Kräuter

von Cedric Weidmann

Um ehrlich zu sein, ich habe keine Ahnung von Bäumen.
Das Grundverständnis für Bäume fehlt mir wie manchen Menschen das Verständnis für Geschmacklosigkeit. Ich habe seit der Geburt keines und selbst wenn man versuchte hatte, es mir nicht grundlos und nicht unengagiert beizubringen, blieb auch während meines Lebens nichts davon an mir hängen. Wenn jemand von Apfelbäumen spricht oder von Zitronenbäumen schreibt, kann ich mir darunter gerade einmal ein kümmerliches, mit grünen Blättern bestücktes Geäst vorstellen.
Zur Erleichterung riechen im Mantel dieser Vorstellung Apfelbäume nach Äpfeln, Zitronenbäume nach Zitronen, Bananenbäume nach Bananen und Mammutbäume… Die sind einfach sehr gross.
Man könnte mir die Blätter von Buchen und Eichen unter die Nase halten und das Einzige, was ich feststellen könnte, wäre, dass sie mir beide bekannt vorkommen müssten.
Meine botanischen Kenntnisse bewähren sich übrigens auch nicht, was Blumengewächse betrifft. Für mich ist das Schriftbild von Lavendel, Lilie und Hibiskus sehr eindrücklich, wie das Zeug riecht, wo es wächst, wie es aussieht und welche Menschen sich dafür interessieren könnten, weiss ich leider nicht.
Die Düfte dieser Dinge sollen ja sehr speziell und wertvoll sein und ich will einmal behaupten, dass auch olfaktorisch meine Sinne nicht ganz stumpf sind. Ich mag Gerüche sehr. Nur eben einfach nicht Holunder, nicht Rosen, nicht Orangenblüten.
Was ich mag, ist der Geruch von über Stunden angekauten Bleistiften, den Geruch von warmem Asphalt mit nassem Gras drauf, den Geruch von verschwitzten Händen nach intensivem Zupfspiel auf den Drahtsaiten.
Ich bin eben kein Florist. Das Einzige, was mich mit Gewächsen verbindet, ist meine breitgefächerte Allergie und selbst da gehöre ich nur zum Mittelmass.
Aber ich finde es okay, dass es anderen Menschen anders geht.
Ich finde es okay, dass es in einem Grossteil der von Frauen verfassten Texte um Beschreibungen von Pflanzengerüchen geht, ich muss das ja nicht verstehen, Frauen hat man noch nie verstanden.
Ich habe kein Problem damit, dass es Kenner gibt, dass es Schrebergartenbesitzer gibt, dass es Parfums gibt, die damit Werbung machen, wenigstens substanzweise nicht synthetisch hergestellt zu sein. Ich komm auch gut klar mit Leuten, die sagen, sie würden wegen des Geschmacks kiffen.
Es ist leider nur so:

Pflanzen sind öde. Ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich Rasen mähe. Sie haben kein Zentralnervensystem. Ich weiss deshalb nicht, weshalb ich mich mit ihnen abgeben sollte.