Discours de la méthode pour bien conduire sa maison

von Cedric Weidmann

Ich habe einen magischen Teppich.
Er hat die erstaunliche Eigenschaft, Dinge verschwinden zu lassen.
Erst gestern habe ich einen Stift zu Boden geworfen und ihn nicht mehr gefunden. Er konnte nicht weit weg sein. Mit den Händen fuhr ich wie wild über den Teppich, doch ich konnte nichts entdecken. Er hat ein eigenartiges Muster, das das Hinschauen schwer macht. Wenn das Licht schlecht ist, scheinen die Formen und Zeichnungen zu flirren und zu tanzen, wie Figuren bei einem alten Arcade-Automaten. Es ist unmöglich, darin etwas Dreidimensionales zu entdecken.
Auf der Suche nach meinem Stift stiess ich auch meine Schere vom Tisch und zu Boden. Sie kam auf dem Teppich zu liegen, soviel verriet mir das dumpfe Geräusch. Doch ich konnte sie nicht mehr entdecken.
In einem Anfall von Unglauben fuhr ich den Teppich ab, während meine Augen hastig über ihn herjagten. Irgendwann konnte ich den Stift entdecken – er hatte die ganze Zeit vor meinen Augen gelegen – doch die Schere konnte ich nicht mehr auffinden.
Beschämt und irritiert setzte ich mich auf mein Bett und verarbeitete den typischen Prozess der Selbstzweifel. Bin ich müde? Blind? Blöd? Was soll aus mir werden, wenn ich sogar eine Schere – ein grosses Ding mit schwarzen Griffen – auf dem Teppich nicht entdecken kann? Wozu bin ich überhaupt noch fähig?
Erst seit kurzem freue ich mich.
Nicht jeder hat schliesslich einen magischen Teppich.