Kleines Frühlingsupdate

von Cedric Weidmann

1. Denkbilder, das Germanistik-Magazin der Uni Zürich, veröffentlichte letzten Donnerstag einen Text von mir. Gewissenhaften Blog-Lesern dürfte „Ein Irrer im Dunkeln“ bekannt vorkommen. In ihm war der „Zwang“ (so das Thema des Hefts) schon immer angelegt. Manche kluge Geschmäcker mögen diesen besser als den Delirium-Text. Mir geht es nicht so. Aber ich habe in vielen Geschmacksangelegenheiten — und ich bin einer der Wenigen, die das ernst meinen — auch wirklich keine Ahnung.

2. Ich freue mich, dass ich mit der Kurzgeschichte „Widerstand“ in die Endauswahl (die ersten 10) des Literaturpreises Prenzlauer Berg gewählt wurde. Nun gibt es eine Kampflesung am 18. Mai, von der ich mir noch nicht sicher bin, ob ich sie in Berlin abhalten kann. Nur die ersten Drei gewinnen (500€, 250€, 250€) und es ist eine kostspielige Angelegenheit. (Falls jemand so verrückt wäre, mich finanziell unterstützen zu wollen, darf er oder sie mich gerne kontaktieren). Es freut mich aber, bereits so weit in diesem renommierten Wettbewerb gekommen zu sein.

3. Nun wird auch noch das Lasso-Magazin einen, den Blog-Lesern ebenfalls flüchtig bekannten, aber stark überarbeiteten Text abdrucken: „Eine effiziente Stadt“. Nettes Heft-Thema: „Schöne, neue Welt“. (Von einer Kurzgeschichte im nächsten NaRr habe ich ja kürzlich schon berichtet.)

4. Zwei Texte von mir sind im aktuellen Delirium N°2 vor wenigen Tagen erschienen. Es handelt sich um eine Kurzgeschichte und einen Essay. Die Ausrichtung von Delirium verdient besondere Aufmerksamkeit. Im Gegensatz zu anderen Literaturzeitschriften möchte es eine Plattform schaffen, in der Literatur verhandelt wird. Das heisst: Hier wird nicht für sich geschrieben oder für den erhofften Erfolg in der Sphäre gestandener Schriftsteller, sondern die Texte beziehen sich aufeinander, spielen mit sich, erschaffen ein Forum. Deshalb wird jede Kurzgeschichte von einer Kritik begleitet. Meine Kurzgeschichte „Drei Geometrieaufgaben“ entzündet sich an einem Text der ersten Ausgabe, steht aber durchaus für sich allein: In drei formal unterschiedlichen, inhaltlich aber überschneidenden Teilen geht es um die Themen „Helix“, „Tesserakt“ und „Symmetrie“. Der Kritiktext lässt mich erglühen vor Stolz: „Verkorkst“ sei meine Geschichte, ein „surreales Labyrinth“, „spielerisch“, eine „Übersetzung“ und ihr Hauptmotiv sei — es hat mich selbst überrascht, aber sofort überzeugt — das „Mittagessen“.
Ausserdem gibt es den Essay zum Thema „Literatur: Ausdruck oder Programm?“ im zweiten Heftteil, wo theoretische Themen diskutiert werden. In „Verbuggte Literatur“ erkläre ich, dass der Ausdruck nicht aus dem Inneren des Autors kommt, „sondern aus der Systemlogik eines Programms, dessen Tiefenstruktur bis zur Unerreichbarkeit vergraben ist.“ Ausdruck ohne jemanden, der sich ausdrückt? Wer wirklich wissen will, wie ich über Literatur denke, sollte sich diesen kurzen Essay anschauen.

Link.

5. Ich bin in der Endauswahl (die ersten 8) des entwürfe-Literaturwettbewerbs, im Rahmen dessen der Text „Das Shoppingcenter“ auch Eingang in die Mai-Ausgabe von entwürfe findet. Dieser Text ist über Monate hinweg entstanden und ist für mich noch wichtiger als „Drei Geometrieaufgaben“. Ich habe lange gerungen, bis ich zufrieden war, also verdient er meine wärmste Empfehlung.

6. Die Webseite von Georg Klein — ziemlich berühmter, vor allem aber unglaublich sprachbegabter Schriftsteller — hat mein Ein-Satz-Review zu „Die Zukunft des Mars“, seinem neuen Roman, publiziert. Der Untertitel übersetzt rührend: „Cédric Weidmann, Rezension in einem Satz“. (Herzlich Dank an Dunja für den Hinweis.)

7. Die Webseite des Rotpunktverlags hat in einer Stellungnahme zum Saladin-Buch meine Rezension verlinkt. Die Affäre hat sich durch den fast zeitgleich mit meiner Empfehlung erschienenen Blick-Artikel zugespitzt. Eine wachsende Liste von Unterstützenden mit Lehrern, Schülern, namhaften Professoren, Schriftstellern und allen möglichen anderen Berufen (alles und in geraumer Zahl auch in weiblich!) formiert sich als Widerstand gegen die Zensur und den tendenziösen Diskurs der Medien. Ich stehe mit Überzeugung auf dieser Liste. Für alle, die etwas Gutes tun oder sich gegen diese Formen der Unterdrückung wehren wollen: Schreibt einen Kommentar unter diesen Post und ich werde euch einen Platz auf der Unterstützerliste vermitteln.