Der Griff

von Cedric Weidmann

Das Tal ist lang. Der Bach ist ausgetrocknet und statt Wasser rauscht das Laub, durch das ich schreite. Zwei Krähen kämpfen und bringen die Luft zum Rascheln. Meine Begleiter sind mit abgewandt und stehen nebeneinander, als wären sie zwei Wächter vor einem unsichtbaren Tor. Der erste Schneefall setzt an. Ich fühle den Engel neben mir. Die Wärme strahlt mir auf die Haut. Er streckt die Hand aus und ich will sie halten. Doch sie wollen nicht ineinandergreifen. Als hätte er zuviele Finger, versperrt es meinen Griff.
»Ich kann nicht«, sage ich.
Der Engel lächelt und setzt zum Abflug an.
»Warte!« rufe ich, doch er lässt sich nicht aufhalten. Er verschwindet mit den ersten Flocken. Ich blicke hinaus über das Tal, wo sich der letzte Herbstnebel verzieht.
»Können wir weiter?«, fragt ein Begleiter, der aufgeschlossen hat.
Ich nicke und betrachte heimlich meine Finger, deren Anzahl zu wachsen scheint. Stolz ziehe ich meine Fäustlinge an und trotte den anderen nach.