Koalabär

von Cedric Weidmann

Sie haben die Fäuste zum Gruss erhoben. Längst von ihnen entdeckt, pirsche ich mich an die Reihen heran. Es sind mächtige Gestalten mit grobschlächtigen Nasen. Muskeln dellen ihre Körper aus und sie grölen und johlen mir zu. Ich nähere mich zitternden Schrittes, gehe hin und her, damit mir die Knie nicht einsinken. Die Waffen rasseln, Füsse stampfen, und tausend tödliche Augen sind auf mich herab gerichtet. Sie warten auf die Ansprache. Ich trete einen Schritt auf das Heer zu, in der unbegründeten Hoffnung, in ihm verschwinden zu können, doch es springt vor Schreck zurück. Man wartet unruhig und andächtig auf meine Worte. Ich fühle mich wie ein Koalabär, der verloren an seinem Eukalyptus hängt. Ein bisschen will ich süss gucken, aber das Gefühl von Verlorenheit überwiegt. Viel von dem was ist, könnte auch nicht. Wir sind verloren auf weitem Feld. Eng ist die Welt und das Gehirn ist weit, und nichts zählt, was man vergessen kann.
Ich feuchte meine Lippen an, endgültig dazu gezwungen, mir Worte abzuringen, und reibe die Hände aneinander. »Wallenstein!«, ruft ein Bote und erlöst mich. »Eine dringende Depesche.« Ich nicke dem Heer verständig zu, hebe die Faust zum Gruss und ziehe mich wortlos in mein Zelt zurück.