Der Tag ist so gemacht

von Cedric Weidmann

Der Tag ist so gemacht,
dass auch die jungen Menschen
an seinem Ende müde sind.
Ein Junge an der Laterne
küsst einen Jungen auf den Mund.
Ein Junge wirft einem Jungen,
einen Ball an die Brust.
Vielleicht sind sie auch alle Mädchen,
die tun als wären sie’s nicht.
Vielleicht aber tun sie nur, als ob sie das täten
und wissen es selber nicht besser.
Ich fühle mich hier fast alleine,
aber in der Tasche trage ich
einen Schokoladenriegel.
Ich will ja nicht angeben,
aber es fällt mir gar nicht schwer, traurig zu sein.
Ich hätte es den Jungs gerne zugerufen,
die lachen nur und könnten was lernen,
aber ich stehe doch nicht so nah,
wie ich erst geglaubt hatte.
Ich bin ja in meinem Zimmer,
hinter dem Fenster.
Und die Laterne sehe ich kaum.
Ich liege insgesamt auch weit ab vom Zentrum,
und wenn ich nach draussen sehe,
schleicht nicht einmal etwas im Schatten herum,
oder dann erkenne ich’s nicht.
Hier gibt es auch keinen Grund,
gehört zu werden.