Wrag!

Cédric Weidmann, 27, schreibt.

Kategorie: Kleine Schule des Stils

Ernst Jünger

Am 20. Juli rückten wir in Stellung. Am 28. verabredete ich mich mit einem Fähnrich aus dem dritten Bataillon zu einer Patrouille. Wir hatten kein grösseres Ziel als den Abschnitt zwischen dem Römergraben bis zum sogenannten Artilleriegraben abzusichern. Etwa nach 200 Meter kamen wir unter Beschuss. Es erklang das Patschen von Stiefeln aus dem verschlammten Graben hinter dem Hügelkamm, der den Römergraben schützte. Der Engländer hatte uns zu einer empfindlichen Zeit ertappt. Schrapnells, die dicht über den Boden geschossen kamen, jagten den Dreck als bräunlichen Staub über unsere dampfenden Wangen. Mein Fähnrich und viele andere wurden verwundet. Auch Anja, ein Mädchen aus Fresnoy, das mich bis zu diesem Zeitpunkt begleitet hatte und in das ich unsterblich verliebt war, wurde an der Stirn verwundet. Das Blut spritzte unter ihren Haaren hervor, die wie in Bewegung schienen. Ich liess sie von einigen meiner Männer, die aus dem Graben zu Hilfe kamen, auf eine Bahre binden und peitschte diese unter unnachgiebigem Fluchen zum Lazarett. Sie hielt meine Hand und küsste sie, doch sie verlor das Bewusstsein als wir das Lazarett erreichten. Der Beschuss wurde noch zu einem regelrechten Trommelfeuer, bis er nach zwei Stunden fast zum Regen wurde, und gegen vier Uhr morgens abrupt verstummte. Ich versteckte mich mit den Teilen meiner Mannschaft, die ich finden konnte, in einem Verhau unter einem Weinkeller. Anja hatte überlebt, aber die Haut an Händen und Beinen und ihr Gesicht konnte ich nicht sein, weil es ganz in blutigen Verband gehüllt war. Sie fantasierte, sie hätte grüne Menschen gesehen. Der Franzose hat manchmal Tarnkleider, aber sie war in ein Lager weit weg gebracht worden. Ich kehrte nach Fresnoy zurück. Am 6. August abend wurden unsere Unterstände in den Gärten durch ein Vierundzwanzig-Zentimeter-Schiffsgeschütz beschossen, dessen gewaltige Granaten in scharfer Flachbahn herangurgelten. Wir verloren Hasselmann, und einen Hund, der uns aus einem Stall zugelaufen war und der uns die Zeit vertrieb. Als ich am 11. Anja besuchen wollte, erfuhr ich zu meinem Entsetzen, dass sie verschwunden war. Nachdem sie immer häufiger von den grünen Männern erzählt, soll sie mitten in der Nacht aufgestanden und weggelaufen sein. Sie wurde nicht wieder gefunden. Ich weinte viele Tage bittere Träne, die den einzigen Vorteil hatten, das Gas aus den Augen zu waschen. Es ist wahr, was man sagt, der Krieg ist wirklich kein Ort für Mädchen!

Am 13. August wurden wir abberufen, um in Monty in Stellung zu gehen. Wir hatten ruhigere Tage und tranken viel, dort schrieb ich meinem Bruder einen langen Brief und kurierte meine Verletzung am Bein.


