsprogramm, worüber sich die Schreiber gerne in die Haare geraten. Und die Rechercheseiten. Auf dieses Minenfeld will ich mich ein anderes Mal wagen.)

1) Für die Ziele: Literaturport.de

Viele Schreiben aus purem Spass, andere brauchen einen Antrieb. Meister und Margarita war eine Sache der Ehre (nie publiziert), das umwerfende Leonce und Lena aber nur der Beitrag für einen Drama-Wettbewerb. Jeder fliegt eben seinen eigenen Zeppelin.

Literaturport.de listet die gesamten Wettbewerbe, Stipendien und Werkbeiträge auf, die gerade ausgeschrieben sind. In Deutschland, der Schweiz und Österreich! Zum Beispiel in der Reihenfolge der Abgabetermine. Und das Tollste daran: Man kann alle Ausschreibungen rausfiltern, die bereits Publikationen erfordern oder von Verlagen eingereicht werden müssen – und findet gleich, was man braucht.

Natürlich ist auch der Newsletter von Uschtrin unverzichtbar.

2) Für die Inspiration: Goodreads

Writers read. Writers read a lot. Writers read all the time.

Steht irgendwo so auf einer Anleitung fürs bessere Schreiben. Und es ist bestimmt wahr.

Goodreads ist für jemanden wie mich eigentlich kein soziales Netzwerk. Sondern eine Möglichkeit, den Überblick zu behalten, mein Schreibjournal zu vollenden und am Lesen zu bleiben. Davon abgesehen, trifft man hier auf echte Leser. Nicht Germanistikstudenten, nicht uninteressierte Kaum-Leser, sondern Menschen mit grossem Flair für Bücher. Und von denen kann man einiges Lernen. Zum Beispiel in ihren vernichtenden oder lobenden Reviews. Meine Ein-Satz-Reviews sind übrigens alle dort zu finden.

Und in meiner „Reading-Challenge“ (40 Bücher im 2013) bin ich mit 9 Büchern bereits 4 Bücher „ahead of schedule“. (Mit der Goodreads-App scannt man übrigens einfach mit der Handy-Kamera die neu gekauften Bücher und hat sie im Goodreads-Regal, ganz hübsch).

3) Fürs Ideen-Sammeln: Evernote

Für manche vielleicht kein Geheimtipp mehr. Die Sache wird aber erst dann witzig, wenn man ein Smartphone hat. Denn die besten Ideen kommen einem nie am PC, sondern auf dem Klo, in der Warteschlange, im Zug. Schnell das Smartphone gezückt, die paar Stichworte ins Smartphone gehämmert und zuhause abrufen. Natürlich brauche ich immer noch einen analogen Notizblock, weil sich dort besser Notizen machen lässt und die Gestaltungsmöglichkeiten grösser sind. Aber manchmal hat die Idee keine Zeit, ein Notizbuch zu öffnen, den Stift hervorzukramen und loszuschreiben: Dann Evernote.

4) Fürs Training: Write Or Die

Write Or Die gehört zu den Dingen, die meistens völlig überflüssig sind, aber für einige Wochen des Jahres plötzlich unverzichtbar werden. Wenn ich, wie in diesen Wochen, verbarrikadiert bin, und mir das Schreiben nur zwischen den Fingern hervorbröselt, dann gerate ich schnell aus der Übung. Die Lösung? Dauert nur 10 Minuten am Tag! In 10 Minuten 500 Wörter. Im Kamikaze-Modus. Unmöglich? Nein, schweisstreibend, aber möglich! Und mit ein bisschen Übung kommt dabei auch mehr als Müll heraus (auch wenn das gar nicht schlimm wäre, denn der Sinn der Sache ist nicht, einen Text zu haben, sondern besser zu werden). Write Or Die sorgt dafür, dass du am Schreiben bleibst, denn solltest du anhalten, wird es dir in jeder Sekunde das letzte Wort löschen, das du geschrieben hast. – Ansporn genug?

5) Fürs Handwerk: Duden.de

Ja, ich weiss. Es klingt richtig staubtrocken. Prüde, ausgedörrt, konservativ gar. Aber duden.de ist für mich zum wichtigste Mittel avanciert, das man sich vorstellen kann. Rechtschreibung ist dabei nur der Bonus: Mit einem Überblick über Synonyme, Verwendungsmöglichkeiten, Häufigkeit (!) und Ethymologie wird man nicht nur bei jeder Suche schlauer, sondern weiss auch, wie das Wort richtig anzuwenden ist. Beim Schreiben kann es den entscheidenden Hinweis sein, eine Passage ganz anders anzugehen.

Ohne das hätte ich nie erfahren, dass „Behang“ auch Hundeohren bezeichnet und das Wort „Anfechtung“ eine Verführung. Auch Stöbern erweitert den Wortschatz! Ich habe auch einmal gelesen, dass Scrabble-Meister vor dem Zu-Bett-Gehen ein bisschen im Duden lesen. Diese paar Minuten sollte sich auch ein Autor nehmen.