Die Schuhe

von Cedric Weidmann

Die Sterne funkeln ihr wunderbarstes Funkeln und ich sehe immer wieder hinauf in den grossen, dunklen, weiten Himmel. Ein Wind weht durch die Strassen, aber ich finde ihn nicht kalt und ein blödsinniges Lächeln prangt auf meinem Gesicht und der Mond leuchtet so hell sein leuchtendes Lachen herab, dass ich vergesse, wie lang der Tag schon gegangen ist, und wie sehr meine Beine vor Müdigkeit schmerzen. Ich folge ihr im Dunkeln aus dem Club, folge ihrem Summen, das die Klänge der Bässe imitiert und wir treten so den Heimweg an, den etwas tristen Heimweg, der überflüssig scheint, aber doch gar bald auf dem alle Geräusche erstickenden Bett enden wird, das alle Versprechungen einlösen soll. Sie mochte mich vor ihren Freunden abgekanzelt haben, sie mochte mich vorführen, aber das war mir egal, sie hat es wohl auch nicht so gemeint, weil ich in meiner Hand die Kante hoher Absätze spüre. Ich darf ihre Schuhe tragen! Sie hat sie mir hingestreckt, eilt jetzt barfuss mit klatschenden Tritten auf dem Asphalt voraus. Sie hat mir fast stimmlos in die Ohren gehaucht, ich solle ihre Schuhe tragen und jetzt liegen sie in meinen Händen, hart, kantig, wohlgeformt und meine Finger fahren über die Stellen, wo die Füsse Wärme hineingestampft haben und die Sohlen aufgeraut sind von Scherben und Kante. Ich stelle mir vor, wie ihre kleinen nackten Füsse im Schuh standen, gingen und tanzten. Ich bin so glücklich, dass ich glaube, der Punkt ist erreicht, wo das Glück nicht mehr steigen kann, denn was gibt es Schöneres, als um einen solchen Gefallen gebeten zu werden, und was gibt es Schöneres zu tragen als solche Schuhe? Als ich aufblicke, sehe ich sie nicht mehr. Vielleicht kann ich ihr süsses Summen noch aus der Ferne hallen hören, es ist schwer festzumachen, weil irgendwo ein Tram in den Fugen quietscht. Ich nutze den Moment, biege vorzeitig ab und laufe ihr davon. Während ich durch die vernebelten Gassen in die Richtung meiner Wohnung eile, lächle ich noch mehr. Die letzte Vermutung ihres Summens verschwindet bald und ich sehe hinauf zum Himmel, danke meinem Schicksal immer wieder, in meiner Hand die Schuhe, die ich wie ein geheimer Schatz an meine Brust presse.