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Georg Klein

Erst jetzt, als er mit einem ärgerlichen Schnauben auf die alte Bank gesunken ist, spürt Peter in seiner linken, seit langem dem gerade nicht Verstaubarem anheimgegebenen Hosentasche das Pieksen. Unmöglich, so weiss ich jetzt, und das bräuchte mein säuselnder Spitzmund keinem sagen, der sich bereits auf die eine oder andere Weise mit stechenden Hosentaschen abzuquälen hatte, unmöglich handelt es sich dabei um eine gewöhnliche Quittung oder das Knautschpapier eines Kaugummis. Peter lüpft den Schenkel einige Zentimeter. Es verschiebt sich im Textilinneren und entlastet die Druckstelle auf Kosten einer weit empfindlicheren. Endlich, zögerlich und schuldbewusst, als würde er einem anderen die Überraschung verderben können, langt er hinein und ich schiele ihm über die Schultern, bis mein Schnäuzchen seinen Hals kitzelt. Es muss diesmal besonders quälend sein, dass es ein Niedersinken abverlangt. Aber noch ist er nicht so weit! Das Hervorzubringende ruht zwischen den Fingerbeeren, sie ertasten ein Kantiges, Dünnes. Zweimal rutscht es ihm aus dem Griff und die Finger zappeln ohne Beute ans Tageslicht. Erst ein Hinaufschieben von der Aussenseite, ein Hochdrücken des Jeansstoffs und das schliessliche Herauszwicken mit Zeigefinger und Daumen bringen den Eindringling hervor. Eibein Stibift! In der ausgepolsterten Kindersprache ruft Anja, mit adlerscharfen Augen von weitem das zum Vorschein Kommende erkennend, den Sommer voll. Peter hält ihr den Kugelschreiber verwundert entgegen, das linke Lid gepresst, so dass aus ihrem Gesicht ein grosser Metallzahn zu wachsen scheint.
Ich lächle einfach mit. Ich lächle wie der Unbekannte über uns, der den Sommergeruch der Wiesen auf sich trägt. So kommt’s manchmal plötzlich. Der Kugelschreiber ist kein gewöhnlicher, denn er, wer sonst, hat das Raumschiff gerufen. Anjas Haare wehen, Peters Hand lässt den nach oben gerichteten Stift nicht los, als es brummt und tuckert über ihnen. Es ist ankündigungslos still geworden in der Landschaft, bis auf das Maschinendröhnen. Mein Schnäuzchen weht im Druck der Düsen, warum nicht, es ist ein starker Wind. So stark, dass ein Kastanienblatt schnell von einem dünnen Ast des Parks geweht, durch die Luft gewirbelt wird und an verschiedenen Orten landet. Es ist auch nicht das erste Mal, dass Peter Derartiges am eigenen Leibe erfahren muss, aber es ist das erste Mal, dass es ihn soviel kostet. Gerade bereit, seinen Fund wieder einzustecken, bevor ihn die Ablenkung von oben unachtsam werden lässt, steuert die Flugkurve des Blatts auf das rechte Auge zu. Aus heiterem Himmel!
Anja hat mit ihren dünnen Händen schon Flinkeres angestellt und verknäueltere Knoten gelöst, und doch ist beachtlich, wie behände sie dem Blindgewordenen seinen Fund aus den Fingern rupft und wie eiswürfelkalt sie dem Raumschiff den Rücken zugewandt hält, wie stolz sie noch ist, den Kugelschreiber ihrer Jugendtage wiederzufinden, selbst als dafür und für die Freude darüber nicht mehr viel Zeit ist. Die Tintenfarbe eines anderen hat ihr selbst für ein messerdünnes Krakeln nie ausgereicht und das Tagebuch lag seinen Rücken, bäuchlings an der Stelle, an der sie zuletzt mit dem bereits fast leergemelkten Stift noch einige Worte eingekerbt hatte, zehn Jahre oder mehr wund. Hier, als sie schon im Himmel davonzuckelte, lächelt sie. Sie triumphiert, mit dem Stift ausgestreckt und dem hochklappenden Rock. Das aufgebrachte Antlitz von Peter erhält nun eine sehr lange, kantigdünne, metallische Nase, die anschwillt wie gestossen. Winken kann sie noch genug, aber sie tut es nicht, sondern hebt die Hand mit ausgestreckter Handfläche zu einem alten, noch nicht verwundenem Gruss, der wie eine Schwanzsteuer die Richtung in den Platinbauch des Fluggeräts lenkt. Peters Hose, die traurig von seinen Hüften hängt, ist schon viel bequemer. Ich lächle einfach mit.


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Peter Weiss

Ich sah Peter auf dem Balkon, wie er sich mit der rechten grobgeäderten, schwieligen Hand, um nach unten zu schielen, indem er sich auf die Zehenspitzen stellte, die unter ihm körnig knackten, auf dem kalten Geländer aufstützte und mit dem anderen Arm, zum Ellbogen eingeklappt, der unter dem bis zum ersten Ausdehnen des Bizeps aufgerollten Hemdärmel faltig und knittrig hervorknisterte, einen Ort zum Aufstützen suchte, keinen Halt für den Knorpel fand. Er stellte die Beine etwas zurück und legte schliesslich den Oberarm statt des Ellbogens auf das Geländer, um seine rechte Wange in die Faust zu stemmen. Neben ihm stand Anja, die, die Hand auf seinem Rücken, sich links, indem sie die Achse der Schultern, während die Beine entgegenstrebend verankert sind, fast in den rechten Winkel zum Zimmer drehte, und dessen Inneres durch die geöffnete Tür betrachtete. Im sähmigen Schimmer des Abendlichts leuchteten ein Couchtisch, ein knisterndes Sofa, eine Leselampe, ein Wandschrank, ein staubiges Brettspiel und gebeiztes Parkett auf. Sie bewegte ihren Mund, und ihre Mundwinkel, die von Natur aus nach unten fallen möchten, wurden in den Worten, die sie schusterte, nach oben gezwungen und ich vermeinte durch die deutliche, aber stumme Lippenbewegungen ihr Gesagtes vernehmen zu können. Oben, selten gesehen, vielleicht eine Wolke, schnell mal, ich dir sagen, vielleicht was anderes, viel zu gross. Und Peters Maul, das, nach unten zur Strasse gewandt, sich verzog und nur wenig für mich Verständliches hervorbrachte; daran glaube ich nicht, auch Vögel, verspreche ich dir, die Baustelle.
Nachdem sich Anja mit ausgestreckten Armen gewehrt hatte, nachdem sie nach dem Geländer gegriffen hatte, nachdem sie nach oben gezogen worden, nachdem das Raumschiff über ihnen erschienen war, begann sie zu rufen, strampelte sie, schlug sie die Handgelenke gegen den Stahl, verschwand sie im Bauch des Schiffs. Peter schwenkte die Arme in der Luft, äusserte einen gellen Schrei und einen matten zweiten und klemmte den Schuh unter das Geländer, um nicht hinunterzufallen, während sein Blick unnachgiebig an den Hausmauern vorbei nach oben auf die Scharniere, Düsen, Kühlerrohre, vergilbten Fluglichter, auf die kleinen Lüftungsklappen unter stählernen Verriegelungen zielte.
Peter zog die Beine wieder nach vorne, reihte sie nebeneinander auf, schob die Hand in die rückwärtige Hosentasche, wühlte darin und zog ein Taschentuch hervor, entknitterte es, atmete unter Zuhilfename eines Fingers durch das linke, dann das rechte Nasenloch seinen Schleim aus, hob das Taschentuch ratlos, winkte dem UFO zum Abschied, machte einen Schritt zurück, drehte eine Runde auf dem Steinbalkon, senkte den Blick und sah zum Geländer, hinter dem dreissig Meter Absenkung, an dreissig Verösungen eines Metallrohrs entlang, nach unten zur Baustelle auf der Strasse führten. Und dann sah ich, wie sich sein Schatten aus den zackigen Schroffen der Balkonkanten löste und wie sich der Schatten von Peter mit den ausgestreckten Armen in den Schatten der gegenüberliegenden Häusermauer einkerbte, während die Schatten seiner Beine zuckend daraus hervorsprangen. Der Schatten wogte noch im Balanceversuch und wühlte sich in das Gitter der Balustrade und füllte seine Rechtecke mit dem wankenden Körper von Peter, während die Schatten der Beine in die Hocke gingen, den Körper zusammenklappten, ihn verkürzten, stauchten, übereinanderhievten und schliesslich in einen grossen dunklen Schatten eingehen liessen, der plötzlich wieder den ganzen, ausgestreckten, nun hinwegspringenden Körper gebar. Auch sah ich, wie sich dieser hervorspringende Schatten von den anderen Schatten löste und von ihnen davon stürzte, aus dem Gitter des Geländers sich befreiend, hastig am Metallrohr entlang, tiefer zur Baustelle hinab.


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Michel Foucault

Das Paar ist zunächst eines, das sich in die Ordnungen der Umwelt und ihrer gesellschaftlichen Verhältnisse fügt. Es setzt Zeichen: Herzen in Baumstämme; gemeinsame Lieder auf der Strasse; Fotografien; Zeichnungen; Bekundungen öffentlicher («<3», Facebook, Twitter), halböffentlicher und privater Art. Vom morgenlichen Verabschiedungskuss, der «quälsamer pünktlich ist, als selbst die Soldaten am frühen Nachmittag durch die Stadt marschieren», berichtet der Nachbar Thibault Chérome; «Panja» war ein gebräuchlicher Doppelname für die beiden. In dieser bis in die Zärtlichkeiten koordinierten und disziplinierten Glückseligkeit, die strukturell auf das sich verfestigende Bürgertum des späten 18. Jahrhundert zurückweist, befinden sich die beiden Geliebten. Es ist der Zustand einer idealisierten und zugleich effizient eingerichteten Turteltaubenhegemonie. Die Liebschaft des 21. Jahrhunderts tritt deutlich daraus hervor: die Frau ist nicht mehr nur Geliebte, Liebende, Lächelnde, sondern wird einer gesellschaftlichen Ökonomie wegen diesen Stellungen allmählich entrissen und von den vormaligen Positionen getrennt; der Mann, einst «der von jedem festen Glauben an die Zukunft ins Büro und der umso stärkeren Liebe nach Hause getriebene» Verlobte, wird zum Wrack, zum Schweigsamen, zum Tatlosen. Diese Wandlung vollzieht sich relativ plötzlich, aber wenig koordiniert. Es sind Ereignisse, die sich sowohl gegenseitig zu bedingen, als auch zu entstammen scheinen: Die Veränderung ist nicht linear, sondern ein Netz von sich gegenseitig verschiebenden biologischen, soziologischen, ökonomischen Ideen. In der Liebschaft des 21. Jahrhunderts lassen sich aus der Vielzahl ihrer oszillierenden Veränderungen einige der weitreichendsten Folgen herauslösen.
1. Die Liebschaft ist nun neben der öffentlichen, der halböffentlichen und der privaten Betrachtung auch dem Kosmischen ausgesetzt. Die bis ins späte 20. Jahrhundert hineinführende Vorstellung des eigenen Bereichs verengt sich noch, der gepflegte Vorgarten wird zum Landeplatz, das Dachfenster zum Guckloch, durch das ständige Überwachung möglich wird, die Fernsehantenne, früher ein Empfänger von harmlosen Nachrichten, wird auf einmal zu einem möglichen Sender, der selbst das Intimste dem aussetzt, was aus dem Himmel hinunterblickt. Die Liebschaft hat sich also in den Manövern und Disziplinen nicht mehr nur vor dem irdischen, sondern auch dem kosmischen Publikum zu inszenieren.
2. Die Frau, in territorialer und emotionaler Beziehung, wird zur Entführten. Trotz der Überwindung des veralteten Rollenbildes einer stets in Küche und Heim stehenden Gattin, dominierte doch bis weit über das Millenium hinaus die Idee, dass sie zumindest in gewisser Weise dem Haus angehörig sein und sich ohne Meldung nicht zu weit und lang davon entfernen sollte. «Ein Mensch, der, ersteinmal aus der Matte vor seinem Haus enthoben, alles unter sich schrumpfen gesehen hat und in den Himmel aufgeht, kehrt so schnell nicht dahin zurück, wo er herkommt.» In jenem Jahr sind von 42 Raumschiffentführungen 1%, im nächsten 4% (56), im übernächsten 0.5% (52) zur Erde zurückgekehrt, meistens in einem Zustand, der die Betreffenden nicht ohne weiteres in die Regeln und Gesetzmässigkeiten der früheren Gesellschaftsordnungen eingliedern liess.
3. Das Umcodieren der Beziehung wird in der Folge einen immer grösseren Raum in Planung und Psychologie derer einnehmen, die zurückgeblieben sind. «Das Geheule ist kaum auszuhalten, meine Frau schaudert beim blossen Zuhören, und es sind schon zwei Monate und mehr», «jeden Morgen steht er auf und mäht den Rasen, früher als die Tiere aufwachen. Wenn die Sonne aufgeht, lässt er den Rasenmäher stehen, tritt ihn mit dem linken Fuss, dass er verstummt, wischt sich mit dem Ärmel seines Shirts von rechts nach links die Stirn und atmet zwischen vier und fünf Mal ein und aus, bevor er ins Haus geht und mit der Aktentasche heraustretend zur Arbeit fährt». Der Verlassene richtet sich nach dem Verlust aus, nicht indem er ihn verarbeitet, wie das die Psychoanalyse des vorigen Jahrhunderts verlangt hätte, auch nicht, indem er ihn verdrängt, ihn ignoriert oder über ihn hinwegkommt, sondern indem er sich den Verlust durch eine ökonomische, die bisherige Sichtbarmachung übertreffende Reglementierung abbezahlt. Die Zeichenhaftigkeit seines letzten und abschliessenden Auftritts musste also sowohl jener ihrer früheren Liebschaft, als auch dem Kosmischen und dem Zustand der Entführten Rechnung tragen, indem er eine Botschaft formulierte und sie dem ausgewählten Publikum zusandte: «Als ich ihn gefunden habe, war er von einem Streifen Blut umkränzt… aus dem ersten Stock gesprungen …, ich sah nur seinen Rücken und die Arme, die, wie eine Ziffernuhr, Fünf vor Zwölf zeigen mussten, wenn man von oben heruntersah.»


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Arno Schmidt

In alln Ecken & Winkln rucklt’s und verschtrömt’s 1 dumpffen Gruch : grosse Schpuren hint=erlassen aufm Weg durch die Höfe —. / Da bleibt sie steen, ganz Torso=Apollos, und lauscht den Fögln (ich hätts nicht schöner gekonnt), als sie, ein allerdinx ärgerlicher Umschtand, ein Butterbrot kaute & zer=malmte (ein Mäh=drescher in der Nähe erb=lasste vor Neid : ich hätts auch nicht wilder gekonnt). «Sag EtssDu, iss das nich ein Kranich ? — Oder was isses…» / «N Kran=nich», mutmasste ich im Bruschtton der Überzeugunk, fink wie eine Fleddamaus die Sinjale mit meijn Ohren ap. «Aber das Gegenteil auch nich… — — .» ( & süss-verwirrt : «Wasenn Gegenteil?» // «Na, Kran kanns auch haben.

      …mussDich sogar in 8 nehmen.» (Der Mondbewohner sah fest & streng in mein Gesicht // Hat wohl zu lang keins gesehen, dachte ich. Oder zu selten keines (das soll es ja auch geben, dachte ich und würgte, während ich den Kopff einer Dorftante aus dem Gesichte (so vollumfänglich 18. Jahrhundertbegriff, wie man es aushält : aus dem bedrängten Sichtfeld all=so) schob == (Platz gibt es eben auch nicht viel, iss ja auch kleiner’r Mond, sagt man).).) «Die Dame müsstens mer lassn», : Näselnd & mit Griff nach der Anja, die sich 1nfach nicht wehrt / Profokatzion an mich ( «Lass du mick ma stehl´n von wem ich will» : ebn nicht 2.s Geschlecht, ganz ´s Selbst, das die Frau neuerdinx ist.) Schon weg isse, kaum fahrn mir die Augn nach obm, & still über=All — — Nichts Niemand Nirgends Nie !


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Georges Perec

Kaum Rücksicht auf Frau`n hat so`n jung`r Knab`: Spürt nicht, dass das UFO vom Kosmos das Mädl aufsaugt, inzwisch`n frönt das Ding — labradorähnlich — Lust nach Nahrung. Ja, nascht gar Stück um Stück von Ananastort`n, als Anja zum All hochklimmt, im Cockpit vom Raumschiff, unwillig. Obacht! Nichts währt noch in Ordnung: Das Jaulkind nimmt`s wahr, stimmt nun zum Jaul`n an und ist traurig. Schwand ihm plötzlich nicht all das, was ihm bis anhin an Spass noch oblag? Nun gibt das Jammerkind Ruh und hofft auf Gott und Tod, als strich ihm das Qual vom Konto: Doch lang muss man wart`n, für ihn hat nur Hoffnung als Wirkung noch Kraft. Sarkasmus ist das Labsal, das, trägst du all das ab, was solch Schuld tilgt, im Alltag noch üb`rzählig ist. Klar, dass ihn das bald kaputt macht. Ihm harrt nur Aufbruch vom Organismus, womöglich stirbt in ihm drin auch manch Ding nicht ganz, so auch: Naivität — ihm war nämlich oft danach, doch dann gab man aufgrund vom Zynismus auf, schoss nicht gänzlich drauf los. So, dank Naivität, starb das ärmlich-gutgläubig Ding nicht ganz trostlos, ihm wars sogar oft, als säh man im Kosmos, im Halbmondlicht, Anjas Arm und Hand — winkt nicht astronomisch sowas von dort ständig hinab?


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Platon

Der Athener. Und diese Glückseligkeit, wie könnte sie sich besser beschreiben lassen als in der Glückseligkeit der Familie, der zwei Gestalten sich zugehörig fühlen und machen, von denen die eine eine Frau und die andere ein Mann ist? Welches grössere Heil gäbe es, als wenn diese beiden jung wären und überdies froh, noch ohne dass der Mann die Form und die Frau die Materie zu etwas hätten geben können, das ihr Kind werden sollte?
Kleinias. Keines.
Der Athener. Aber steigerte sich nicht in dem Masse, wie das Heil sich in der geraden Bewegung durch das Glück junger Menschen vervielfältigt nicht auch das Unheil?
Kleinias. Hilf mir, das zu verstehen.
Der Athener. Das grosse Heil und die Glückseligkeit im Moment ist, solange es währt, gross, doch solange es währt, droht es auch nicht mehr zu sein, daher ist das Unheil ebenso gross wie das Heil gross ist. Nimmt nicht die Angst vor dem Verlust bei allen Menschen zu, sobald ihnen der Besitz wächst, und schwindet sie ihnen nicht gar, wenn sie bettelnd und unbekümmert unter den Platanen liegen?
Kleinias. Wie könnte sie nicht?
Der Athener. Solange keine Unterbrechung hereinbricht, von der ein Klopfen an der Tür ausgenommen wäre, ist die Glückseligkeit unbeschränkt.
Kleinias. Wie steht es jedoch, wenn das Klopfen an der Tür eintrifft, von dem du sprichst?
Der Athener. Nun, Kleinias, ist es nur wahrscheinlich und nicht sogar notwendig, dass einer, wenn es bei ihm an der Türe klopft und er sich dem Glückseligen hinzuwendet, doch sie öffnen ginge?
Kleinias. Es ist notwendig, meine ich.
Der Athener. Doch was hat er entgegenzuhalten, wenn der Urheber des Klopfens eindringen will. Trifft es zu, dass der, der öffnet, weiss, dass er nichts weiss?
Kleinias. Wie auch nicht, wenn er tatsächlich so klug und glückhaft ist, wie du schilderst.
Der Athener. Wie aber soll er so wissen, wie er sich zu wehren hätte, gegen jemanden, der in den Kreis des Hauses eindringt und sich seine Glückseligkeit zu eigen macht. Denn es ist jeder Teil des Nichtgrämlichen und des Grämlichen, die zu beiden Teilen in uns bewahrt sind, von einer solchen Beschaffenheit, dass sich die Kräfte der Galle weigert, die Glückseligkeit mit Gewalt aufrecht zu erhalten. Das ist ganz unmöglich.
Kleinias. Wieso?
Der Athener. Mit Gewalt in die Glückseligkeit einzugreifen, muss doch unweigerlich dazu führen, dass die Glückseligkeit zusammenfällt. Schaue dir die Menschen an, die sich mit Düften der Orakel in Zustände der Ekstase versetzen und wie es ihnen, sobald sie dem Dunstkreis enthoben sind, wieder grämlich werden. Muss es nicht einem so ergehen, dem seine Frau, die seine Kinder gebären könnte, genommen wird?
Kleinias. Ja, allerdings.
Der Athener. Wenn es so ist, dass diese Frau nicht in ein anderes Land, sondern in den Himmel gezogen wird, so schmälert dies die Gram etwa?
Kleinias. Wie könnte es?


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George Orwell

Outside, even through the white window pane, the world looked cold. The weather took on a pale-shining colour, setting little eddies of newspapers spinning in oddly manoeuvred spirals to the sky. In a somewhat peculiar manner Pete stared out to the slush on the streets, remainders of the Hate Week the Party had initiated few days earlier. The war against Eurasia had led to an enormous but still vague impression of fear on every member of the Party. This might be the end, Pete thought while the stream of thinking seemed strangely decelerated. Doublethink tried to stop him from realizing the truth. The end of Anja, his wife. But he should have anticipated it, he should have known it from the start. She has been too smart and too bright a person to just slip through the strict controlling web of the Ministry of Truth.
The telescreens were flickering behind his back, babbling and spieling about the government raising the supply of onions when in fact they were cutting them down. It were certainly those never-silent telescreens that had recorded some mindless comment or a dizzy mumbling in her sleep for which she was found guilty. In this moment, Pete would have wanted to burst out of the house and call after her in the muddy streets. But suddenly he was absolutely certain she had vanished. Just one more beloved dead person who Pete had had to let go, one more smart Party member vaporized by the Ministry of Love in its dark rooms of cruelty and disgust. But she was not a dead person, far worse than that — she was an unperson.


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